#1

Fehlgeburt meines kleinen Wunders

in Eure Geschichte 28.11.2020 23:46
von Mari • 2 Beiträge | 2 Punkte

Hallo zusammen,
Ich bin gerade dabei meine letzten Wochen zu verarbeiten und hoffe, hier darüber zu schreiben und andere Erfahrungen zu lesen, hilft mir auch dabei. Bin froh, dieses Forum gefunden zu haben!

Nachdem mein Mann im März eine Vasektomie hat machen lassen, war ich felsenfest davon überzeugt, dass das Ausbleiben meiner Tage Ende September niemals mit einer Schwangerschaft zu tun haben könnte, sondern eher mit meiner Ernährungsumstellung. Daher war ich beim Hausarzt um mein Blut untersuchen zu lassen. Er teilte meine Meinung, riet mir aber zu einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke um schnell Sicherheit zu haben. Und tatsächlich, die zweite Linie war nicht gut sichtbar, aber sie war da. Ich fiel aus allen Wolken. Ich muss dazu sagen, dass ich 38 bin, bereits 3 Kinder habe, nach deren Geburt ich immer eine Atonie mit hohem Blutverlust hatte. Nicht nur, dass wir die Familienplanung abgeschlossen hatten auch auf ärztliches anraten des Frauenarztes hin, ließ mein Mann diese sicherste Verhütungsmethode durchführen.
Der Bluttest beim Frauenarzt bestätigte die Schwangerschaft. Eine Woche später war der hcg-Wert soweit gestiegen, dass wir einen Termin vereinbarten, da man bei einem Ultraschall was sehen sollte. Da war auch eine normal entwickelte Fruchthöhle, mehr nicht. Aber mein Frauenarzt ging davon aus, dass es sich um eine intakte frühe Schwangerschaft handelte. Wir unterhielten uns lange, denn die Angst vor der Geburt und der Satz im Entlassbrief von der letzten Geburt, dass man mich über ein erneutes Atonierisiko und dessen Komplikationen bis zum Tod bei einer Folgeschwangerschaft aufgeklärt hatte, waren vor allem auch für meinen Mann ein großes Thema. Er hatte einfach Angst, am Ende mit 4 Kindern alleine dazustehen. Völlig zurecht in den Augen meines Arztes. Nach diesem Gespräch war ich komplett fertig mit den Nerven, denn eigentlich hatte ich mich trotz Angst sehr gefreut zu hören, dass der hcg gestiegen ist. Ich dachte, wir leben 15 km von einem großen Krankenhaus entfernt nicht irgendwo außerhalb der Zivilisation, die werden das schon hinkriegen. Nun war ich völlig zerstört. Zum Glück bekam ich 2 Tage später einen Termin bei einer Oberärztin im Krankenhaus, die mit mir zusammen alle Geburtsberichte durchschaute. Sie konnte mir meine Angst nehmen, denn sie meinte, bei der letzten Geburt hat meine Gebärmutter trotz Riesenbaby und 3. Schwangerschaft gut auf die Medikamente reagiert und sie hätte den Brief so nicht formuliert. Leider konnte auch sie kein Herzchen schlagen sehen, aber war auch positiv, es war ja die 7. Woche und gut möglich, dass es einfach noch zu früh war. Der Dottersack war da und auch ein Embryo war zu sehen. Ab diesem Termin konnten wir uns endlich freuen, zwar immer noch etwas besorgt und zurückhaltend, aber ich war gleich komplett verliebt und hatte schon den Namen überlegt, eine neue Kinderzimmerordnung, mögliches neues Auto... wie das halt so ist. Dennoch war mir lange nicht so schlecht wie bei den letzten Schwangerschaften, was mich immer nachdenklicher machte. Als auch beim Ultraschall in der 9. Woche kein Herzschlag zu sehen war und der hcg Wert fiel, war klar, dass es doch kein Wunder geben würde. Ich war so traurig, als mir die Sprechstundenhilfe dies mitteilte, auch wenn ich damit rechnete, hofft man ja bis zum Schluss. Die Ausschabung wurde gleich in dieser Woche durchgeführt. Alles war sehr unwirklich, kalt und ich funktionierte halt. Am Tag danach, bekam ich Fieber. Zurück im Krankenhaus wurde ich auf einen stationären Aufenthalt wegen Infektion oder Blutvergiftung vorbereitet, was sich zum Glück nicht bewahrheitete. Ich solle am nächsten Tag einen Corona-Test machen, wäre wohl ein Virus. Am nächsten Tag, Corona-Test, negativ!
Nach der Gefühlsachterbahn der letzten Wochen, ständig Unsicherheit, Angst, hoffen, bangen- gleichzeitig funktionieren, vor den Kindern nichts anmerken lassen... war ich nach der Ausschabung kurzzeitig erleichtert. Aber ich merke, dass auch wenn ich abgelenkt bin, die Zeit zum trauern gefehlt hat, dass ich immer wieder weinen muss, an das Baby denke, wie es wohl ausgesehen hätte, was mit ihm los war,... Ich hatte zwischen meinen zwei großen Mädels bereits eine Missed abortion, aber da war auch kein Herz zu sehen und ich wurde kurz darauf wieder schwanger und Mama, das habe ich gut weggesteckt.
Jetzt ist es so endgültig. Mein Mann hat nun eine zweite Vasektomie durchführen lassen, denn zum ersten Mal in der 33-jährigen Karriere des Urologen ist ein Samenstrang komplett zusammen gewachsen.
Mein kleines Wunder wird im März beerdigt. Die Vorstellung nochmal so ein kleines Menschlein in den Armen zu halten-mein Baby- war so nah. Jetzt hat es sich für immer erledigt, was ja natürlich auch vernünftig ist, aber es tut einfach weh. Vor dieser Schwangerschaft war das in Ordnung, jetzt fühlt es sich fies an.
Es tut mir leid, ich hoffe, ich verletze niemand mit meiner Geschichte, immerhin habe ich ja 3 Kinder. Allerdings musste ich nun feststellen, dass der Schmerz trotzdem sehr groß ist.

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#2

RE: Fehlgeburt meines kleinen Wunders

in Eure Geschichte 29.11.2020 00:43
von Ophelia Denöf • 198 Beiträge | 199 Punkte

Hey Mari,

bitte höre sofort damit auf dich für deine Gefühle zu entschuldigen, du hast jedes Recht dazu traurig zu sein! Dein Verlust tut mir sehr leid, es ist immer schrecklich ein Kind zu verlieren, egal wie groß oder klein es ist oder wieviele Geschwister schon gesund und munter auf die Welt gekommen sind.
Die Ängste deines Mannes sind natürlich verständlich, doch würde mir die emotionale Ebene fehlen. Ich finde es ganz wichtig als Paar über einen solchen Verlust zu sprechen um es verarbeiten zu können. Oben drauf kommt bei dir ja nun noch dass jetzt nach der zweiten Vasektomie wirklich die Familienplanung beendet ist obwohl du dir nach dieser Erfahrung gar nicht mehr sicher bist ob du das so willst, was ich total nachvollziehen kann.
Als ersten Schritt möchte ich dir ans Herz legen dass du deiner Trauer irgendwie Raum verschaffst und alle deine Gefühle zulässt. Denke bitte an dich, du bist als Mama die wichtigste Person in der Familie.
Mir hat es zum Beispiel geholfen etwas für mein verlorenes Baby zu basteln.

Liebe Grüße und alles Gute!

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#3

RE: Fehlgeburt meines kleinen Wunders

in Eure Geschichte 29.11.2020 09:10
von Susanne • 4.641 Beiträge | 4659 Punkte

Liebe Mari, ich kann Deine Trauer sehr gut verstehen. Eigentlich galt das Thema Kinderplanung als abgeschlossen und dann war es auf einmal wieder völlig präsent und der Wunsch/die Pläne und die Vorstellung von dem möglichen Kind, was noch unerwartet kommen sollte, war wieder total geweckt. Scheinbar war der Wunsch nach einem weiteren Kind oder zumindest die Trauer um das Ende des Kinderplanung doch noch insgeheim da- "alles erlebt man zum letzten Mal und nie wieder hält man sein eigenes Baby im Arm". Nun ist es endgültig, da Dein Mann die 2.OP hat machen lassen. So musst Du Dich in vielerlei Hinsicht verabschieden. Das tut sehr weh. Zumal die Ärztin sagte, dass es gesundheitlich nicht ganz so drastisch und verantwortungslos wäre wie gedacht. Das tauchte das Ganze nochmal in ein ganz anderes Licht, denke ich. Ein weiteres Kind wurde möglich. Träume wurden geweckt und Pläne geschmiedet, Ihr freutet Euch und dann das. Ich könnte mir vorstellen, dass Ihr vielleicht ohne die 2. OP Deines Mannes jetzt ernsthaft über ein weiteres Kind nachgedacht hättet. oder? Fühl Dich gedrückt, Susanne

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#4

RE: Fehlgeburt meines kleinen Wunders

in Eure Geschichte 29.11.2020 21:22
von Mari • 2 Beiträge | 2 Punkte

Danke, dass ihr euch meine lange Geschichte durchgelesen habt und mitfühlt. Ihr habt Recht, ein weiteres Baby war insgeheim schon immer mein größter Wunsch, das war auch keine Entscheidung des Herzens, sondern des Kopfes. Es gibt noch weitere Gründe für den Schritt. Unser drittes Kind war schon mit viel Überzeugungsarbeit meinerseits was meinen Mann betrifft, verbunden. Nachdem ich 2 Wochen verdrängt habe, bin ich nun dabei, mir zumindest abends meine Zeit zu nehmen und das ganze zu verarbeiten. Wie du sagst, Ophelia, das ist jetzt wichtig, das ist mir nun klar. Zunächst dachte ich, dass ich niemals zu dieser Sammelbeerdigung gehen werde, jetzt habe ich sogar schon einen Brief an das Baby geschrieben, der mit in das Grab gegeben wird. So im Nachhinein betrachtet, hätte ich mich vielleicht auch besser gegen eine Ausschabung im Krankenhaus entschieden und mein Baby auf natürlichem Wege gehen lassen. Leider wurde ich durch meine Internetrecherche ziemlich verunsichert, vom Arzt nicht ordentlich aufgeklärt und meine Hebamme war im Urlaub. Jetzt ist es so und ich muss damit klarkommen und das werde ich sicher auch. Ich danke euch von Herzen für Eure Worte!

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