#1

Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 05.07.2020 20:35
von Umut • 2.646 Beiträge | 2648 Punkte

Wie schafft ihr es den Körper nicht zu hassen? Ich muß So oft aufpassen, Bin wütend auf ihn, könnte auf ihn einschlagen.

Erst hat er mir das eine Baby in der 12 Woche getötet. Das nächste wollte er nicht gehen lassen. Hätte es auch getötet. Jetzt hab ich die Erinnerung an Kaiserschnitt am Hals. Wobei das danach und der abwertende umgang fast schlimmer waren. Infos gleich Null. Keinerlei rechte.
Jeden Tag erinnert mich diese Narbe ans versagen. An die Demütigung wie i h dort behandelt wurde. Ich kann sie nicht ansehen oder anfassen. Nsrbenpflege hab ich mich bewusst dagegen entschieden. Der Hass ist zu groß. Gebrandmarkt bin ich eh. Wen interessiert ob die Narbe schön ist. Kann sie eh nicht sein. Sie steht nur für Demütigung.

Ausserdem hat der Kaiserschnitt das stillen versaut. Mir der ist schuld das ich abpumpen muß. Hab schlechte Brüste würde der Vater des Babys sagen. Deshalb klappt stillen nicht, deshalb kommt nicht genug im die satt zu bekommen. Wieder würde der Körper das Baby töten inde.m er es verhungern lässt.
Ich hasse ihn abgrundtief. Bei jeder Berührung werde ich an das versagen erinnert. Brüste tun weh vom pumpen, nicht vom stillen. Irgendwie einerseits sogar Genugtuung. Passt zum Hass auf den Körper.

Oft frag ich mich wie das werden soll. Sie ist so klein und bei 2 wichtigen Dingen im Leben hab ich versagt.
Hab Ansich nichts gegen Kaiserschnitt. Für viele der richtige weg. Und wenn es für jmd richtig ist ein Wunsch Kaiserschnitt zu haben kann ich es verstehen und akzeptieren. Würde es auch niemanden ausreden wenn es für diese Person richtig ist sondern versuchen zu unterstützen. Auch wenn jmd bewusst nicht stillen will. Würde das nicht verteufeln. Jeder entscheidet für sich den richtigen Weg. Gibt nicht den Weg für alle.
Meiner ist nur nichtmal in der Nähe mehr von meinem ideal. Nix Hausgeburt. Baby als erstes halten. Statt dessen Wickel verbot. Kein Jahr oder länger stillen sondern statt dessen ein Jahr mit Pumpe durch halten. Nix klappt.

Bei jeden Flasche machen die Wut, Das versagen vor Augen. Bei jedem klogang, jeden duschen. Versuche das das Baby nix merkt. Versuche alles was ich falsch machte auszugleichen. Weiß nicht wie. Und auch nicht wie ich den Hass auf diesen nicht funktionierenden Körper in den Griff kriegen soll.

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#2

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 06.07.2020 02:10
von Gefühlsgenossin
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Oh weih, das Leben ist manchmal so ungerecht. Aber manchmal gehen Dinge schief durch ungünstige Verkettungen von Dingen, da muss nicht umbedingt dein Körper Schuld sein. Erfreue dich doch an deinem Kind ...es darf leben und es wird auch ohne Stillen groß werden... Achte gut auf dich, eventuell benötigst du psychologische Hilfe..ehe du in eine Depression rutschst und du dich vielleicht gar nicht mehr um dein Kind kümmern kannst... klingt etwas hart sorry, aber denke vielleicht einfach Mal darüber nach. Ich kann dich gut verstehen! Ich kenne diese Gefühle des Selbsthasses selber...
Liebe Grüße deine Gefühlsgenossin

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#3

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 06.07.2020 07:46
von Juli • 478 Beiträge | 496 Punkte

Liebe Umut,
das klingt ja schon wirklich nach dem Babyblues, wie es so nett genannt wird. Ich hatte vor meinem Sohn auch eine Fehlgeburt und er war so groß, dass ich zur Einleitung vor dem ET musste, damit es eventuell klappt. Nach 11h Wehen musste dann doch ein KS gemacht werden. Das Stillen hat auch nicht funktioniert und nach 2 Monaten quälen und einer Brustentzündung nach der anderen musste ich aufgeben. Ich war in der Zeit auch oft traurig, dass eben nicht alles so bilderbuchartig läuft, aber wenn du deinen Körper so strafst, wird es nicht besser.
Ich gebe dir mal paar Anregungen zum Nachdenken. Wer sagt, dass die Fehlgeburt das Versagen deines Körpers ist? Vielleicht war ja auch was mit den Spermien nicht in Ordnung. Vielleicht hat dein Baby auch einfach nur zwei Anläufe gebraucht um perfekt zu werden. Wie oft sehe ich Mütter, die gleichgültig auf ihr Handy starren, während das Baby direkt neben ihnen liegt oder das Kind gerne die Mama im Sandkasten zum Spielen hat. Sie schätzen ihr Glück oft nicht. Ich weiß dafür, was ich für ein Glück habe, dass mein Sohn bei mir ist und bin für ihn da. Die Kaiserschnittnarbe finde ich auch nicht hübsch, oft zwickt und zwackt sie noch immer, obwohl alle sagen, dass man sie nicht spürt nach paar Jahren. Es sind bald 3 und ich spüre sie immer noch. Aber durch sie konnte ich meinem Baby das Licht der Welt erblicken lassen. Hätte es sie nicht gegeben, wären wir beide tot... Außerdem könnte es später zu großen Problemen und Kopfschmerzen kommen, wenn man sie nicht pflegt und Verwachsungen kommen. Ich will ja weitere Kinder und das wäre noch schlimmer, wenn ich dadurch keine kriege... Und wegen dem Stillen. Du musst dich kein Jahr mit Pumpen durchquälen. Frag doch deine Hebamme, wenn es genug Milch gibt, dann kannst doch versuchen umzusteigen aufs Stillen. Oder mit 6 Monaten dann mit dem Brei anfangen und auf Milchpulver umsteigen. Mein Sohn ist der gesündeste unter allen seinen Gleichaltrigen, obwohl er "nur" zwei Monate Muttermilch hatte. Und dann gib deinem Mann bitte ne Tritt von mir. Vielleicht hilft er ihm auf die richtige Spur zu kommen und dich zu unterstützen anstatt dich zu beleidigen. Du hast keine schlechten Brüste. Du hast Milch!!! Wie viele andere hätten das denn gerne. Vielleicht klappt bei dir es auch die Milch mit Ausstreichen herauszubekommen. Das ist natürlicher und wird schon seit Ewigkeiten angewandt, also sind solche Probleme nicht neu und liegen nicht immer gleich am KS. Eher der Stress und die Hektik im KH.
Ansonsten erzähle deine Gedanken doch bitte deiner Hebamme und/oder Frauenärztin. Da wäre bestimmt der Weg zur Beratung in welcher Weise auch immer gut. Mit Babyblues ist nicht zu spaßen.
PS: Nach meinem Sohn hatte ich noch eine Eileiterschwangerschaft, die mich fast umgebracht hätte und eine weitere Fehlgeburt und denke umgekehrt, dass ich meinen Körper vielleicht zu schlecht behandelt und ihn vernachläsdigt habe und er es deswegen nicht auf die Reihe gekriegt hat. Versuche jetzt gesünder zu essen, wieder mit Sport anzufangen usw. Ich glaube, dass die Einstellung und Unterstützung vom Umfeld sehr wichtig ist.
Ich wünsche dir alles Glück der Welt, damit du dich mit deinem Körper wieder versöhnen und dein Glück mit dem neuen Leben in deinem Arm genießen kannst.
Schicke dir ganz viel positive Energie!

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#4

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 06.07.2020 13:17
von Umut • 2.646 Beiträge | 2648 Punkte

Danke genossin, irgendwie gut zu wissen dass man nicht allein ist.
Mit dem Baby ist alles gut. Ich liebe sie. Der Hass ist nur auf mich. Freutbmich wenn sie lächelt. Ist zwar nur Reflex aber egal. Schlechte Gewissen ihr gegenüber ist schon da.

Hi Juli,
Bei der Osteopathie kam es raus was bei mir nicht stimmte. Was wohl der Auslöser war. Klar kann man es nicht 100 Prozent sagen aber bin überzeugt das es das war.

Das du auch so viel durch machen Müßtrst tut mir Leid. Auch das wissen man wäre sonst tot. Da müßt ihr ja wahnsinnig Ängste ausgestanden haben. Auch mit stillen. Willst du bei einem zweiten stillen wieder versuchen? Ich hätt gern noch eins aber das geht nicht

Stillen will sie nicht. Hat immer geschrieen und Brust verweigert. Drei Tage ging's jetzt gut. Ließ sich kurz anlegen. Seit gestern wieder total Boykott.
Die eine still Beraterin sagt aufgeben und aufs pumpen konzentrieren. Die andere meint ich soll sie alles an der Brust machen lassen. Aber Brustwarzen kauen und bis sonst wohin ziehen schafft man schmerttechnisch nur kurz. Den mir zwar Mühe aber tut echt weh.
Das Jahr Muttermilch will ich. Einfach um wenigstens das zu schaffen. Auch wenn ich nicht weiß wie.

Krankenhaus waren wir nur 52 Stunden. Sobald ich sie mitnehmen durfte sind wir gegangen. Wäre gern ein Tag früher schon gegangen aber die haben das Baby nicht raus.
Wie würdest duvim Krankenhaus behandelt, hattest du rechte?

Arzt hab ich gar nicht, Hebamme ist mit der Betreuung schon fertig. Stillberatung ist einzige.

Das mit Eileiter Schwangerschaft und der Fehlgeburt tut mir Leid. Wie bist du drüber weg gekommen?
Schlecht behandeln... Bei der Fehlgeburt hatte ich alles gemacht. Sport viel Obst etc. Ins am schlecht behandeln liegt weiß ich nicht. Aber ein Versuch ist das sicher wert.sport schadet ja eh nicht.

Danke für die wünsche und Energie.

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#5

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 09.07.2020 18:51
von Juli • 478 Beiträge | 496 Punkte

Hallo Umut,
ja, denke schon, dass ich es nochmal versuchen werde. Aber wahrscheinlich liegt es an meiner Verbrühung, dass es nicht. Hab mir mit einem Jahr kochendes Wasser auf Arm und Brust verschüttet, da ist wohl die Brustwarze mehr in Mitleidenschaft gezogen, als alle dachten. Vielleicht ist ein Milchkanal zu oder so. Jedenfalls höre ich dann schneller auf, wenn was sein sollte und quäle mich und das Kind da nicht zu sehr mit. Wenn die Mami sich nicht wohl fühlt, überträgt es sich auch auf das Kind.

Ich fand die Eileiterschwangerschaft tatsächlich am schlimmsten, weil ich im Kopf hatte, dass mein Sohn ohne Mami hätte enden können. Weniger wegen mir... Die letzte FG konnte ich anfangs echt nicht glauben, dass es mich schon wieder erwischt hat... Aber bin jetzt auf Ursachensuche und fühle mich damit schon besser. Die Ungewissheit ist einfach doof. Aber die Ärzte meinen, dass es ja an sich klappt, war die letzten 4 Jahre ja jedes Jahr schwanger... ist nur schwer, wenn jetzt die ganzen Freunde und Bekannten anfangen zu entbinden... Schreien könnte ich manchmal deswegen, aber einen Hass auf meinen Körper hatte ich bisher nicht. Bin da glaube ich einfach zu positiv denkend. Es wird bestimmt am Ende schon klappen und wenn nicht, es gibt genug Kinder, die adoptiert werden wollen. Aber richtig hinwegkommen kann man glaube ich nicht. Hab meine drei Sternchen symbolisch am Armband als Anhänger. So sind sie immer bei mir.

Es war übrigens damals echt sehr befreiend zur Flasche zu wechseln. Ab da haben wir uns alle viel besser verstanden. Ich habe es nie als Scheitern gesehen, sondern mich gefreut, dass der Kleine endlich genug Milch bekommt und wachsen kann. Und er war zufrieden, weil es mir auch besser ging.

Wie läuft das Stillen mittlerweile bei euch?

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#6

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 19.09.2020 13:34
von Anna • 7 Beiträge | 7 Punkte

Hallo Umut,
Dein Beitrag hier ist ja schon etwas älter, daher würde mich interessieren, wie es Dir mittlerweile geht? Ich bin ja erst vor ein paar Tagen auf dieses Forum gestoßen.
Dein Beitrag hat mich sehr erschüttert. Ich kann diese Wut auf den Körper sehr gut verstehen. Meine erste Schwangerschaft hat auch ihr Ende in einem Notkaiserschnitt gefunden, der für mich sehr traumatisch war. Ich gebe heute allerdings nicht mehr meinem Körper, sondern den Umständen, den Ärzten, der Hebamme und mir selbst die Schuld dafür, dass es so gelaufen ist. Ich habe vermutlich damals Cytotec zur Geburtseinleitung erhalten und erst jetzt kürzlich erfahren, dass vermutet wird, dass es für viele Komplikationen verantwortlich ist. Auch haben die Probleme unter der Geburt angefangen, als ich innerlich nicht mehr bei meinem Kind war, sondern mit der Hebamme über etwas ganz anderes geplaudert habe. Dafür, wie es gelaufen ist, kann ich allerdings heute glücklich sein, eine gesunde Tochter zu haben und alles selbst auch überlebt zu haben.
Dann habe ich jetzt meine dritte Fehlgeburt hinter mich gebracht. Ich kann also die Wut auf den Körper sehr gut nachvollziehen und immer wieder kommt sie bei mir auch hoch.

Aber es gibt ein Bild, das mir sehr geholfen hat, schon bei meiner letzten Fehlgeburt. Nämlich das Bild von Obstbäumen. Diese bringen jedes Jahr diverse Früchte hervor. Aber es gibt gute und es gibt schlechte Jahre. Und jedes Jahr sind Früchte dabei, die verschrumpelt sind und verunstaltet und früher vom Baum herab fallen. Diese Früchte gehören auch dazu. Deswegen ist der Obstbaum nicht falsch oder hat versagt. Ob der Baum ertragreich ist oder nicht, hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen er leben muss. Wenn es zu wenig Licht, zu wenig Nährstoffe im Boden oder zu wenig Wasser gibt, dann kann er nur klein und krüppelig werden und wenige gute Früchte hervorbringen. Hat er alles, was er braucht, dann wird er stark und ertragreich.
Wir sind selbst wie diese Bäume. Wir brauchen auch gute Bedingungen. Unser Körper muss gepflegt und gehegt werden. Wir müssen uns und unseren Körper gegen die vielen schädlichen Bedingungen unserer heutigen Welt schützen. Das ist nicht so einfach, zumal wir häufig gar nicht wissen, mit welchen schädlichen Einflüssen unser Körper still und tapfer täglich kämpft.
Dieses Bild hilft mir persönlich sehr, meinem Körper und mir selbst zu verzeihen und mit Liebe zu begegnen.

Dein Körper und mein Körper leisten jeden Tag sehr gute Arbeit, um uns am Leben zu erhalten und um das Leben selbst aufrecht zu erhalten. Und auch bei den Geburten und Fehlgeburten hat er sein Bestes gegeben. Und er trauert genau wie wir um die Verluste und die Schädigungen. Aber er gibt sein Bestes. Er tut alles, um die Wunden verheilen zu lassen und seine Funktionen wieder herzustellen. Er braucht mehr Fürsorge und Vertrauen von uns.
Ich kann Dir nur empfehlen trotz all dieser Wut und Enttäuschung, Dich Deinem Körper zu zu wenden und ihn so gut zu behandeln wie Du es mit deinem Kind tust. Gib ihm alle Nährstoffe, die er braucht, reibe ihn mit duftendem Öl ein, massiere die Narbe, gib ihm Ruhe, Entspannung, angenehme Bewegung, Luft und Licht. Er wird es Dir danken.
Sonst kann ich Dir empfehlen, eine Psychotherapie zu machen, am besten bei einer lebenserfahrenen, älteren Frau. Was Du schreibst, hört sich sehr nach Traumatisierung an. Ich habe das selbst auch gemacht. Es hat mir nicht allen Schmerz genommen, aber es hat mir geholfen, mich selbst und meinen Körper wieder besser anzunehmen.
Ich wünsche Dir alles gute, liebe Grüße, Anna

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#7

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 21.09.2020 22:15
von Umut • 2.646 Beiträge | 2648 Punkte

Hallo Anna,

Hier hat eine Hebamme So ein bestimmtes Programm für nach der Geburt, Aber die Krankenkasse zahlt nicht.

Gibt gute und schlechte Nächte. Manche Tage denk ich gar nicht an die Narbe. Gesehen hab ich sie noch nicht. Will auch nicht. Wir existieren in verschiedenen Welten. Bin gut drin geworden mich so zu bewegen um sie nicht sehen zu müßen.

Wie meinst du du wärst gedanklich weg vom Kind? War es small talk? Wie hast du den Grund raus bekommt.

Der Vergleich mit dem Baum ist schön. Villeicht gelingt es mir irgendwann dahin zu kommen.

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#8

RE: Hass auf Körper und Umgang damit

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 21.09.2020 22:18
von Umut • 2.646 Beiträge | 2648 Punkte

Juli, Stillen klappt Null, nur pumpen und da kommt zu wenig...

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