#1

Unser Pünktchen

in Eure Geschichte 16.09.2020 19:14
von Eva • 4 Beiträge | 4 Punkte

Hallo ihr Lieben,

Ich lese hier schon seid längeren eure Geschichten und Beiträge, habe mich aber bisher nicht richtig getraut meine Geschichte zu erzählen. Ach ja und es wird leider eine sehr lange Geschichte, danke fürs Lesen.

Mein Mann und ich wollen gerne ein Kind und nach einem Jahr warten hatte es endlich geklappt. Ich konnte es am Anfang noch gar nicht glauben und habe erst nach zwei Wochen Überfälligkeit getestet. Ganz klar positiv. Wir waren im Freudentaumel. Gleich ging's ins Beschäftigungsverbot da ich Erzieherin in der Kinderkrippe bin. Ein paar Tage vor dem ersten Arzttermin der erste Schock. Eine leichte Schmierblutung. Ich wartete den Arzttermin drei Tage später trotzdem ab, einfach mit dem Gedanken dass dies doch recht häufig vorkommt in der Frühschwangerschaft. Beim Arzt, ich war 6+6, gratulierte mir mein Frauenarzt erst einmal und machte dann den Ultraschall. Die Fruchthöhle, unser Pünktchen, war zu sehen aber sehr klein. Mein Frauenarzt war sehr freundlich, meinte ich soll mir nicht zu viele Sorgen machen, datierte mich auf 4+0 und klärte mich über Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft auf, entschuldigte sich aber, dass er mich leider über dieses Thema aufklären muss. Auch Schmierblutung in der Frühschwangerschaft sind kein Grund zur Sorge, meinte er. Ich ging aus der Praxis und musste erst einmal weinen. Im Grunde wusste ich schon ab diesen Moment was da passierte. Ich kenne meinen Körper gut und wusste der Eisprung konnte nicht so spät gewesen sein. Alle meine Lieben versuchten mich zu beruhigen. Vier Tage später, ich saß gerade im Auto neben meinem Mann, bekam ich extreme Rückenschmerzen und Übelkeit. Im Nachhinein weiß ich dass es Wehen waren. Zuhause versuchte ich es noch mit einer Wärmflasche, nach einer Stunde kapitulierte ich und wir fuhren ins Krankenhaus. Der konnte unser Pünktchen noch sehen und meinte es ist noch nichts entschieden, ich soll morgen zu meinen Frauenarzt. Ich träumte in der Nacht von unserem Baby und wusste das es gestorben war. Am nächsten Tag ging ich zu meinen Arzt. Er war wahnsinnig einfühlsam und meinte ich soll jetzt erst einmal abwarten, leider kann man nichts machen. Sie nahmen mir Blut ab und er verschrieb mir hochdosiertes Magnesium und Progesteron. Als ich aus der Praxis raus kam, wartete mein Mann auf mich (er durfte wegen Corona nicht mit rein) und erzählte mir dass meine Oma in der Nacht gestorben war. Er wusste es schon in der Früh, meine Familie wollte aber das ich den Arztbesuch ohne dieses Wissen machen kann. Die Tage danach waren wie ein Albtraum. Jeden Tag Blut abnehmen, meine Mama trösten, mich irgendwie trösten. Am Mittwoch in der Nacht kamen nochmal starke Wehen, ohne Blut. Am Donnerstag rief mich mein Frauenarzt, nach seiner Schicht an und sagte mir dass mein HCG leider gesunken ist. Da wusste ich ganz klar was passiert. Mein Arzt riet mir ab eine Ausschabung zu machen da der HCG so niedrig ist und weil mein Körper es ja schon beginnt abzustoßen. Ich wollte auch unbedingt das Pünktchen Zuhause bekommen. Im geschützten vertrauten Rahmen seiner Eltern. Ich vereinbarte mit meinem Arzt dass ich bei starken Schmerzen und Blut ins Krankenhaus fahren sollte. Am Freitag war die Beerdigung meiner Oma. Ich bin so dankbar diese Beerdigung gehabt haben zu dürfen, so konnte ich von beiden Abschied nehmen und hatte eine Zeremonie zum Trauern. Ich weinte bitterlich, der Gedanke tröstete mich aber sehr, dass meine geliebte Omi auf mein Pünktchen im Himmel aufpasst. Sie war so eine tolle Oma. Nach der Beerdigung gab es noch einen Trauerfeier bei meinen Eltern und das war der Moment wo mein Körper mein Pünktchen los ließ. Wir fuhren nach Hause. Am nächsten Tag ging ich zur Kontrolle ins Krankenhaus, die Schmerzen waren schon sehr stark. Es war alles abgegangen und ich fuhr wieder nach Hause. Auch die Nachkontrolle bei meinem Arzt war gut. Seid dem sind jetzt drei Monate vergangen und ich bin leider noch nicht wieder schwanger geworden. Die Trauer und die Wut sind leichter geworden und doch immer da. Vor allem dass ich so wütend auf andere Schwangere sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Jetzt bleibt die Hoffnung auf unser Regenbogenbaby und die Hoffnung das diesmal alles gut geht und wir nicht all zu lange warten dürfen.
Vielen Dank an alle die sich diese lange Geschichte durchgelesen haben, ich wusste irgendwie nicht was ich weglassen soll.

Herzlich Eva

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#2

RE: Unser Pünktchen

in Eure Geschichte 16.09.2020 19:24
von Susanne • 4.613 Beiträge | 4631 Punkte

Liebe Eva, danke, dass Du uns an Deiner Geschichte hast teilhaben lassen und mein Mitgefühl für Deinen Verlust. So wie du es beschreibst, wünsche ich es mir im Grunde genommen für alle Frauen, die einen Schwangerschaftsverlust erleiden müssen. Selbstbestimmt und unterstützt von den lieben und dem Arzt, Gefühle auslebend und bewusst und intensiv Abschied nehmend. So wie es abgelaufen ist, scheinst du im Reinen mit allem zu sein. Das ist gut! Ich bin mir sicher, dass es auch bald wieder klappen wird und dann hoffentlich mit einem guten ende🍀In der Zwischenzeit wartet euer Engelchen bei deiner Oma auf den passenden Zeitpunkt, um zu euch zurück zu kommen. Vielleicht magst Du Dich bis dorthin im Hibbelthread austauschen. Fühl dich gedrückt, Susanne


zuletzt bearbeitet 16.09.2020 19:25 | nach oben springen

#3

RE: Unser Pünktchen

in Eure Geschichte 16.09.2020 19:26
von Eva • 4 Beiträge | 4 Punkte

Vielen Dank liebe Susanne für deine herzliche Antwort 🌟

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