#1

Mein Abort

in Eure Geschichte 14.08.2020 17:50
von Phani • 6 Beiträge | 6 Punkte

Hallo ihr lieben Frauen!
Ich hatte letzten Donnerstag meine erste Fehlgeburt, in der 10. SSW (9 + 4 Tage)
Ich bin morgens weinend aufgewacht und dachte einfach schlecht geträumt zu haben. Als ich später auf die Toilette ging, bemerkte ich Schmierblutungen.
Im ersten Moment dachte ich nur, ich soll nicht gleich vom schlimmsten ausgehen, aber ich hatte dennoch ein ungutes Gefühl.
Ich meldete mich in der Arbeit krank und wartete im Bett wie es weiter geht. Es folgten intensivere Blutungen, ich rief weinend bei meiner Frauenärztin an.
Sie meinte, sie hat keine Zeit, sie ist total ausgebucht und ich soll einfach "bis Mittag" warten. Mein Freund war zum Glück zu Hause und meinte, wir
fahren sofort auf die Klinik. Mir war zu dem Zeitpunkt bereits klar, dass ich nicht mehr schwanger bin.... dies wurde mir auf der Klinik bestätigt.
Der Oberarzt sagte mir sofort, ich solle mir auf keinen Fall Vorwürfe machen, es gibt keinen erklärbaren Grund für Fehlgeburten, leider ist mehr als jede
3. Schwangere von einer Fehlgeburt betroffen.... ich war überfordert, musste weinen und anschließend entschied ich mich, wir uns, für eine Ausschabung
am Folgetag, also letzten Freitag. Seither bin ich im Krankenstand und meine Gefühlswelt ist komplett durcheinander.
Bis Dienstag wars schwierig, ich war vorallem wütend. Wütend auf mich, auf meinen Partner, auf meine Frauenärztin, auf eigentlich alle.
Mittwoch und Donnerstag gingen, ich versuchte mich abzulenken, eine Freundin kam mich besuchen, ich kochte gut für mich...
und heute muss ich wieder viel drüber nachdenken und bin einfach traurig.
Auch wenn ich weiß, dass ich keine Schuld an dem Geschehenen trage, lässt es mich nicht los, dass ich "irgendwas hätte anders machen können".
Hätte ich Folsäure genommen, hätte ich nicht so viel gearbeitet, hätte ich die Schwangerschaft "besser geplant"... oder "hätte ich mir eine private
Frauenärztin ohne Kassenvertrag gesucht, die hätte gleich was machen können"... es ist ein Fluch diese Denkerei....
wie habt ihr das geschafft aus diesen "Schuldgefühlen" gut rauszukommen?
Wie lange wart ihr so traurig oder im Krankenstand nach eurer Fehlgeburt?
Wem habt ihr davon erzählt? Habt ihr in der Arbeit was erzählt?

Hab viele Fragen :) und noch gar keine Erfahrung mit Foren. Meine Premiere sozusagen.

Danke jedenfalls, fühle mich jetzt schon gut aufgehoben!

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#2

RE: Mein Abort

in Eure Geschichte 14.08.2020 18:06
von Susanne • 4.612 Beiträge | 4630 Punkte

Liebe Phani, herzlich willkommen und mein Mitgefühl für Deinen Verlust. Bei Dir ist der Schicksalsschlag ja noch sehr frisch, dass Du da gefühlsmäßig neben der Spur läufst und es "bessere und schlechtere Tage" gibt, kennen wir alle. Es dauert wirklich meist recht lang bis man wieder einigermaßen in die Bahnen wieder kommt. Ich kenne auch diese Gefühle wie Wut und dann wieder Tränen und Verzweifelung. Lange habe ich auch meinen Mann, der zwar sehr lieb war, abgewiesen. Ich bin da so wie ein verletztes Tier, was sich in die Höhle zurück zieht um die Wunden alleine zu lecken.
Klar, habe ich mich auch immer wieder gefragt, ob ich irgendetwas hätte anders machen können oder es einen anderen Grund gegeben hat als einen Chromosomenfehler.Aber in den meisten Fällen ist es "einfach" ein Fehler im Bauplan und die Natur entscheidet "nicht lebensfähig". Das ist ein Los, was wir einfach nicht in der Hand haben bzw beeinflussen können. Es ist schwer zu akzeptieren, dass man dem ausgeliefert ist, aber in diesem Fall "Wunder des Lebens" ist es leider so. Wir können nur gute Voraussetzungen schaffen in Form von gesunder Lebensweise etc.

Ich war, als es passierte in Elternzeit, daher hatte ich keine Krankschreibung.

Erzählt habe ich es nur meinen Eltern und 3 Freundinnen. Das aus verschiedenen Gründen (S. Tabuthema FG).

Fühl Dich gedrückt, Susanne

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#3

RE: Mein Abort

in Eure Geschichte 14.08.2020 18:19
von Phani • 6 Beiträge | 6 Punkte

Danke Susanne für deine Antwort!

Ja, es ist noch sehr frisch, dennoch fühlt es sich an, als wäre eine Ewigkeit inzwischen vergangen... das kennst du vielleicht auch...
ich hab von der Schwangerschaft nur 3 Freundinnen erzählt und zwei davon wissen nun auch vom Gehen unseres kleinen Geheimnisses.
Die dritte Freundin steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes und aktuell ziemlich ängstlich sodass ich es ihr besser persönlich sage als nur
am Telefon....
ich hadere etwas damit es meinen Eltern zu sagen, ich denke, sie würden ebenso Schuldgefühle entwickeln..... daher warte ich damit noch bis ich
mir selbst klarer bin darüber ob es klug ist es ihnen zu sagen oder nicht.
In der Arbeit möchte ich es nicht sagen, da ich nächste Woche wieder starten soll und es sich gut anfühlt, dass es dort einen Ort gibt, der genauso
ist wie vorher.. ohne mitleidige Blicke und voller Lebensfreude und Aufgaben.. das fühlt sich gerade auch besser so an.
Vielleicht schau ich noch ins Forum "Tabuthema Fehlgeburt" um zu sehen, wie andere damit umgehen und warum.

Danke dir und alles Liebe auch von mir <3

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#4

RE: Mein Abort

in Eure Geschichte 14.08.2020 18:43
von Susanne • 4.612 Beiträge | 4630 Punkte

Ja, das kenne ich auch, es kommt einem vor als wäre es eine Ewigkeit her, dass man schwanger war...

Tabuthema Fehlgeburt

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#5

RE: Mein Abort

in Eure Geschichte 15.08.2020 08:53
von Steffi-3009 • 676 Beiträge | 685 Punkte

Liebe Phani,
es tut mir leid, dass auch du das erleben musstest.
Wie Susanne schon schreibt, es wird bessere und schlechtere Tage geben. So ein Ereignis lässt einen halt nicht vergessen, aber lernen damit umzugehen. Ich wünsche dir für die kommende zeit ganz viel Kraft und hoffe, dass du bald positiv nach vorne schauen kannst. Ich finde reden hilft dabei ganz viel. Und: du hast mit Sicherheit nichts falsch gemacht. Mach dir keine Vorwürfe.
Fühl dich gedrückt 🍀

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#6

RE: Mein Abort

in Eure Geschichte 16.08.2020 10:23
von Lilly86 • 51 Beiträge | 51 Punkte

Liebe Phani,

es tut mir wirklich sehr leid für dich,dass auch du diese Erfahrung machen musstest.
Mir bzw uns ist es im Juni passiert,festgestellt wurde es in der 9. Woche,allerdings hat bei unserem Krümel das Herzchen nicht mehr geschlagen.
Ich wusste eben auch durch die Ärzte und meine Recherche im Internet,dass es vielen Frauen so geht aber ich fühlte mich dennoch sehr allein,dass Gefühl kehrt auch bis heute immer mal wieder zurück.
Ich musste leider auf der Arbeit sehr früh Bescheid geben,da ich beim Zahnarzt arbeite,somit wüssten alle meine Kolleginnen und Chef bescheid.Der Großteil war bzw ist bis heute ganz einfühlsam was das betrifft,wofür ich sehr dankbar bin.
Aber letztendlich kann ich deinen Gedanken verstehen,wenn du wieder anfängst zu arbeiten,in eine anonyme Normalität zurück zu kommen.
Ich war nach der Fehlgeburt und Ausschabung zwei Wochen zu Hause und meine Frauenärztin hätte mich auch noch länger krank geschrieben aber ich wollte aus meinem ständigen Gedankenkarussel raus,dafür war die Arbeit eben echt gut.
Ich wünsche dir und deinem Mann/Freund viel Kraft für die nächsten Tage und Wochen,hoffe du wirst gut aufgefangen und kannst über das erlebte reden.

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#7

RE: Mein Abort

in Eure Geschichte 21.08.2020 18:15
von Phani • 6 Beiträge | 6 Punkte

Liebe Lilly,

danke für deine offene Antwort.

Mein Freund und ich reden viel darüber, ich weine immer wieder, es ist ein auf und ab. Diese Woche mit Arbeit war wesentlich besser
als die Woche davor zu Hause. Diese eine Trauerwoche war total gut, ich hatte die Zeit mich mit mir zu beschäftigen, meiner Gefühlswelt, meinen
veränderten Körper wahrzunehmen. Das mach ich immer noch, nur nicht mehr den ganzen Tag allein daheim. Ich hab jetz wieder Menschen um
mich, mit denen ich entweder darüber reden kann oder eben, wie die Arbeitskolleginnen, über irgendetwas anderes, weil sie es nicht wissen. Was
mich gerade sehr befreit.
Es tut mir sehr leid, dass euer Krümel ebenso so früh gegangen ist....
unsere Willi war ebenso nur 10 wochen da und dennoch so viel für mich verändert.
ich sehe nun jedes Kind als wirkliches Wunder an. Und es macht mich zuversichtlich, dass wir ebenso mal so ein Wunder erleben dürfen...

Habt ihr euch psychotherapeutische Unterstützung geholt?
Ich bin noch nicht ganz sicher... ich möchte irgendwie noch etwas warten und versuchen, es alleine zu bewältigen mit meinen eigenen Ritualen.

Ich wünsch euch allen jedenfalls alles Liebe und danke fürs dasein,
Phani

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