#1

Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 30.06.2020 17:15
von Kleeblatt • 5 Beiträge | 5 Punkte

Hallo zusammen,

erstmal möchte ich erstmal folgende Worte sagen: SCHÖN, DASS ES EUCH GIBT.

Ich bin jetzt seit ein paar Tagen hier angemeldet und war bis jetzt die stille Leserin...Ich glaube sogar, dass ich 98% der Beiträge gelesen habe:) demnach kenne ich fast all eure Schicksalsschläge/Glücks,-Trauermomente.

Ich bin 35, gefühlt sehne ich mich schon seit Ewigkeiten nach einem Baby-glück...es ließ aber auf sich warten.
Ich bin seit 2 Jahren verheiratet, seit 6 Jahren mit meinem Mann zusammen. Verhüten tue ich schon seit 4 Jahren nicht mehr.
Bis vor zwei Jahren waren wir auch beruflich dazu gezwungen Fernbeziehung zuführen...Es machte die Sache natürlich schwieriger, ich war beruflich viel unterwegs, mein Mann auch Dann mussten natürlich auch die Eisprünge um das Wochenende fallen...ACH JA und dann noch die Wahrscheinlichkeit dass man pro Zyklus 20% Chancen hat, schwanger zu werden. NA Super!
Endlich fasste ich dann den Entschluss von Hamburg nach Münsterland zu ziehen, es musste etwas passieren! Ich habe mich nicht vollkommen gefühlt, beruflich lief alles super aber was sollte es mir an Mehrwert bringen, außer vielleicht ein bisschen mehr Geld?
Die Liebe, die ich meinem Baby geben wollte, aber nicht konnte, staute sich. Die Verzweiflung auch!
Ich habe jeden Zyklus ca. 5 Schwangerschaftstests verbraucht, weil ich sogar ES+10 angefangen hatte zu testen.(Clearblue sollte mir als Dauerkundin danken und Flatrates anbieten!)

Irgendwann nach etlichen Hibbeljahren doch eine zweite schwache Linie. Ich musste an einem Sonntag morgen 6 Uhr meinen Mann aufwecken, um ihn zu fragen ob ich träume oder ob er diese zweite Linie auch sieht. Er sah es, Plötzlich hielten wir das Glück in Händen.
Ich hatte Gott sei Dank einen Tag später Routine-Untersuchung bei meinem Frauenarzt. Sie hatte eine Zyste gesehen und hat mir von Anfang an nichts positives sagen können.(Fand ich total doof von ihr mich schon so zu entmutigen, hätte ja auch eine Gelbkörperzyste sein können)
Ich sollte alle zwei Tage zum Blut abnehmen kommen, um HCG zu bestimmen. Dieser Wert wollte einfach nicht ansteigen, nicht soviel wie es sein soll.

,Das Glück dauerte nur zwei Wochen, eigentlich konnte ich mich nicht mal freuen. Es hieß immer " HCG ist nicht so angestiegen wie erwartet aber wir warten und schicken Sie jetzt nach Hause, da können Sie Tee trinken und abwarten" Ich bin zwar nicht so ganz religiös, aber gebetet habe ich die Tage mehr als der Papst in seinem Leben. Anscheinend hat es aber wenig gebracht, Die Blutungen setzten dann nach zwei Wochen ein. Mir kam es vor als hätte mein Leben plötzlich kein Sinn mehr...Alles war vorbei.
Nach einem Monat hatte ich plötzlich wieder Hoffnung, Dieser Vorfall zeigte dass ich schwanger werden konnte, dass mein Körper doch in der Lage ist etwas zauberhaftes zu erschaffen...Wir versuchten wieder.
Meine Frauenärztin schlug mir vor, meinem Körper sechs Monate Zeit zugeben und das ganze "natürlich" weiter anzugehen.

Letztendlich wollte und konnte ich nicht mehr warten und habe einen Termin im Kinderwunschklinik gemacht. Es dauerte 5 Monate bis da überhaupt neue Patienten aufgenommen wurden. Somit verstrich wieder eine lange Wartezeit.
Im Kinderwunschklinik wurde festgestellt dass mein Mann ein schlechtes Spermiogramm hat und ich habe eine Bauchspiegelung bekommen. Das volle Programm also. Ich wollte alles ausschließen was mich zu meinem Glück verhinderte.
Als nach ein paar Clomifenzyklen und Inseminationen kein Erfolg in Sicht war, haben wir uns doch für eine ICSI entschieden. Dann kam Corona. Es hieß keine neuen Behandlungszyklen mehr in der KIWU. Und ich wartete wieder lange.

Anfang Mai gab die KIWUKlinik grünes Licht für uns und ich sollte anrufen sobald ich meine Mens gekriegt habe. Die kam nicht, normalerweise kommt die Hexe tagesgenau...nur diesmal nicht. Schwangerschaftstest habe ich nicht gemacht-.Wäre eh wieder ein leeres Fenster gewesen.Ich hatte mich getäuscht, denn genau in diesem Zyklus, wo ich es am wenigsten erwartet habe, wurde ich schwanger.Ich bin jetzt in der 11 SSW und überglücklich.

Ich wollte einfach mal meine Geschichte hier verfassen, um den Frauen Mut zumachen, die den Abgrund der Hoffnungslosigkeit gesehen haben. Den Frauen Mut zumachen, die den Glauben an ihren eigenen Körper verloren haben... All diejenigen die jeden Tag in den Sternenhimmel gucken und denken: was wäre wenn...Das ist die positive Seite meiner Geschichte.

Doch sitzt mir die Angst im Nacken. Meine beste Freundin hatte dieses Jahr zwei Fehlgeburten hintereinander 12SSW (MA) und 9SSW (MA).Ich hatte alles mitverfolgt, habe ihre Trauer miterlebt und mitgelebt.
Ich glaube, freuen kann ich mich erst, wenn ich das Baby in der Hand halte. Ich weiß leider nicht, wie ich diese Ängste loswerde. Die Abstände zu den Kontrollterminen beim Arzt sind viel zu lang. Letzte Woche habe ich meine Ärztin angeschwindelt, damit Sie nochmal guckt ob alles in Ordnung ist. Ich hatte plötzlich kein gutes Gefühlt mehr.Dieses Gefühlschaos mache ich jeden Tag durch. Freude, Angst. Etwas so nahezu sein und plötzlich zu verlieren. Man hat Angst das zu verlieren, was man am meisten wertschätzt und wofür man am meisten gekämpft hat. Demnach ist die Trauer auch genauso groß, wenn man es verloren hat.

Es tut mir leid, es ist so lang geworden. Tut aber gut alles von der Seele zu schreiben und zu wissen, dass sich die eine oder andere in diesem Beitrag wiederfindet, denn ich habe mich in all euren Beiträgen wiedergefunden...Danke!

nach oben springen

#2

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 30.06.2020 17:48
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Hallo! Da hast Du Deinem Usernamen alle Ehre gemacht und vermutlich handelt es sich um ein vierblättriges:-) Meinen herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft, die so unverhofft kam wie ein 6er im Lotto, wieder mal ein Wunder... So schön! Danke, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst, sie wird sicher dem ein oder anderen Mut machen. Die Angst als Dauerbegleiter wird jede Frau mit dem Hintergund kennen, sie wird vermutlich erst mit einsetzenden Bewegungen des Kindes verblassen. Ich wünsche Dir alles Gute und vielleicht magst Du Dich im Schwangerschaftsthread austauschen. Liebe Grüße, Susanne

nach oben springen

#3

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 30.06.2020 18:25
von Leona • 444 Beiträge | 452 Punkte

Hallo Kleeblatt,
habe deine Geschichte gelesen und freue mich sehr für dich, dass du wieder schwanger bist☺. Das zeigt echt, dass man die Hoffnung nicht aufgeben darf und das die ganze Warterei irgendwann belohnt wird🍀.

Wohne übrigens auch im Münsterland 😇

zuletzt bearbeitet 30.06.2020 18:27 | nach oben springen

#4

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 30.06.2020 19:16
von Bine • 912 Beiträge | 920 Punkte

Deine Geschichte zaubert mir Tränen in die Augen. Wundervoll, wie manchmal das Leben einen so toll zuspielt.
Ich wünsche dir vom alles liebe und gute für die Schwangerschaft.

nach oben springen

#5

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 30.06.2020 19:23
von Steffi-3009 • 676 Beiträge | 685 Punkte

Hallo kleeblatt,
ich danke dir für das Teilen deiner geschichte, das berührt mich total. Damit hast du mir ein Stückchen mut und Hoffnung gegeben.

Ich freue mich sehr für dich und deine schwangerschaft! Das ist wundervoll. Total nachvollziehbar wie du dich fühlst, ich denke aber auch, dass du dich mit der zeit sicherer fühlst. Ich wünsche dir vom herzen alles liebe und gute und eine schöne zeit ❤🍀

nach oben springen

#6

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 01.07.2020 13:24
von Kleeblatt • 5 Beiträge | 5 Punkte

Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für eure Antworten.
@Susanne: Es ist wirklich mein vierblättriges Kleeblatt, so rufe ich mein Baby mittlerweile.
das stimmt, Angst ist echt ein Dauerbegleiter jeder werdenden Mutter.. Ich denke auch nach der Geburt wird man immer Angst haben, dass es dem Kind etwas passieren könnte.
Ich werde mich aufjedenfall mal in dem Schwangerschaftsthread melden.Danke

@Leona: Hoffnung darf man wirklich nicht verlieren... Manchmal ist das leider leichter gesagt als getan. Ich war die Zeit davor wirklich sehr verzweifelt und depressiv. Münsterland ist fast so schöön wie Hamburg
@Bine: Vielen Dank.
@Steffi-3009. Ich freue mich wirklich, wenn ich mit meiner Geschichte Mut und Hoffnung geben konnte. Ich hoffe, dass alle, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Baby in den Armen zuhalten, diese Bescherung auch bekommen.

nach oben springen

#7

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 01.07.2020 13:46
von Jenny • 350 Beiträge | 350 Punkte

Hallo Kleeblatt.
Wunderbar zu lesen, dass das kleine Wunder bei dir eingezogen ist. Ich freue mich wirklich sehr für dich. Es hat sich gelohnt, weiter zu machen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Respekt dafür. Die schönste Entschädigung hast du jetzt bekommen 😊
Bitte gehe deinen Weg positiv weiter. Wenn es so unerwartet passiert, dann ist das vielleicht nicht das schlechteste Zeichen... Ich spreche aus Erfahrung 😜 hatte in dem Zyklus, in dem es geklappt hat, auch nicht im Traum daran gedacht. Alles Gute weiterhin. Die Angst wird bald weniger werden, von Woche zu Woche 🍀❤️

nach oben springen

#8

RE: Hoffnung vs.Trauer

in Eure Geschichte 01.07.2020 14:29
von Kleeblatt • 5 Beiträge | 5 Punkte

Hallo Jenny,

vielen herzlichen Dank für deine schönen Worte.

LG Kleeblatt


zuletzt bearbeitet 01.07.2020 14:30 | nach oben springen


Besucher
3 Mitglieder und 11 Gäste sind Online:
Nika37, PippiLangstrumpf, Gänseblümlein

Forum Statistiken
Das Forum hat 1781 Themen und 46562 Beiträge.


Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen