#1

Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 19.05.2020 00:13
von Juli • 478 Beiträge | 496 Punkte

Hallo alle zusammen,
ich bin auf der Suche nach Hilfe auf dieses Forum gestoßen, weil ich einfach nicht über meine Fehlgeburten hinweg kommen kann. Und ich denke mit jemanden darüber zu reden hilft vielleicht. Einwenig habe ich schon herumgestöbert und einiges von euren Erlebnissen findet sich auch bei mir wieder. Aber ich dachte ich stelle mich zuerst mal mit meine Geschichte vor.
Ich heiße Julia und bin nun 33 Jahre alt. Seit ich denken kann wollte ich Kinder. Während andere mit ihren Ballerina-, Ärztin- oder was auch immer Barbies gespuelt haben. Hatte ich am liebsten eine schwangere mit Babys im Bauch... Mit 29 war es dann endlich soweit, Sep 2016 ich war das erste Mal schwanger. Leider war die Freude nur kurz. In der 6. SSW war kein Herzschlag zu sehen und nach einer weiteren Woche immer noch nichts und keine Entwicklung. Die Ärztin hat mich ans Krankenhaus überwiesen, wo dann in der 8. Woche eine verhaltene FG diagnostiziert worden ist. Also musste ich zur Ausschabung. Zwei Wochen später stellte meine Ärztin fest, dass da immer noch Reste in der Gebärmutter geblieben waren, also noch einmal ins Krankenhaus. Die Ärztin dort meinte es wären nur Koagel, die müssten nur abbluten. Sollte Tabletten nehmen, die Wehen auslösen und naja, was soll ich sahen. 1,5 Wochen tat ich das, bis ich so Schmerzen das ich es nicht mehr aushielt und an nem Sonntag in die Notaufnahme bin. Dort haben sie endlich mal ein gescheites Ultraschallgerät benutzt und ja, die angeblichen Koagel waren Reste. Also noch eine Ausschabung. Nach all dem Drama wurde ich dann Ende Feb 2017 aber belohnt und war wieder schwanger. Musste wegen Blutungen zwar viel liegen aber mein Baby hat es geschafft und ist jetzt 2,5 Jahre alt. Ende 2018 wollten wir aber das zweite Kind angehen und es hat sofort geklappt. Dez 2018 ich hatte nur eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt und hab nebenbei erzählt das paar Dinge irgendwie komisch sind, sie hat einfach einen Test gemacht und schwanger. Ich war so happy. Ich dachte es kann ja jetzt nicht noch eine FG werden, sowas passiert doch nicht zweimal... ein paar Tage später fingen die Schmerzen an. Ich dachte es wäre nur ne schlimme Verstopfung... aber irgendwann waren sie einfach zu stark. Bin ins KH und die Gyn dort zeigte mir die Fruchthöhle und meinte es wäre alles ok. Einwenig freie Flüsdigkeit, aber das wäre in Ordnung. In meinem Kopf geisterte nur die FG herum. Sie schickte mich wegen Verdachts auf Blinddarmentzündung zu den Chirurgen. Die fanden nichts, wiesen mich aber ein und nach nem Tag meinten sie ich hätte einen Harnwegsinfekt. Mittlerweile kam Blut, aber keiner dachte an einen Ultraschall. Hab mich also entlassen lassen, damit ich zu meiner Frauenärztin gehen konnte. Die wurde ganz bleich. Lies mich sofort (in ein anderes KH) einweisen. Musste notoperiert werden, denn ich hatte eine Eileiterschwangerschaft und der Eileiter war schon so angeschwollen, dass es ein Glück war, dass er nicht geplatzt ist. Man konnte ihn noch retten. Die ersten Möglichkeiten danach schwanger zu werden verstrichen, weil ich so eine Angst vor einer erneuten Eileiterschwangerschaft hatte, dass mein Mann mich in der Eisprungphase nicht mal ansehen konnte. Dazu kam noch die Trauer und all diese Komentare, als wäre das eine Krankheit gewesen. Es war doch trotzdem ein Baby, dass es einfach nicht geschafft hat. Es war auch ein Verlust und alle taten so, als ob ich froh sein sollte, dass es entfernt worden wäre... Der Zyklus ist danach zwar wieder regelmäßig gekommen, aber mit starken PMS und Schmierblutungen von bis einer Woche vor vor der Periode. Habe mir schon einen Termin gemacht und wollte, dass meine Ärztin meine Hormonhaushalt untersucht. Aber als es dann endlich zum Termin kam war ich einen Tag überfällig und tatsächlich wieder schwanger. Es folgten Wochen voller Bangen und Hoffen, dass es keine Eileiterschwangerschaft ist und das alles gut geht... aber Ende Sep hat mich das Krümmelchen auch verlassen. Es liegt keinerlei Problem vor aus Ärztlicher Sicht, ich habe keine Ahnung warum es wieder nicht geklappt hat... und die Kommentare wie "wenigstens weißt du jetzt, dass es trotz Narbe am Eileiter noch alles durchgeht" oder "ihr habt ja schon ein Kind" oder "war ja noch früh, das passiert oft" trösten echt kein Stück und vor allem seit April, wo ich jetzt eigentlich mit einem Baby hätte herumlaufen müssen und alle Freundinnen wieder schwanger sind und bei mir klappt und klappt es nicht und man dann gesagt kriegt man solle es doch einfach stressfreier angehen, meistens klappt es, wenn man es aufgeben hat... aber ich will es nicht aufgeben. Ich will auch endlich mein zweites Baby. Der Wunsch und die Trauer wird doch nicht geringer nur weil man schon ein Kind hat. Ich sehe nur umso mehr wie schön es wäre, wenn mein Sohn einen Spielkameraden hätte und wie sehr sich über andere Kinder freut. Aber jedes Mal kommt trotzdem die Periode. Ich freue mich über all die Babys von meinen Freundinnen, aber es tut so weh...
Tut mir leid, dass es so lang wurde. Aber ich glaube, das musste einfach mal raus. Vielleicht tut es sich ja jemand an alles zu lesen... danke schon mal dafür.

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#2

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 19.05.2020 07:42
von Susanne • 4.503 Beiträge | 4521 Punkte

Liebe Juli, mein Mitgefühl für Deine Verluste, es ist sicher eine Hilfe sich mit Frauen, die das gleiche hinter sich haben und daher verstehen, auszutauschen. 1 1/2 Jahre, wenn ich das richtig verfolgt habe, und 2 Schwangerschaftsverluste sind wirklich nicht leicht zu ertragen und lassen einen verzweifeln. Eine lange Zeit und man ist seinem Ziel kein Stückchen näher, hat nur noch mehr Schmerz auf den Rücken geladen bekommen. Schön jedoch, dass Du nicht aufgeben möchtest! Dafür sind wir hier und ich hoffe, Du fühlst Dich wohl. Ich würde mich freuen von Dir im Hibbelthread zu lesen. Gemeinsam lässt sich der nervenzehrende Weg besser gehen. Liebe Grüße, Susanne

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#3

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 19.05.2020 07:48
von Steffi-3009 • 676 Beiträge | 685 Punkte

Liebe Julia,
"Schön", dass du zu uns gefunden hast. Reden und darüber schreiben mit anderen betroffenen hilft wirklich sehr. Es tut mir leid, was du erlebt hast. Ich habe leider zwar noch kein Kind, dennoch kann ich mit Überzeugung sagen, dass es egal ist, wie viele Kinder man an der Hand hält. Eine fehlgeburt ist und bleibt einfach furchtbar, egal wann. Und da helfen solche Sätze nicht weiter, ganz im Gegenteil. Ich kann auch verstehen, dass es dir schwer fällt, all die schwangeren oder frisch gebackenen Mamas zu sehen. Es geht mir genauso, es hat aber überhaupt nichts damit zu tun, dass man es der anderen nicht gönnt. Sondern viel mehr damit, dass man über sein eigenes Erlebnis traurig ist und immer wieder daran zurück erinnert wird und der Wunsch immer größer wird.
Geb die Hoffnung nicht auf! Ich wünsche dir alles alles liebe und gute und dass du bald eine schöne Schwangerschaft mit positivem Ende erlebst 🍀
Fühl dich gedrückt ❤

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#4

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 19.05.2020 23:01
von Juli • 478 Beiträge | 496 Punkte

Vielen lieben Dank ihr zwei. Es ist schön, wenn jemand einen versteht. Hier sind alle wirklich nett. Es ist sehr traurig, dass jede hier so einen Verlust erleben musste... Wie seid ihr damit umgegangen? Ich habe beim ersten Mal viel drüber geredet. Mit jedem Mal erzählen wurde es irgendwie leichter. Nach der Eileiterschwangerschaft war ich auch etwas froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Aber nach der letzten Fehlgeburt fühle ich mich irgendwie als Versagerin... In meinem Kopf spuckt immer der Gedanke herum, dass ich irgendetwas falsch mache und es deswegen schief geht... deshalb habe ich seitdem nicht mehr drüber geredet.

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#5

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 20.05.2020 07:58
von Susanne • 4.503 Beiträge | 4521 Punkte

Ich finde von Schuld kann man nur sprechen, wenn etwas passiert ist, auf das man wirklich Einfluss gehabt hat. Es ist vielmehr ein Schicksalsschlag, der einen getroffen hat. Quäl dich bitte nicht weiter mit diesen Schuldgefühlen, denn das einzige, was sie bewirken, ist, dass es alles noch schlimmer wird als es ohnehin schon ist. Sei milde mit Dir.


zuletzt bearbeitet 20.05.2020 10:21 | nach oben springen

#6

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 20.05.2020 08:04
von Steffi-3009 • 676 Beiträge | 685 Punkte

Liebe Juli, du bist nicht Schuld daran und du bist keine versagerin. Du kannst nichts dafür, denk das nicht.
Ich persönlich finde auch, dass darüber reden und schreiben gut tut. Gerade den Austausch in diesem forum, in dem einfach alle aneinander verstehen zeigt, dass man nicht alleine ist. Ansonsten habe ich viel gemacht, wonach mir war. Die Trauer habe ich zugelassen, habe viele meiner Gedanken aufgeschrieben, einen Brief an unser kleines geschrieben, ein Teelicht besorgt und etwas für meine Seele getan.
Versuch an die positiven Dinge festzuhalten auch wenn es manchmal schwer fällt ❤

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#7

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 20.05.2020 10:16
von Saranda • 313 Beiträge | 313 Punkte

Hallo Juli,
Danke für deine Geschichte - du hast ja schon einiges erlebt. Bleib stark!
Lass die Gedanken gern raus, hier werden sie gut aufgefangen. Die Schuldfrage kenne ich gut, aber auf der anderen Seite gibt es so vieles, was man nicht steuern kann und wenn ich eins aus dem Erlebnis meiner FG gelernt habe, dann ist es die Entstehung eines Menschen wirklich als Wunder zu begreifen.
Ich drück die Daumen für ein baldiges zweites Wunder bei dir ;-)


Sternchen 12 SSW am 15.03.20
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#8

RE: Egal wie viel Zeit vergeht, die Leere bleibt...

in Eure Geschichte 22.05.2020 00:05
von Juli • 478 Beiträge | 496 Punkte

Danke für die lieben Worte.
Ich war früher echt ein Optimist durch und durch, bis die erste Fehlgeburt kam. Hatte davor aber auch echt nie etwas gehabt und musste nie zum Arzt und war deshalb sehr enttäuscht über die Behandlung und versaute Ausschabung. Ich versuche es mir auch immer wieder zu sagen, dass Gott einem nur so viel zumutet, wie man ertragen kann... klappt nur nicht immer... Und meine Sternchen trage ich symbolisch immer als Armbandanhänger bei mir und denke oft an sie. Frage mich halt trotzdem immer, ob ich vielleicht zu schwer gehoben habe, oder zu spät beim Frauenarzt war, sodass das Utrogest nicht seine Wirkung entfalten konnte, oder hätte ich wie bei meinem Sohn auf das ASS100 bestehen sollen, obwohl meine Ärztin mir das nicht wieder verschrieben hatte. Ich war nur so happy und dachte, dass es nach FG und Eileiterschwangerschaft doch nicht noch einmal so ein Käse bei rauskommen kann... so viel Pech kann man doch nicht haben. Die positive Grundstimmung vom Anfang wieder zu finden ist echt schwierig...

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