#1

3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 17.09.2020 11:47
von Anna • 7 Beiträge | 7 Punkte

Hallo, ich schreibe das erste Mal in einem solchen Forum. Vielleicht hilft es ja, mit meiner jetzigen Situation klar zu kommen, habe ich mir gedacht.
Ich bin jetzt bei 9+1 ssw und habe vorgestern, nachdem ich aus einem Bauchgefühl heraus zur Arztpraxis gefahren bin, beim Gynäkologen mit ihm zusammen im US sehen müssen, dass bei meinem Kind keine Herztöne mehr festzustellen sind. Er sagte, dass vermutlich vor einer Woche das Herz aufgehört habe zu schlagen. Ich hatte aufgrund zwei vorangegangener Fehlgeburten Progesteron bekommen, habe dieses vorgestern abgesetzt und seit gestern habe ich mäßige Blutungen.

Zwischendurch kommt bei mir immer mal wieder die Hoffnung auf, dass Arzt, Ultraschall und ich uns einfach geirrt haben, dass man einfach nicht alles gesehen hat. Ich hatte in der Woche zuvor nämlich schon leichte Blutungen gehabt, da war bei der US-Kontrolle aber noch alles in Ordnung: Fruchthöhle, Dottersack und Kind gut entwickelt, Herztöne deutlich zu erkennen. Andererseits habe ich schon festgestellt, dass Übelkeit und Müdigkeit (die bei mir immer sehr stark ausgeprägten SS-Anzeichen) deutlich abgenommen haben. D.h. ich bin mir doch recht sicher, dass ich mein Kind bald verlieren werde.

Ich bin sehr traurig, dass es mir schon wieder passiert. Gedanken wie "was stimmt bei mir eigentlich nicht" und "was habe ich verbrochen, dass mir so etwas immer passiert" kommen zwischendurch hoch, kann ich aber auch immer wieder relativieren. Solche Dinge passieren und es gibt manchmal einfach keine guten Erklärungen dafür.
Ich bin aber auch einfach furchtbar frustriert, weil ich das Gefühl habe, dass ich sehr viel investiert habe, um noch ein Kind zu bekommen. Dazu muss ich sagen, dass ich eine 8-jährige, gesunde Tochter habe. Im Verlauf dieser ersten, in Bezug auf das Kind vollkommen unauffälligen Schwangerschaft habe ich mir selbst allerdings eine Osteoporose zugezogen, es gab einen Notfallkaiserschnitt, bei mir sind mehrere Wirbelkörper gebrochen und ich hatte sehr viel Schmerzen und Kummer rund um die Geburt meiner Tochter. Ich habe mich davon zwar wieder erholt und meine Tochter ist wunderbar, aber ich habe deswegen lange gewartet, wieder schwanger zu werden. Nach vier Jahren habe ich es wieder gewagt und habe dann innerhalb eines Jahres zwei Fehlgeburten erlebt. Ich habe dann viele medizinische Untersuchungen durchführen lassen und habe sehr auf meine Gesundheit geachtet bis hin zu mehreren Umzügen und Arbeitsplatzwechsel, um weniger Stress zu haben. Mittlerweile sind noch einmal vier Jahre ins Land gegangen und ich bin 40. Ich habe alle medizinischen und persönlichen Register gezogen, um eine erneute Fehlgeburt zu vermeiden, um selbst gesund zu bleiben und einem Kind ein gutes Ankommen auf der Erde zu ermöglichen. Ich habe durch die Schwangerschaft in meinem Job sehr viel riskiert und auf vieles verzichtet und werde jetzt die Scherben aufsammeln dürfen, da ich in meiner Familie die Hauptverdienerin bin und jetzt mit Verdienstausfällen rechnen muss, aufgrund der Krankschreibung. Es gibt keinen Mutterschutz für Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, es gibt nur eine Krankschreibung, mit der ich deutlich schlechter da stehe. Warum muss ich das jetzt wieder erleben?!
Hinzu kommen die letzten Wochen mit schlimmer Müdigkeit, vernebeltem Kopf, Übelkeit, Blutungen, ärztlich verordneter Ruhe, diversen Arztbesuchen und Verlust meiner normalen Tagesabläufe (Beschäftigungsverbot etc. etc.). Menschen um mich herum, die von meiner Schwangerschaft erfahren haben und sich gefreut haben, während ich nur dachte: "böh, mir ist übel, ich will ins Bett..." Das war jetzt wieder alles umsonst?!

Das Verrückte ist dann, dass es da einen Teil in mir gibt, der einfach nur erleichtert ist. Ich bin bald diesen lähmenden körperlichen Zustand los, ich kann wieder alles machen, ich muss keine Angst mehr haben...
Geht es einer von Euch auch so?

Liebe Grüße in die Runde, Anna

nach oben springen

#2

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 17.09.2020 13:14
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Hallo liebe Anna, herzlich Willkommen, beim Lesen Deiner Zeilen musste ich denken "Mein Gott, sie hat wirklich viel auf sich genommen und gemacht für ihren Traum, und nun das". Das tut mir wirklich sehr leid, ja, es ist ungerecht! Das da Wut und Verzweiflung aufkommt, kann ich mir sehr gut vorstellen. Auch ein ambivalentes Gefühl von Erleichterung, dass die Angst, die ein ständiger Begleiter ist, von einem genommen ist, kann ich verstehen. Sie sitzt uns allen ja permanent im Nacken, sobald man von der Schwangerschaft weiss. Das belastet, und wenn man diese Angst nicht mehr empfinden muss, weil die Schwangerschaft vorbei ist, ist es verständlich Erleichterung zu empfinden, auch wenn diese total konträr ist zu den anderen Gefühlen.
Möchtest Du auf den Abgang warten?

Weisst Du schon wie und ob es weiter geht?
Fühl Dich gedrückt, Susanne


zuletzt bearbeitet 17.09.2020 13:16 | nach oben springen

#3

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 17.09.2020 14:03
von Anna • 7 Beiträge | 7 Punkte

Liebe Susanne,
danke für Deine lieben Worte.
Ja, ich warte jetzt auf den Abgang. Es blutet, aber nicht besonders stark.
Immerhin kann ich jetzt schon auf ein wenig Erfahrung zurück greifen. Die erste Fehlgeburt war für mich wesentlich schlimmer, weil es mir da so ergangen ist wie anderen Frauen hier im Forum: meine Frauenärztin hat mir damals nach der Diagnose "keine Herztöne mehr" eine Ausschabung empfohlen und mir den Eingriff direkt am nächsten Tag angeboten. Ich muss fairerweise sagen, dass sie auch gesagt hat, man könne auch noch warten, aber ich bin direkt auf Ihre Empfehlung angesprungen, wollte es schnell hinter mir haben und habe den Eingriff am nächsten Tag vornehmen lassen. Im Nachhinein betrachtet war das ein Fehler: es hat mich vollkommen überfordert, am einen Tag noch schwanger und am nächsten Tag schon nicht mehr; das Nicht-dabei-Sein, wenn das Kleine heraus kommt; dass es dann einfach weg war; so ausgeliefert zu sein. Es ging mir danach einige Wochen richtig schlecht und ich hatte das erste Mal im Leben eine fette Grippe.
Beim zweiten Mal habe ich beschlossen, den Körper einfach machen zu lassen. Es hat ein paar Tage nach der Diagnose leicht geblutet, etwa so wie jetzt, und dann ging an einem Nachmittag mit starken Schmerzen, die für mich wie eine Mischung aus Wehen und Menstruationsschmerzen waren, alles nach und nach ab. Ich bin in meinem Wohnzimmer rum gelaufen und habe die "Wehen" weg geatmet. Das ging erstaunlich gut. Ich glaube, ich habe nicht mal Schmerzmedikamente genommen, bin mir aber nicht sicher, vielleicht war eine Ibuprofen dabei. Am Abend war das Meiste draußen. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, wie es direkt danach war, aber ich habe mich ziemlich bald wieder relativ gut gefühlt. Ich war auch stolz, es selbst geschafft zu haben. Das hat mir Vertrauen in meinen Körper zurück gegeben. Ich habe dann ein Abschiedsritual in einem kleinen, süßen Wäldchen in unserer Nähe gemacht. Habe dort ein paar Dinge, die mich an das Kleine erinnert haben, vergraben, eine Kerze angezündet und gesungen. Danach konnte mein Leben weiter gehen.


Ich hoffe, dass es dieses Mal auch so läuft...
Ich habe gestern auch nochmal mit einer Hebamme telefoniert, die mir bestätigt hat, dass ich ganz viel Zeit habe. Diese Geschichten mit Vergiftung der Frau durch das tote Kind etc. seien heute vom Tisch. Das Ganze sei ein vollkommen natürlicher Vorgang, daran sei nichts Gefährliches und der Körper könne damit umgehen. Das hat mich nochmal darin bestätigt, dass ich einfach abwarte und meinen Körper machen lasse.

Liebe Grüße, Anna


zuletzt bearbeitet 17.09.2020 14:05 | nach oben springen

#4

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 17.09.2020 14:07
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Das ist auf jeden Fall hilfreich, dass du für dich weißt wie Du am besten das Schicksal verarbeiten kannst. Wir sind das emotionale Stütze hier.

Habe gerade erst deinen Nachtrag gelesen, ja da hat deine hebamme recht, ich sehe das genauso, man kann ohne Probleme zwei Monate warten, solange es einen gut geht. Ich denke aber gar nicht, dass du so lange warten musst, wenn es jetzt schon blutet.


zuletzt bearbeitet 17.09.2020 14:11 | nach oben springen

#5

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 18.09.2020 11:53
von Anna • 7 Beiträge | 7 Punkte

Hallo, ich habe gestern abend schon stärkere Schmerzen bekommen (weniger als beim letzten Mal, aber wieder wehenartig in Schüben, es hat auch irgendwie nach unten gedrückt). Heute früh um 5 Uhr bin ich davon wach geworden und es ging den ganzen Morgen weiter mit den Schmerzen. Es hat hellrot geblutet und es kamen nur wenig Blutgerinnsel und Gewebestücke. Dann haben die Schmerzen nachgelassen und ich dachte schon: ohweh, das zieht sich jetzt aber. Aber eben kam auf der Toilette etwas rausgeflutscht. Es ist etwa Handteller-lang, aber nur ein Drittel breit wie mein Handteller, dunkelrot und in der Struktur relativ kompakt, fest. Ich frage mich: war es das jetzt schon?
Ich suche im Internet vergeblich nach Bildern von Fehlgeburten. Ich würde so gerne wissen, wie das aussieht. Ist das die ganze Fruchthöhle mit Inhalt? Oder nur ein Teil? Kennt sich da jemand aus?
Auch würde ich gerne wissen, ob es sich lohnt, dieses Etwas aufzuheben für eine Untersuchung, und wenn ja, dann wie?
Vielleicht kann mir da eine von Euch diese Fragen beantworten? Liebe Grüße, Anna

nach oben springen

#6

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 18.09.2020 11:58
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Wir haben hier einen Teil mit Fotos, hast du da schon geschaut? Extra für den Zweck, da man sonst im Online so wenig dazu findet. Wenn du es untersuchen lassen möchtest, müsstest du es direkt steril verpacken und sofort zum Arzt bringen. Schwierig am Freitag mittag... 😕


zuletzt bearbeitet 18.09.2020 12:34 | nach oben springen

#7

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 18.09.2020 12:11
von Anna • 7 Beiträge | 7 Punkte

oh, nein, den Teil habe ich noch gar nicht gesehen! Da werde ich gleich mal gucken. Danke!

nach oben springen

#8

RE: 3. Fehlgeburt, Warten auf den Abgang, Wut und Verzweiflung

in Mein totes Kind im Bauch-ich erleide gerade eine Fehlgeburt 18.09.2020 12:19
von Anna • 7 Beiträge | 7 Punkte

Danke, Susanne, für den Tipp. Das hat mir geholfen. Ja, ich denke, dass es mein Baby war. Einige Bilder haben gut gepasst. Ich denke, ich werde es aufheben, um es zu begraben.

Ich bin total platt, dass es das jetzt wohl schon war.... das ging mir etwas zu schnell. Aber andererseits auch gut, denn das zeigt mir, dass es irgendwie raus wollte und ich es auch loslassen konnte...

Danke, dass ich hier meine Erlebnisse teilen darf!

nach oben springen


Besucher
4 Mitglieder und 10 Gäste sind Online:
Leona, Bine, Holli, Monie

Forum Statistiken
Das Forum hat 1781 Themen und 46567 Beiträge.


Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen