#1

Umgang des Umfelds mit der Trauer

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 27.06.2020 13:16
von Susanne • 4.613 Beiträge | 4631 Punkte

Was wünscht sich eine Frau, die einen Schwangerschaftsverlust erlitten hat, von Ihrer Umwelt?

Das ist sicher eine Frage, die der Familie und den Freunden durch den Kopf geht und an der sie leider oft scheitern.
Leider ist es so, dass in der heutigen Zeit der Umgang mit dem Tod verlernt worden ist und er an Natürlichkeit verloren hat. Früher wurden die Toten wie selbstverständlich in der Stube zuhause aufgebahrt, Freunde und Familie kamen, beweinten und betrauerten zusammen den Toten und nahmen so Abschied. So wie zuhause geboren wurde, wurde auch zuhause gestorben. Der Kreis des Lebens schloss sich auf natürliche Art und Weise. Nachbarn kamen z.B. zur Kondolenz vorbei, es gab feste Trauerrituale.
Heute ist es so, dass dieser natürliche Umgang mit dem Tod, der nun mal zum Leben unweigerlich dazu gehört, verloren gegangen ist. Selten sieht man den Toten noch, er verschwindet, wird beerdigt oder eingeäschert ohne den bewussten Prozess des Betrauerns am Totenbett.
Dabei ist doch gerade dieses wortwörtliche "Begreifen" so wichtig, damit die Seele verstehen kann, dass der Mensch nicht mehr da ist. Der Tod gehört nicht mehr selbstverständlich zum Alltag dazu, wir haben daher den Umgang mit ihm verlernt und damit auch den Umgang mit den Trauernden. Heute ist das Umfeld häufig recht unbeholfen und unsicher, wenn sie auf einen Hinterbliebenen treffen. "Was soll ich denn sagen?" - Es gibt aber nicht den einen "richtigen Satz", viel wichtiger ist eine aufrichtige Anteilnahme und Empathie. Und wenn man unsicher ist, nicht weiss, was man sagen soll, dann sollte man dieses einfach aussprechen "Du, ich weiss gerade gar nicht, was ich sagen soll, aber Du sollst wissen, dass ich da bin! Wenn Du reden möchtest, bin ich da, wenn Du weinen möchtest, weine ich mit, wenn Du etwas brauchst, kümmere ich mich darum, wenn Du Ablenkung möchtest, bin ich da, wenn Du Deine Ruhe möchtest, halte ich mich zurück, aber Du sollst wissen, Du kannst auf mich zählen und ich bin für Dich da."

Falsch ist sicher: Nicht da zu sein, kein Interesse zu zeigen, sich nicht zu melden und die Trauer mit eigenen Maßstäben zu beurteilen und zu hinterfragen.

Was hättet Ihr Euch als Betroffene von Familie und Freunden gewünscht?

Und wie haben sie sich verhalten? Adäquat oder eher nicht?

Ich freue mich auf Kommentare!


zuletzt bearbeitet 27.06.2020 13:20 | nach oben springen

#2

RE: Umgang des Umfelds mit der Trauer

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 27.06.2020 16:38
von Umut • 2.638 Beiträge | 2640 Punkte

Bei mir weiß es bis heut nur meine Mutter. Leider hat sie 2 Wochen ca nach der Fehlgeburt nicht gemacht. Wenn ich davon anfing abgelenkt. Selbst Wetter war als Thema Wechsel gut. Fand das schwierig. War total auf Ursache Forschung und Fehler suche. Und sie vermied es.
Mit anderen kann ich bis heut nicht reden. Verstumme. Aber vergessen ist unser kleines Nie.

Umgang mit Tod. Da ich seit Kindheit an Haustier habe bin ich da regelmäßig mit konfrontiert. Macht es aber nicht leichter.
Bin eher der Typ der einäschert. Wir haben auch eine Größe Urne for alle Haustiere. Das beerdigen vom Baby wR schwierig. Fühlt sich in der Erde mehr nach entgültig an. Ist aber typsache.

Meine Schwägerin wußte es noch. Aber die wollte ich nicht ständig zumüllen. Zugehört hätte sie. Aber meist kam ich wäre nicht schuld.. Und das war nicht was ich hören wollte.

zuletzt bearbeitet 27.06.2020 16:40 | nach oben springen

#3

RE: Umgang des Umfelds mit der Trauer

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 27.06.2020 20:39
von Tali • 61 Beiträge | 62 Punkte

Ich hatte von der Schwangerschaft vielen erzählt. Ich wollte es eigentlich die berühmten 12 Wochen für mich behalten, aber die Freude war zu groß... also musste ich natürlich dann auch davon erzählen, dass das Kleine gegangen ist.
Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Meine Freunde haben ihr Beileid bekundet und mich dann kaum noch drauf angesprochen. Das passiert ja immer, da man meint, man würde beim anderen was aufwühlen. Was ja gar nicht stimmt, ich würde gerne darüber reden. Ich tue es auch gnadenlos, wenn man mich fragt...
Meine Arbeitskollegen haben zum Teil ähnlich reagiert, aber zwei davon fragen mich immer und mit denen rede ich auch ganz offen. Die Frau des einen Kollegen hatte auch mal eine FG.
Meine Mutter ist selbst davon immer so betroffen. Aber sie kann meinen Schmerz verstehen und versucht für mich da zu sein.
Mein Vater ist ein absoluter Rationalist. Heute erst hat er zu mir gesagt: "Du musst darüber wegkommen. Das passiert viele Frauen und ist ja fast schon normal, außerdem war es nicht mehr als ein paar Zellen. Es war traurig, mehr aber auch nicht." - das ist so ziemlich das Schlimmste, was er mir hätte sagen können. Mir wurde wieder klar, wieso ich mit meinem Vater über Gefühle und meinen tatsächlichen Gefühlszustand nicht rede.

Bzgl. der Thematik gebe ich dir absolut Recht. Der Tod wird aus dem Leben gnadenlos verbannt und wenn er dann eintritt, egal in welcher Form, ist er umso schrecklicher...
Man muss darüber reden, sofern man das natürlich selbst möchte. Und ich tue das einfach. Ich konfrontiere jeden damit, der es wissen will.

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#4

RE: Umgang des Umfelds mit der Trauer

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 27.06.2020 21:25
von Steffi-3009 • 676 Beiträge | 685 Punkte

Umut das tut mir leid, dass du nicht wirklich einen Gesprächspartner hattest. Dabei ist reden so wichtig.
Und tali, da kann ich dich verstehen. Das ist hart von deinem vater.

Auch ich musste mir die üblichen sprüche anhören. Habe sogar jemanden im engsten Freundeskreis, der sich danach nie wieder bei mir gemeldet hat. Andere sind dem Thema gezielt aus dem weg gegangen und haben immer über etwas anderes geredet, als wäre nie was passiert. Doch zum glück haben die meisten empathisch reagiert und viel mit mir geredet. Da habe ich Glück gehabt.
Es wussten nicht sonderlich viele, aber bei denen die es wussten, war halt alles dabei.

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#5

RE: Umgang des Umfelds mit der Trauer

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 28.06.2020 10:06
von Lotta • 252 Beiträge | 252 Punkte

Mein Umfeld hat gut reagiert. Sie waren schon Recht hilflos daher aber sie haben es sehr gut Gemacht. Sie haben sich regelmäßig gemeldet, Zeit mit mir verbracht. Aktiv angesprochen haben sie es nicht, Ich habe es angesprochen. Das war gut so.

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