#1

Und nochmal eine Fehlgeburt

in Eure Geschichte 14.10.2020 19:24
von Elena88 • 3 Beiträge | 3 Punkte

Hallo ihr lieben,
ich habe lange überlegt ob ich mich hier anmelden soll und von mir erzählen soll. Aber als ich die Geschichten hier gelesen hab, hab ich gemerkt wie ähnlich es uns allen geht.
Daher möchte von meinen beiden Fehlgeburten erzählen und ich habe das Gefühl, dass das ein langer Text wird.
Meine erste Fehlgeburt war im Januar in der 8 Woche. Mit der Schwangerschaft hat sehr schnell geklappt und wir waren überrascht aber auch überglücklich. Plötzlich kamen dann Blutungen und bin aus allen Wolken gefallen, meine FA hat es leider bestätigt. Missed Abort. Da Freitag war, wurde mir erklärt, dass sie heute im Krankenhaus ohnehin nichts mehr tun würden und ich zuhause auf einen natürlichen Abgang warten „dürfte“. Ich hatte keine Ahnung was da auf mich zukam.. war geschockt und perplex was der eigene Körper zu tun im Stande ist. Ich hatte „Glück“ dass alles vollständig abgegangen ist. Es hat zwar auch etwas gedauert aber im großen und ganzen konnte ich diese Fehlgeburt gut verarbeiten.
Nach 5 Monaten war ich dann wieder schwanger. Aber auch dieses Mal hat es nicht geklappt. Ein weiterer Abgang im September in der 10 Woche, obwohl es, wie mir die Ärzte gesagt haben, viel viel kleiner war. Dieses Mal wurde ich von meiner FA zur Ausschabung geschickt... Bis auf das lange warten, die furchtbaren Minuten bis man endlich auf diesen beschissenen op-Stuhl einschläft, war für mich die op in Ordnung. Ich dachte es wäre vorbei und hab versucht abzuschließen. Aber leider hatte ich einige Tage später einen weiteren natürlichen Abgang... meine Ärztin meinte es könnte noch Schleimhaut gewesen sein, die nicht ganz entfernt wurde, oder ein Blutgerinnsel. Das schlimme war aber, dass ich in der Situation selber nicht verstanden hab was mit mir passiert. Ich ja dachte, es wäre alles entfernt worden... Ich dachte, dass ich mir das nur einbilde, dass es doch gar nicht sein kann, Schmerzen wie bei einem weiteren Abgang zu haben... und auch heute glaub ich das keiner der Ärzte bei denen ich war (Vertretung und Krankenhaus) verstanden hat wie furchtbar es ist, nicht zu wissen was mit dem eigenen Körper passiert. Im Nachhinein würde ich daher nie wieder eine Ausschabung machen lassen, wieso auch...wenn man Pech hat bleibt einem der Abgang danach auch nicht erspart. Irgendwie schon fast ironisch, normalerweise hört man es nur andersrum...
Und als ob das nicht schon alles reichen würde, ist meine Schwägerin auch schwanger. 1-2 Woche weiter als ich wäre. Wir wussten gegenseitig von unseren Schwangerschaften. Wir haben auch offen über die Abgänge gesprochen. Auch sie hatte schon einen. Dann, nicht einmal zwei Wochen nach meiner Ausschabung, haben sie in der Familiengruppe Ultraschallbilder von ihrem Baby verschickt, die ich natürlich zwangsläufig auch sehen musste. Da bin ich echt zusammengebrochen, dieses Baby zu sehen... so groß wie unseres auch wäre, das war zu viel. Es war wie ein Schlag in den Magen. Natürlich war es keine böse Absicht, sie freuen sich eben. Aber es geht noch immer nicht in meinen Kopf wie man so gedankenlos agieren kann... zumal sie ja alles von mir gewusst haben. Inzwischen haben sie sich entschuldigt, aber das ändert nichts daran dass ich dieses scheiß (sorry) Ultraschallbild vor mir sehe. In den ersten Tagen dachte ich wirklich jetzt ist es vorbei, davon erhole ich mich nicht mehr. Kontakt möchte ich daher derzeit keinen, zumindest so wenig wie es familiärbedingt möglich ist. Jetzt nach ein paar Wochen geht es langsam langsam besser... aber es tut trotzdem höllisch weh, ganz zu schweigen von der Angst vor einer dritten Fehlgeburt.
Die Frage die sich mir immer wieder stellt ist: wie schafft man es weiterzumachen? Wie soll ich es „überleben“, wenn es nochmal passiert?

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#2

RE: Und nochmal eine Fehlgeburt

in Eure Geschichte 14.10.2020 20:30
von Marie (gelöscht)
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Hi Elena,
tut mir sehr zu hören, dass du das durchstehen musstest, fühle dich gedrückt 💕 es ist schlimm Fehlgeburten zu haben und eine grosse Belastung, die Aussenstehende nicht wirklich verstehen, ich glaube ich haette es auch noch verstanden ohne die Erfahrung selbst gemacht zu haben. Ich hatte selbst 2MA und erkenne mich in vielen deiner Zeilen wieder. Der Schock, die Angst, dass es wieder passiert und bei mir war es eine sehr gute Freundin die ihre Schwangerschaft mit fast gleichem ET an dem Tag ankündigte wo ich es auch tun wollte.
Ich haben meine Freundin tatsächlich damals gemieden, weil ich erstmal Zeit für mich brauchte, ich wollte absolut niemanden sehen und das einzige was mir geholfen hat waren seeeehr lange Spaziergänge mit meinem Mann, wo wir immer wieder über alles geredet haben. Ich habe ausserdem nach der 2FG die gängigsten Tests machen lassen, es gab mir das Gefühl was in der Hand zu haben und was tun zu können. Ausserdem habe ich viel Sport gemacht und mich ausserdem auf neue Jobs beworben. Einfach auch damit mein Leben nicht still steht und der Kinderwunsch das einzig bestimmende ist. Allerdings hat es mich schon ein paar Wochen einfach nur Trauer gekostet, um so etwas anzufangen.
Ich hab die Zeit gebraucht und es war gut fuer mich es auch zuzulassen statt es gleich zu verdrängen.
Die Angst vor weiteren FG hab ich nicht so recht loswerden können, Hoffnung hat mir gegeben, dass viel Frauen zB auch hier im Forum nach mehreren FG auch ein gesundes Kind bekommen haben. Vielleicht kann ich die auch etwas Hoffnung geben, ich bin aktuell in der 36ssw.
Ich kann dir aus meiner Erfahrung nur sagen, lass die Trauer raus und zu und nimm dir die Zeit die du brauchst, denn nur so wirst du früher oder später wieder nach vorn Blicken können. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit und verlier nicht die Hoffnung, 💕🍀

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#3

RE: Und nochmal eine Fehlgeburt

in Eure Geschichte 14.10.2020 21:20
von Susanne • 4.613 Beiträge | 4631 Punkte

Liebe Elena, herzlich Willkommen und mein Mitgefühl für Deine Verluste. Wie schafft man es weiter zu machen : ja, eine gute Frage, viele denken kurz nachdem es passiert, sie werden dazu nie wieder imstande sein, aber irgendwann kommt dann doch der Punkt, wo der Wunsch größer wird als die Angst.
"Das ist unmöglich", sagt die Angst.
"Zu viel Risiko", sagt die Erfahrung.
"Macht keinen Sinn", sagt der Zweifel.
"Versuchs!", flüstert das Herz.

Das finde ich sehr passend.

Liebe Grüsse Susanne

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#4

RE: Und nochmal eine Fehlgeburt

in Eure Geschichte 14.10.2020 21:20
von Elena88 • 3 Beiträge | 3 Punkte

Hey Marie,
danke für deine Antwort und die lieben Worte. Ich freue mich für dich, dass du bald dein kleines Wunder in den Armen halten darfst 💞.
Wir waren auch schon bei der genetischen Beratung und warten gerade auf die Ergebnisse. Es stimmt absolut, etwas zu tun gibt einem das Gefühl nicht stillzustehen. Das Leben geht ja trotzdem weiter, auch wenn es sich für mich manchmal noch anders anfühlt. Es ist so hart. Wurde bei deinen Tests etwas festgestellt? Ich würde mir wirklich wünschen, dass etwas gefunden wird (auch wenn das ja eigentlich nicht gut ist). Aber dann gäbe es wenigstens einen Grund und vielleicht eine Behandlung, damit ich nicht noch eine FG durchmachen muss.

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#5

RE: Und nochmal eine Fehlgeburt

in Eure Geschichte 14.10.2020 21:37
von Elena88 • 3 Beiträge | 3 Punkte

Hallo Susanne,
danke für deine Antwort und vor allem für deine Arbeit in diesem Forum.
Der Spruch ist wirklich schön und es stimmt, der Wunsch und die Hoffnung sind immer irgendwo da. Hoffentlich flüstert mein Herz ganz bald wieder 💛

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#6

RE: Und nochmal eine Fehlgeburt

in Eure Geschichte 15.10.2020 10:19
von Marie (gelöscht)
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Hi Elena,
Ja das Gefühl kenne ich, ich hatte mir auch gewünscht, dass was gefunden wird. Bei mir wurde eine Anomalie in der Gerinnung gefunden, die eigentlich nicht behandlungsbedürftig ist. Prophylaktisch habe ich Heparin ab positiven ss test bekommen und das bis heute. Ob das wirklich der Grund war werde ich wohl nie erfahren. Ich befürchte oft ist es wirklich auch einfach das vielbesagte Pech, auch wenn es schwer anzunehmen ist.

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