#1

Meine SS und ihr Ende

in Eure Geschichte 04.09.2020 08:50
von Fine • 3 Beiträge | 3 Punkte

Hallo zusammen,

ich heiße Fine, bin 40 Jahre alt und das hier ist die Geschichte meiner Schwangerschaft mit der Diagnose "Missed Abortion" und Ausschabung.

Mein Freund und ich haben bereits seit einem Jahr probiert schwanger zu werden und als ich schon nicht mehr damit gerechnet habe, da klappte es plötzlich.
Ich spürte die Empfängnis recht schnell, weil sich mein Körper sehr schnell stark veränderte. Irgendwie hatte ich auch schon nach dem Sex das Gefühl: "Es hat geklappt".
Und genauso war es dann auch. Ich hatte einige Tage nach dem Sex ein starkes Pulsieren im Unterleib und ein Ziehen. Dann blieben auch meine typischen PMS Symptome aus,
außer die Übelkeit, die ich dann auch immer habe. Die war da. Und da alles Andere fehlte wusste ich: "Ich bin schwanger!" Ich konnte ein paar Tage bevor ich überhaupt überfällig war
dann auch positiv testen und bin deshalb auch recht früh zum Arzt.

Dort allerdings war man weniger optimistisch, da der HCG Wert nicht entsprechend anstieg und so wurde schon der 1.Termin zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, da eben auch noch
keine Fruchthöhle in meiner Gebärmutter erkennbar war. Man entließ mich mit dem Verdacht der ELSS oder zumindest der gestörten Frühschwangerschaft. Ich war am Boden zerstört, weinte viel, brach zusammen. Bis mir im Internet Jemand Mut machte und meinte es sei noch viel zu früh überhaupt irgendwas zu sagen. So wartete ich dann den nächsten Termin ab.

Furchtbar aufgeregt ging ich bei 6+1 zu meiner Gyn. Auf dem Ultraschall war dieses Mal eine Fruchthöhle zu erkennen, aber leider kein Embryo oder Dottersack. Ich fühlte mich gut, hatte weder Schmerzen noch Blutungen und auch Schwangerschaftssymptome nahm ich wahr: Ziehen im Unterleib, Übelkeit (nicht sehr extrem, aber da), unendliche Müdigkeit, Spannen in den Brüsten etc. Meine Gyn sagte mir nach dem Ultraschall, dass es nicht besser aussähe nur weil eine Fruchthöhle erkennbar sei und dass dies auch ein Gestationssack (oder irgendwie sowas) sein könne, welcher auf eine ELSS hinweisen könnte. Dann würde ich eine OP benötigen oder es könne auch eine SS sein, die sich nicht weiter entwickelt und dann solle ich mich ausschaben lassen. Mit Verdacht auf gestörte Frühschwangerschaft schickte sie mich ins KH. Ich hatte nach diesem Termin eine Art Nervenzusammenbruch. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen, zitterte am ganzen Körper und war zutiefst verzweifelt. Nachdem ich mich zwei Tage später wieder gefangen hatte, fasste ich mir ein Herz und ging ins KH. Dort allerdings sagte man mir, dass es sich in deren Augen um keine gestörte Frühschwangerschaft handele, sondern dass es noch zu früh sei um etwas sagen zu können und man auch keine Anzeichen für eine ELSS sehen könne (Eileiter soweit beurteilbar frei und eine eindeutige Fruchthöhle war intrauterin erkennbar). Ich ging also mit Hoffnung wieder nach Hause. Die ganzen Horrorgeschichten über geplatzte Eileiter und Ausschabung, die mir meine Gyn zuvor aufgestischt hatte, hätte sie sich zu dem Zeitpunkt sparen können.

Ich wechselte den Frauenarzt. Auch bei meiner nächsten Untersuchung bei meinem neuen Arzt sah man die Fruchthöhle und einen Dottersack. Die SS entwickelte sich also weiter, allerdings kein Embryo und keine Herztöne. Für meinen Gyn kein Anlass zur Sorge. Er machte mir Mut und meinte, dass man beim nächsten Ultraschall dann schon den Embryo sehen und das Herz schlagen hören könne.
Vor dem nächsten Termin war ich sehr aufgeregt und einen Tag vorher setzten leichte Schmierblutungen ein, weshalb ich einen Tag früher in die Notfallsprechstunde ging. Dort stellte mein neuer Gyn fest, dass sich die SS nicht weiter entwickelt habe und dass die Blutungen evtl schon auf eine Fehlgeburt hindeuten könnten. Er sagte mir in aller Deutlichkeit, dass es vorbei sei und dass ich aber nicht gleich zur Ausschabung müsse, sondern ich auch abwarten könne bis mein kleiner Schatz von selber abging. Wieder brach für mich eine Welt zusammen, diesmal endgültig! Als ich die Praxis verließ konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Aber ich entschloß mich dazu abzuwarten.

Etwa 5 Tage später wurden die Blutungen stärker, etwa wie bei der Periode und dann bekam ich auch sehr schnell wehenartige Schmerzen im Unterbauch und Rücken. Ich konnte dann kaum laufen, wenn es mich überfiel und die gleichzeitig stark brennenden Schmerzen, die ich dauerhaft hatte erinnerten mich an Tag 2 der Periode, wenn es so richtig rund geht. 3 Tage hatte ich Wehen (meine Hebamme sagte, dass es wirklich Wehen waren), an Tag 1 der Schmerzen war ich beim Arzt. Er schaute nach, aber die Fruchthöhle wollte sich nicht lösen. Er meinte sie säße zu fest und für die Stärke der Blutungen müsste sie eigentlich abgehen und ich solle lieber ins KH gehen und eine Ausschabung vornehmen lassen, weil sich so eine Fruchthöhle auch schonmal einkapseln könne und dann nicht von selber abginge. Am nächsten Tag hatte ich ein Vorgespräch zur Ausschabung im KH. Ich wollte erst weiter warten, weil ich mein Kleines so zur Welt bringen wollte, aber im Laufe des Gespräches hatte ich derart starke Schmerzen, dass ich mich für eine Ausschabung am nächsten Tag entschied.
Einen Tag später dann war es vorbei. Ich fuhr schwanger in den OP Saal (bei 9+1) und kam leer wieder heraus. Das ist jetzt 1 Woche und 1 Tag her und ich vermisse meinen kleinen Schatz jeden Tag, weine viel und fühle mich unendlich leer. Ich habe noch nie in meinem Leben so einen Schmerz erlebt.

Klar, einige würden vielleicht sagen: es war ja noch gar kein Baby. Aber für mich war es das. Und ich hatte eine starke Bindung zu ihm. Und ich hatte mich unendlich gefreut endlich Mama zu werden. Mein Freund auch. Er ist ebenso unglücklich wie ich und flüchtet sich in die Arbeit. In seinen Augen seine unendliche Traurigkeit zu sehen bricht mir jedes Mal wieder das Herz. Und ich weiß, dass er dasselbe in meinen Augen sehen kann.

Kommenden Montag habe ich meinen Nachsorgetermin bei meinem Gyn. Dort will er nachsehen ob alles entfernt wurde und ich habe jetzt schon Angst davor. Wenn es nach dem Gefühl ginge, dann würde ich sagen: ich bin komplett leer. Nach der Ausschabung hatte ich noch ein paar Tage Blutungen, aber nicht besonders wild und Schmerzen habe ich hin und wieder noch im Bauch, so ein ziehen, ist aber nicht schlimm, nur dass es mich jedes Mal wieder an meinen Schatz erinnert, der da jetzt einfach fehlt.

Ich lege meine Hand nicht gerne auf meinen Bauch, weil es von Anbeginn der SS immer die Verbindung zu meinem Bauchzwerg hergestellt hat und ich jeden Tag mit ihm so Kontakt aufgenommen und gesprochen habe. Jetzt geht das nicht mehr, keine Verbindung mehr, Leere, Trauer, Schmerz, bei jeder Berührung.

Gerade bin ich froh, dass ich dieses Forum gefunden habe, dass ich alles mal aufschreiben konnte und zu sehen, dass es auch noch soooo viele andere Frauen gibt mit dem gleichen Schicksal.
Es tut mir für Jede leid, die dieses Schicksal durchmachen muss oder musste. Es ist einfach unbegreiflich!

Viel Kraft für Euch alle und danke fürs Lesen und teilhaben!

Viele Grüße von Fine


zuletzt bearbeitet 04.09.2020 08:52 | nach oben springen

#2

RE: Meine SS und ihr Ende

in Eure Geschichte 04.09.2020 09:10
von Kathi • 32 Beiträge | 33 Punkte

Liebe Fine,
mein Beileid zu deinem Verlust! Lass dich mal unbekannter Weise umarmen, wenn du möchtest!
Ich wünsche dir ganz viel Kraft um alles verarbeiten zu können.
Lass dir gesagt sein, auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt und du sicher noch Zeit brauchst, es wird besser. Du wirst dein Sternchen nie vergessen, es wird immer ein Teil deines Lebens sein, aber du schaffst es die Traurigkeit zu überwinden und kannst dann wieder positiv in die Zukunft blicken.
Hier kannst du dir jederzeit alles von der Seele schreiben und bekommst Unterstützung!
Liebe Grüße!

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#3

RE: Meine SS und ihr Ende

in Eure Geschichte 04.09.2020 09:10
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Liebe Fine, herzlich willkommen und mein aufrichtiges Mitgefühl für Deinen Verlust. Fühl dich gedrückt. Die Leere zu ertragen, wenn das Kleine gegangen ist, ist sehr schwer. Daran kann ich mich auch nur allzu gut erinnern, ich war von so einer Verzweiflung und Trauer ergriffen, das war sehr hart.
Habt ihr euch vielleicht etwas überlegt, um Euch zu verabschieden?
Wenn Du reden möchtest, wir sind hier 🤗 Susanne

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#4

RE: Meine SS und ihr Ende

in Eure Geschichte 09.09.2020 10:18
von Fine • 3 Beiträge | 3 Punkte

Ich danke Euch für Eure lieben Worte und das virtuelle Drücken! Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine mit so einem Verlust ist! Vielen Dank!

In den letzten Tagen habe ich mich sehr stark abgelenkt um nicht viel daran denken zu müssen, aber ich merke, dass es in mir arbeitet und ich empört über mich selber bin, weil ich versuche zu vergessen was geschehen ist, obwohl ich finde, dass das nicht richtig ist und mein kleiner Schatz und sein Tod den Raum verdient hat, den ich gerade nicht in der Lage bin zu schaffen. Keine Ahnung ob Ihr versteht was ich meine???

Ich versuche einfach so weiter zu machen, aber in meinem Inneren schreit es laut, dass das nicht geht.
Ich glaube ich steuere geradewegs auf eine Depression zu und habe gottseidank heute nachmittag endlich einen Termin bei meiner Psychiaterin und hoffe, dass es mir hilft mit ihr über den Verlust zu sprechen.

Mit dem Verabschieden, da habe ich mir bisher noch keine Gedanken zu gemacht, aber ich habe meinem kleinen Stern einen Brief zum Abschied geschrieben Vielleicht wäre eine Art symbolisches Begräbnis eine gute Idee, aber genaue Vorstellungen habe ich noch nicht. Da werde ich noch mit meinem Freund drüber sprechen, wenn er dafür ansprechbar sein sollte. Er macht es nämlich leider wie ich: ablenken, nicht drüber reden und versuchen zu vergessen :-(

Vielleicht ist das davor wegrennen wollen ja auch ganz normal und eine Phase, die zur Trauerbewältigung dazu gehört, ich weiß es nicht.
Jetzt hoffe ich erstmal dass ich den Termin heute nachmittag gut überstehe.

Ich danke Euch fürs Zuhören, Fine

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#5

RE: Meine SS und ihr Ende

in Eure Geschichte 09.09.2020 11:51
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Ich hoffe und drücke dir die Daumen, dass Dir der Termin und das Gespräch gut tun wird. Denn verdrängen ist sicher keine hilfreiche Option auf lange Sicht gesehen...

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