#1

Die Geschichte von unserem Wurmi

in Eure Geschichte 01.10.2020 15:33
von Marylou • 4 Beiträge | 4 Punkte

Ich möchte auch unsere Geschichte erzählen.

Ich bin 37 Jahre alt und seit einer halben Ewigkeit (mittlerweile 18,5 Jahre) mit dem besten Mann der Welt zusammen, seit gut 8 Jahren auch verheiratet.

Da mir in meinem Elternhaus vieles gefehlt hat, habe ich seit jeher große Schwierigkeiten damit, eine eigene Familie / Kinder überhaupt in Betracht zu ziehen. Daher waren Kinder nie so wirklich ein Thema für mich. Ziemlich schade, weil ich weiß, dass mein Mann es sich sehr wünschen würde, und sicherlich der beste Papa der Welt sein möchte  Dennoch hat er meinen Standpunkt immer akzeptiert und seinen Frieden damit gemacht.

Durch viel zu viel Arbeit, Hausbau und noch ein paar anderen großen Sorgen setzte mein Zyklus für über 5 Jahre komplett aus. Die Hormone wurden im Kopf noch gebildet, aber nicht mehr in meinem Körper weiter verarbeitet… Vor knapp 2 Jahren setzte, nachdem ich jemanden sehr wichtigen in meinem Leben gehen lassen musste, mein Zyklus wieder (perfekt regelmässig) ein, trotzdem ist nie was passiert…

Nachdem mein Leben nach diesem Verlust ein paar überraschende Wendungen genommen hat (… manchmal meint es das Schicksal wohl auch sehr gut mit einem :-) … ), habe ich seit einiger Zeit 2 neue Wegbegleiter, die mein Leben ziemlich bunt machen und die Mauern, die ich jahrzehnte lang um mein Herz errichtet habe, rigoros einreissen. :-9 So kam es, dass ich begann, mich langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass auch eigene Kinder vielleicht doch eine schöne Idee wären. Völlig ohne Druck, kann , muss aber nicht…
Im August war auf einmal alles anders, auch vor dem Test war es mir schon klar. Dennoch, am 12. August, dem 40. Geburtstag meines Mannes, hatte ich um 6 Uhr morgens einen positiven Test in der Hand :-D Ich war einfach glücklich und zufrieden damit, meine jahrelange Panik vor diesem Moment, und die Sorgen, dem ganzen nicht gerecht werden zu können, wie weggeblasen….

Ich verpackte den Test in Geschenkpapier und legte ihn meinem Mann später auf den Frühstückstisch…. Nachdem er ihn ziemlich ungläubig angestarrt hat, war seine Freude und sein Stolz riesig :-D Auch ich konnte mich überraschend absolut gut auf die Schwangerschaft einlassen und war einfach nur zufrieden und happy….

Am selben nachmittag hatte ich einen Termin für den nächsten Tag zur Blutabnahme bei der Frauenärztin vereinbart. Beim Ultraschall in der nächsten Woche (5+4) war konnte ich es sehen, noch minimini- klein, aber genau da, wo es hin gehört. Noch kein Herzschlag, aber eben noch sehr früh dran. Blutwerte auch alle in Ordnung, außer ein unplausibles und nicht erklärbares Ergebnis beim Coombs-Test. Meine Ärztin meinte, ich sollte mir keine Sorgen machen, dass da etwas nicht stimmt, seit höchst unwahrscheinlich und der Test sollte nach 3 Wochen nochmal wiederholt werden.

Außerdem sollte ich am 03.09. nochmal zum Ultraschall kommen, damit wir dann das Herzchen sehen könnten und nochmal checken, ob alles okay ist.
In den Tagen vor dem 2. Ultraschalltermin ging es mir gar nicht gut, ich erbrach mich bei jedem Zähneputzen und hatte den ganzen Tag das Gefühl, ich erfriere… Blutdruck sehr niedrig, aber da hab ich immer einen Hang dazu. Auch das Trinken fiel mir schwer, außer mindestens lauwarmes Leitungswasser oder Tee konnte ich nichts trinken, und das auch nur schluckweise, bei allem anderen hat mein Magen rebelliert…. Aber was macht man nicht alles …
Da war er, der ersehnte Ultraschalltermin, und ich hatte ein komisches Gefühl, aber nachdem es mir allgemein zu der Zeit recht schlecht ging, und die ganze Situation ja auch sehr neu und fremd war, konnte ich es nicht näher einordnen.

Nach einem ausführlichen Gespräch mit meiner Ärztin ging´s zum Ultraschall, und es war leider kein Herzschlag mehr zu finden (8. SSW). Anhand der Größe lag es nahe, dass unser Wurmi seit etwa 4-5 Tagen tot war… War auch ganz klar in Zusammenhang zu bringen, mit dem Zeitpunkt, ab dem es mir so schlecht ging. Irgendwie hat mich das in diesem Moment überhaupt nicht unerwartet getroffen, und ich habe es mit Fassung aufnehmen können.

Interessanterweise haben sich meine körperlichen Symptome in Luft aufgelöst, als mein Kopf es "schwarz auf weiss" hatte....
Meine Ärztin riet mir, ich solle mir einfach ein bisschen Zeit nehmen und alles auf mich wirken lassen, und nicht sofort einen Termin in der Klinik machen. Meinen Körper selbst entscheiden lassen, ob er es selbst regeln kann und will, und dann ggf. einen Termin in der spezialisierten Klinik machen.
Mit dem Warten und der Ungewissheit kam ich nicht gut zurecht, und so habe ich am Montag in der Klinik angerufen und einen Termin vereinbart… So ist Wurmi nun seit dem 08.09. auch nicht mehr physisch bei mir…
Dennoch muss ich sagen, dass die Betreuung in der Klinik große Klasse war und nicht so die negativ-Erfahrung war, vor der man so große Angst hat.

Ich war noch knapp 2 Wochen von der Arbeit daheim, Zeit, die ich auf jeden Fall für mich gebraucht habe, und momentan habe ich das Gefühl, dass es noch lange Zeit dauern wird, bis wieder mehr Sonnentage einkehren und nicht mehr so viele graue… Macht grundsätzlich nix, die Zeit, die es braucht, hat es mehr als verdient… Und im Leben bleibt oftmals nichts, als die Dinge zu nehmen, wie sie kommen, und im Zweifelsfall das Beste daraus zu machen.

Diese Woche geht es mir besser, letzte Woche war ziemlich dunkel…
Es ist alles so ungewiss momentan. Ob mein Körper sich wieder einregelt, oder wieder alles über Bord wirft. Ob ich überhaupt für mich wieder in Betracht ziehen kann, mich noch einmal auf dieses Abenteuer einzulassen, oder ob meine Angst (die gerade höhnisch lachend mit dem Finger auf mich zeigt und schreit „Siehst du, ich hab es dir gleich gesagt, Kinder sind nichts für dich!“ ) doch für immer die Oberhand behalten wird… und viele andere große Fragezeichen…
Eigentlich stand unser Lebensentwurf zu zweit, und daran war nix verkehrt. Eigentlich hatte ich Pläne, die mit Wurmi schwierig geworden wären. Doch irgendwie, so sehr ich den Plan hatte, mich nicht aus der Bahn werfen zu lassen, und da weiter zu machen, wo wir vorher waren, steht die Welt Kopf und nichts mehr ist, wie es vorher war.

Wurmi fehlt uns wahnsinnig…. Wir sind unendlich traurig.

Und damit, dass Wurmi fehlt, fehlen vielleicht auch so viele Pläne, Träume, Hoffnungen, Möglichkeiten … Soviel Zukunft....
Meine Schwiegermutter hat es recht treffend formuliert „Plötzlich fehlt etwas, das nie gefehlt hat“ ….
Keine Ahnung, wie die Geschichte weiter geht, sicher *NOT THE END*


zuletzt bearbeitet 01.10.2020 15:38 | nach oben springen

#2

RE: Die Geschichte von unserem Wurmi

in Eure Geschichte 01.10.2020 21:33
von Susanne • 4.613 Beiträge | 4631 Punkte

Liebe Mary, herzlich willkommen und mein Mitgefühl für Deinen Verlust. Da hat Wurmi ja wahrscheinlich einen lebensverändernde Schupps gegeben. Ich glaube, da ist ein Wunsch geweckt worden, der bislang noch verborgen war. Ich wünsche Euch, dass Ihr Euren Weg finden werdet und er Euch glücklich macht. Liebe Grüße Susanne

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#3

RE: Die Geschichte von unserem Wurmi

in Eure Geschichte 02.10.2020 15:26
von Marylou • 4 Beiträge | 4 Punkte

Liebe Susanne, vielen lieben Dank für deine Worte...
Wer weiß, was das Leben noch so bereit hält für uns alle... ich hoffe, ich kann ihr irgendwann wieder mit etwas mehr Zuversicht entgegen treten...

Vielen Dank übrigens auch, dass du dieses Forum hier betreibst, ist mega wichtig!

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