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Meine Erfahrung mit Eileiterschwangerschaft

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 07.04.2020 15:36
von Ira • 2 Beiträge | 2 Punkte

Hallo liebe Forum-Gründerin und liebe Forum-Mitglieder, ich bin sehr dankbar, dass es ein Ort gibt, wo wir unsere persönliche Erfahrung und unsere Trauer teilen können.

Nun fühle ich mich bereit meiner Geschichte Wort zu geben und ich spüre auch die Notwendigkeit das alles auszusprechen und vlt. dadurch den Anfang meiner emotionellen Heilung zu ermöglichen.

Mein Mann und ich haben noch keine Kinder und arbeiten seit einem knappen Jahr mit ein paar Monaten Pause dazwischen an unserer Familienplanung. Ich habe einen sehr unregelmäßigen und langen Zyklus, und weiß nicht immer genau wann mein Eisprung ist. Das erschwert den Kinderwunsch etwas. Umso glücklich waren wir beide, als ich Ende März den ersten positiven SS-Test hielt. Da meine Periode noch nicht überfällig war und es noch mindestens 2 Wochen bis dahin waren, wussten wir, dass es noch früh ist, sich beim Frauenarzt vorzustellen und haben uns entschieden damit noch mindestens eine Woche zu warten.
In dieser "Wartezeit" habe ich alle 2 Tage einen SS-Test gemacht und alle haben sehr deutlich 2 dunkle Linien gezeigt. Was mir allerdings keine Ruhe gegeben hat - sind Schmierblutungen. Sie waren gar nicht so stark und meistens nur einmal am Tag. Meine innere Stimme sagte mir schon, ich soll das so früh wie möglich abklären. Ich habe meiner Frauenärztin die Situation geschildert, sie hat mich versucht mit der Vermutung auf eine Einnistungsblutung zu beruhigen, ich habe aber trotz der aktuellen Corona-Restriktionen auf eine Untersuchung bestanden. Die Ärztin hat nichts außer hochaufgebauter Schleimhaut in der Gebärmutter in ihrem Ultraschall gesehen und hat beschlossen das beta-HCG Hormon im Blut bestimmen zu lassen. Nach insgesamt 8 schmerzhaften Blutabnahmeversuchen in allen möglichen Stellen von insgesamt 3 Assistentinnen und der Frauenärztin selbst, bin ich entkräftet vor emotionalen Aufregung in den Tränen ausgebrochen und sie mussten mich ohne jegliche Annahme was mit mir los ist gehen und in 2 Tagen noch mal zur Untersuchung kommen lassen.
Diese 2 Tage waren für mich Anfang der Hölle - die Blutungen haben nicht aufgehört und die im Internet recherchierten möglichen Ursachen der Blutungen in der Frühschwangerschaft haben mir große Angst gemacht. Ich habe mich aber trotzdem auf das Positive eingestimmt.
Nun die nächste US-Untersuchung bei meiner Frauenärztin hat immer noch keine Fruchthölle gezeigt, die Blutabnahme ist aber Gott sei Dank diesmal durch andere Ärztin beim ersten Stechen gelungen - beta-HCG Wert lag bei 1500. Bei dem Wert sollte nach den geltenden Grenzwerten die Fruchthölle sichtbar sein und das war ein Zeichen dafür, dass mit der Schwangerschaft etwas wahrscheinlich nicht in Ordnung ist und ich sollte mich am nächsten Tag im Krankenhaus vorstellen (weil Wochenende) und noch mal den Anstieg von HCG checken lassen. Der 2. HCG Wert hat aber auch leider keine Hoffnung gemacht - lag nur bei 1600... Die diensthabenden Ärzte haben mich im Krankenhaus mit Verdacht auf EUG (Extrauteringravidität) stationär aufgenommen und haben mir klar gestellt - die Lage ist sehr ernst. Da es zur sicheren Bestimmung des HCG Anstiegs in der fachmedizinischen Praxis immer 2 Werte im Abstand von 48 Stunden notwendig sind, mussten sie ein Tag später noch einmal das Blut abnehmen. Ergebnis davon war 1750, also keine Verdopplung des Wertes, wie es bei einer intakten Schwangerschaft der Fall sein sollte. Die erneute Ultraschalluntersucheng hat keine Anzeichen vom Embryo gezeigt.. nicht in der Gebärmutter.. nicht in den beiden Eileitern. Zu sehen war ein Riesen Corpus Luteum (das Gelbkörper) der die Schwangerschaft für die ersten Wochen mit HCG versorgt bis die Plazenta diese Funktion übernimmt. Die Vermutung aller Ärzte demnach war, dass der Gelbkörper etwas im Eileiter verdeckt, sodass man mit Ultraschall nicht hinkommen kann. Es bleibt nichts anderes übrig als Laparoskopie und Ausschabung vorzunehmen. Ich habe danach einfach nur geweint und meinen Mann angerufen, besuchen durfte er mich nicht. Angesicht der aktuellen Pandemie, hat die Klinik alle Besuche gestrichen. Wir haben uns abends trotzdem heimlich im Krankenhaushinterhof getroffen, das hat mir vor der OP moralisch unglaublich geholfen – einen vertrauten und nächsten liebsten Menschen im Arm zu halten.
Abends kamen dann die Assistenzärzte, um mich über die OP und Narkose aufzuklären. Ich bin diesen Menschen sehr dankbar, sie haben das sehr einfühlsam gemacht und sind auf alle meine Fragen eingegangen und mir den größten Teil meiner Ängste genommen.
Am nächsten Morgen hat die Schwester das OP-Hemdchen und Einwegrasierer gebracht. Ich soll mich auf die OP verbreiten. Dann kamen die Tabletten, die zur Lockerung des Gebärmutterhalses dienen sollten. In einer Stunde kam die Blutung deswegen.
Ich habe auf meine Stunde gewartet. Die erste OP, die erste Vollnarkose, die erste Schwangerschaft, die leider direkt entfernt werden musste.
Kurz vor dem Mittag wurde ich auf dem Bett in den OP-Raum gefahren. Auf dem Weg dahin sind die Lichter an der Decke eins nach dem andren vorbeigeflogen. Im OP-Bereich traf mich ein sehr netter und herzlicher Assistenzarzt und hat mir verraten auf meine Frage wer mich operieren wird, und dass ich in sehr guten Händen bin. Das hat mir Mut gemacht.
Dreiviertel Stunde haben 3 Anästhesieärzte nach Venen für die Kanüle für die Narkoseinfusion gesucht, mit Ultraschall, mit Abtasten, mit Komprimieren, Reiben, Klatschen.. Mein ganzer Körper hat gezittert, die Zähne haben aufeinander aufgeschlagen – mit meinem ganzen Willen konnte ich meinen eigenen Körper einfach nicht mehr kontrollieren. Die Kanüle war drin und befestigt, ich wurde diese ganze Zeit sehr lieb behandelt und mir wurde jeder Schritt vorgesagt, unmittelbar danach wurde ich in den OP-Raum geschoben. Da hat bereits alle und alles auf mich gewartet. Ich fing an noch stärker zu zittern und ich wurde mit der Warmluft unter die OP-Decke angepustet. Dann kam die Sauerstoffmaske auf mein Gesicht und der Arzt versicherte mir er passt auf mich gut auf. Nach der ersten Infusion war ich nach einigen Sekunden vernebelt und danach ganz weg.
Aufgewacht bin ich mit einer lieben Anästhesistin an meinem Bett und ganz vielen Überwachungsgeräten, die alle 2 Min. etwas bei mir gemessen haben. Ich habe gespürt wie stark ich immer noch gezittert habe, ich habe aber keine Schmerzen gespürt, wahrscheinlich weil die Schmerzmittel und Opiate in meinem Blut noch gewirkt haben. Meine erste Frage an Anästhesistin war- wie viele Schnitte ich habe- 3 sagte sie. Ich war sehr beruhigt, denn das war für mich ein Anzeichen, dass die OP komplikationslos lief und dass die Ärzte mir nichts entfernen mussten. Schließlich kommt alles zurück auf mein frühes Kommen ins Krankenhaus und frühe Reaktion der Ärzte, die mich betreut haben.
Die Tage und Nächte nach der OP waren schrecklich, ich glaube aber jeder und jede, der eine OP am Bauch hatte, wird mich an dieser Stelle verstehen. Und emotional gings mir nicht sonderlich gut. Das einzige in dem Moment, was mich getröstet hat, war die Tatsache dass mein Eileiter nicht geplatzt war, dass ich keine inneren Blutungen hatte und dass alles Wichtige zum weiteren Kinderwunsch erhalten werden konnte.
Aktuell befinde ich mich unter Aufsicht meiner Frauenärztin, es ist wichtig, dass HCG Wert in den nächsten Wochen wieder auf 0 fällt, dies bestätigt das kein Restgewebe im Eileiter geblieben ist und weiterwächst. Darauf hoffe ich, ich versuche mich jetzt positiv einzustimmen.
Ich mache mich innerlich stark und arbeite dran meine Erfahrung so gut wie möglich zu verarbeiten und vlt. daraus zu lernen und mich emotional auf die weiteren Versuche zu stärken..

Vielen Dank für das Lesen, Verstehen und vlt. Mitfühlen.
Von mir an alle Mitglieder alles Gute.

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#2

RE: Meine Erfahrung mit Eileiterschwangerschaft

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 07.04.2020 17:29
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Liebe Ira, mein Mitgefühl für Deinen Verlust und danke, dass Du Deine Erfahrung mit uns teilst.
Wurde denn die Schwangerschaft im Eileiter dann gefunden?
Wann dürft Ihr es wieder versuchen? Und wie geht es Dir mittlerweile seelisch?

Liebe Grüße, Susanne

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#3

RE: Meine Erfahrung mit Eileiterschwangerschaft

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 07.04.2020 19:22
von Ira • 2 Beiträge | 2 Punkte

Vielen Dank liebe Susanne für Deine Nachricht und Dein Mitgefühl. Das wirkt sehr unterstützend.
Die Schwangerschaft wurde bei der Laparaskopie im Eileiter gefunden und entfernt. Wir sollten mit weiteren Versuchen 3 Monate abwarten, das werden wir auch machen.
Seelisch habe ich den Verlust einigermaßen akzeptiert und erlaube mir traurig zu sein und ab und zu zu weinen, oft weinen mein Mann und ich zusammen und das tut gut.
Ich hätte mir mehr Unterstützung von meiner Mutter gewünscht.. Wir haben darüber am Telefon gesprochen und ich habe ihr meine Trauer mitgeteilt, aber sie wirkte etwas distanziert, dafür hat sie wahrscheinlich eigene Gründe, oder sie konnte ihre Gefühle nicht so einfach in Worte fassen, ich möchte sie aber zu nichts zwingen.

Liebe Grüße,
Ira

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#4

RE: Meine Erfahrung mit Eileiterschwangerschaft

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 07.04.2020 19:38
von Susanne • 4.620 Beiträge | 4638 Punkte

Die Erfahrung mit der Familie kenne ich, bei mir waren es meine Schwester und mein Vater, die in meinen Augen recht empathielos reagiert haben. Von ihnen kam nicht mal ein Anruf.. Für aussenstehende ist das Geschehene häufig nicht richtig einzuordnen und sie begreifen nicht die Tragweite der Verzweiflung.


zuletzt bearbeitet 07.04.2020 20:07 | nach oben springen

#5

RE: Meine Erfahrung mit Eileiterschwangerschaft

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 07.04.2020 20:06
von Steffi-3009 • 676 Beiträge | 685 Punkte

Liebe Ira,
auch mir tut es leid, dass du diese Erfahrung machen musstest.
Da freut man sich über den positiven schwangerschaftstest und denkt erstmal an nichts böses und dann sowas. Auch dass du alleine im Krankenhaus warst und keine seelische Unterstützung hattest muss schlimm gewesen sein.
Ich hatte letzten Monat eine Ausschabung und musste dafür auch ins Krankenhaus. Auch zu mir waren alle sehr nett, was ja auch hilfreich war. Dennoch war es einfach der Horror. Daher kann ich nachempfinden, wie du dich gefühlt haben musst, auch mit der Ungewissheit.
Ich wünsche dir liebe und einfühlsame Menschen um dich herum, mit denen du über das Geschehene sprechen kannst.
Ich hoffe, dass es euch bald körperlich und auch seelisch besser geht.
Alles liebe und gute 🍀

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#6

RE: Meine Erfahrung mit Eileiterschwangerschaft

in Ich bin einfach sehr traurig und möchte reden 10.04.2020 23:34
von Ira
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Vielen Dank für Deine Unterstützung liebe Steffi, ich hoffe es wird bald wieder bergauf gehen.

Es tut mir auch leid, dass Du die schlimme Erfahrung machen musstest und hoffe, dass Du einen lieben Menschen an Deiner Seite hast.
Alles liebe und Gute für Euch.

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