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Janina's Geschichte (ELSS)

in Eure Geschichte 03.09.2020 16:06
von Janina • 121 Beiträge | 123 Punkte

Hallo zusammen!

Bereits seit letztem Sommer lese ich immer mal wieder in diesem Forum mit und habe mich nun entschlossen, mich anzumelden und meine Geschichte zu erzählen:
Ich bin inzwischen 34 Jahre alt, seit 14 Jahren mit meinem Mann zusammen und wir sind seit 4 Jahren verheiratet.

Die Pille nehme ich bereits seit 6 Jahren nicht mehr und habe seitdem keine Blasenentzündungen und kaum noch Kopfschmerzen, was davor mehr oder weniger ständig der Fall war. Mein Zyklus ist sehr regelmäßig, 26-28 Tage und 4 Tage Blutung. Wir haben kurz nach Ende der Blutung immer mal wieder für 2-3 Tage ungeschützten Verkehr gehabt, wohlwissend, dass bei einer Zyklusschwankung "etwas passieren" kann. Allerdings haben wir damit nicht so wirklich gerechnet, weil wir es ja bereits seit 6 Jahren so halten.

Im letzten Sommerurlaub hatte ich an dem Tag, an dem ich meine Periode bekommen hätte, eine leichte Blutung. Die nächsten Tage danach passierte nichts mehr. Nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub wartete ich noch einige Tage und machte dann einen Test: positiv! Das war ein Donnerstag und Freitags machte ich sogleich einen Termin bei meiner Gyn, für den darauffolgenden Mittwoch. Bei meinem Mann und mir machte sich inzwischen Freude breit, nachdem wir die "Überraschung" überwunden hatten, freuten wir uns auf das Kind. Am Tag der ersten Untersuchung war ich rechnerisch 6+5. Im Ultraschall war eine Fruchthöhle zu erkennen, sonst allerdings nichts. Die Ärztin meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, eventuell "versteckt" es sich, oder der Eisprung wäre ein paar Tage später gewesen als sonst bei mir üblich. In meinem Hinterkopf war ich stutzig, denn ungeschützen Verkehr hatten wir ja nur ganz am Anfang des Zyklus und die sollen mehr als 10 Tage später dann eine Eizelle befruchtet haben? Ich ging jedenfalls mit einem Termin in 1,5 Wochen nach Hause.

In der Zwischenzeit ging es mir eigentlich gut, ich hatte ab und an ein leichtes Ziehen im Bauch (weniger als bei der Menstruation), meine Brüste spannten ein bisschen, ich war ständig müde und geruchsempfindlich (Raucher in der Nähe waren das Schlimmste).

Dann kam der zweite Termin, bei 8+2 und ich hatte in der Nacht davor sehr wenig geschlafen, weil ich ein komisches Gefühl hatte. Außer der Fruchthöhle war nichts zu sehen, diese "hing" aber nun weiter unten in der Gebärmutter. Meine Ärztin sagte, dass ich entweder eine Eileiterschwangerschaft hätte, oder dass ein natürlicher Abgang kurz bevor stünde. Sie hat mich abgetastet, auf dem Bacuh herumgedrückt, ich hatte keinerlei Schmerzen. Sie hat Blut abgenommen, um den HCG zu bestimmen und damit einen Anhatspunkt zu haben. Sie schickte mich nach Hause, sollte in 3 Stunden anrufen und dann über das weitere Vorgehen sprechen.

Auf dem Weg nach Hause fing ich plötzlich an zu weinen (zuvor war ich ganz ruhig). Und plötzlich wurde mir schwindelig. Ich habe kurz angehalten, es wurde besser und nach 2 Minuten bin ich weiter gefahren, es waren nur noch wenige hundert Meter bis nach Hause. Ich habe meinem Mann erzählt, was passiert ist und was die Ärztin vermutet und wir haben meine Mutter angerufen, die als einzige Bescheid wusste, dass ich schwanger war und sie kam vorbei. In der Zwischenzeit ist mit immer mal wieder flau im Magen geworden, mein Mann sagte, ich sei ganz blass und wir haben es auf den Schreck geschoben. Ich habe mich ins Bett gelegt, ein Brot gegessen, weil ich total Hunger hatte, und eine Tasse Tee getrunken. Meine Gesichtsfarbe kam laut Mann und Mutter zurück. Mir ging es besser, ich setzte mich im Bett auf: Und wurde ohnmächtig!

Nun haben meine Lieben den Notruf gewählt, auch wenn ich sofort wieder zu mir gekommen bin, irgendwas stimmte nicht. Die Sanitäter haben einen Blutdruck von 54/31 gemessen und hatten ihre liebe Mühe, mich überhaupt transportfähig zu bekommen. Ich hatte keinerlei Schmerzen, mir war nur ein bisschen kalt. Im Krankenhaus wurde ein vaginaler Ultrschall gemacht und nichts sah anders aus als am morgen bei meiner Ärztin. Dann kam der Oberarzt auf die Idee, mal von außen zu schallen und im oberen Bauchraum wurde jede Menge freie Flüssigkeit sichtbar. Es wurde sofort eine Not-OP eingeleitet. Es war eine ELSS, im linken Eileiter, der gerissen war und komplett entfernt werden musste. Ich hatte 3 Liter Blut im Bauchraum. 2 Blutkonserven (also 1 Liter) habe ich bekommen, den "Rest" sollte mein Körper selbst schaffen. Das Krankenhaus hatte inzwischen mit meiner Ärztin gesprochen: mein HCG lag am Morgen bei über 40.000.
Nach 4 Tagen wurde ich mit einem HCG von 2.300 entlassen, immernoch sehr schwach auf den Beinen.

In den nächsten Woche nahm ich Eisentabletten zu mir, trank Rote-Bete-Saft und versuchte, die Blutbildung zu beschleunigen. Zwei Wochen später war mein HCG auf null und genau 4 Wochen nach der OP bekam ich meine Periode (der Eisprung war auf der rechten Seite, das konnte meine Ärztin zuvor sehen). Seitdem haben ich wieder meinen regelmäßigen Zyklus von 26-28 Tagen.

Das Kind zu verlieren, von dem wir erst so kurz wussten, hat zwar sehr weh getan, aber was mich monatelang verfolgt hat war die Tatsache, dass ich selbst fast gestorben wäre. Mein Mann und ich haben viel geredet. Ich habe das Geschehene auch in der Familie, im Freundekreis und der Firma (kleiner Betrieb mit 6 Mitarbeitern) offen kommuniziert und sehr viel Verständnis gespürt. Und überraschend viele in meinem weiteren Umkreis hatten ebenfalls schon eine ELSS, nur hatte darüber keiner gesprochen.

Anfang diesen Jahres wuchs dann bei meinem Mann und mir der Wunsch nach einem Kind, ich wollte meinem Körper aber noch ein bisschen Erholungszeit geben. Nun haben wir Anfang Juli die Verhütung weggelassen und ich bin (seit gestern) nun im dritten Zyklus. Da ich ja nur noch einen Eileiter habe, kann es etwas dauern, aber wir haben die Hoffnung, dass es irgendwann klappt und es diesmal gut ausgehen wird.

Der Beitrag ist nun doch länger als erwartet... Ich finde es ganz ganz toll, dass es hier im Forum so viele starke Frauen gibt und drücke allen die Daumen!

Liebe Grüße,
Janina

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#2

RE: Janina's Geschichte (ELSS)

in Eure Geschichte 03.09.2020 16:27
von Susanne • 4.613 Beiträge | 4631 Punkte

Liebe Janina, herzlich willkommen und danke, dass du deine Geschichte nun mit uns teilst. Ganz schön heftig, was du da erlebt hast. Gott sei Dank hast Du Dich körperlich erholt, und es freut mich, dass ihr nun wieder Mut und Hoffnung habt, um euren Wunsch realisieren zu wollen! Dafür wünsche ich dir ganz viel Glück und Erfolg! Vielleicht magst du dich im Hibbelthread austauschen mit den anderen Hibblerinnen? Liebe Grüße Susanne

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#3

RE: Janina's Geschichte (ELSS)

in Eure Geschichte 04.09.2020 14:28
von Janina • 121 Beiträge | 123 Punkte

Liebe Susanne,
danke wir Deine Willkommens-Worte. Dem Hibbelthread werde ich mich sicherlich bald anschließen.
LG Janina

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