#1

... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 05:28
von Haribe • 657 Beiträge | 658 Punkte

Nach der Suche nach einem Zufluchtsort und Mitgefühl , Stoß ich auf dieses Forum, was mir zum einen Mut macht nicht alleine zu sein, aber andererseits die Luft zum Atmen nimmt wie viele Frauen dieses unerträgliche Schicksal durchleben mussten.....

Wie auch Ich.
Es war ein Samstag, an dem ich die letzten Erkältungserscheinungen verspürte und plötzlich das Gefühl bekam: Bist du etwa Schwanger? Das kann nicht sein ? Du war so erkältet, was soll sich denn da eingenistet haben? Sechs Tage vor Fälligkeit traute ich meinen Augen nicht : Ist das wirklich ein Strich, bilde ich es mir ein? Nein ! Offensichtlich war ich schwanger. Weinend stürzte ich zu Boden und starrte ewig auf den Test. Ab da begannen die Sorgen geht es gut . Ich habe bereits eine schwere Schwangerschaft hinte mir, die zwar in einer Frühgeburt endete , aber ein gutes Ende nahm.

Die ersten zwei Termine , waren sehr positiv nach einer Wartezeit von ca. Wochen: ich sehe keinen Herzschlag, wir schauen nach dem HCG und warten ab.
Eine schlimme Woche verging....
Ich sehe keinen Herzschlag, dafür 2 Dottersäcke und in einem ein Embryo ....
Wir schauen in ca. einer Woche erneut und nehmen HCG ab.
Mittlerweile war ich bereits in der 9ssw.

Plötzlich überkam mich eine Panik, ich telefonierte andere Frauenärtze ab und suchte nach einer zweiten Meinung.
Weinend mit Herzrasen blickte ich im Wartezimmer Frauen entgegen die ihren Bauch streichelten. Ich hörte mein Herz klopfen .. als mein Name aufgerufen wurde....

Mein Herz wollte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht begreifen, mein Verstand würde innerhalb Sekunden eine Tür zuknallen hören ....
So war es auch: knallhart: das hier wird nichts, zu großer Dottersack, zu kleiner Embryo...
Ich konnte keine Worte mehr finden und sagte weinend ich will nicht zur Ausscharbung...zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, dass ich einen natürlichen Abgang nicht aushalten werde.

Ich ging aus der Praxis. Wie ich fahrend nach Hause gefunden habe ist mir bis heute nicht bewusst.
Am nächsten Tag rief ich meine Ärztin an und erzählte ihr von dem Termin, die war etwas betroffen, dass ich nicht sie sondern einen fremden Arzt kontaktierte...

Ein paar Tage später eine erneute Kontrolle
Kein Herzschlag, Embryo nicht gewachsen...
Diagnose Missed Abort in der 10 ssw.

Empfehlung Ausscharbung.....

Ich entschied mich für eine Ausscharbung, ich konnte keine weiteren Wochen voller Qual ertragen.

Am Montag den 30.11.20 hatte ich den schwarzen Tag. Nüchtern, alleine und hilflos verbrachte ich den Tag mit zwei älteren Damen im Zimmer.

Ich könnte mich nur schwer beruhigen und stand weinend im Zimmer, blickte aus dem Fenster und spürte eine Hand auf meinem Rücken, es ist schwer sagte für Schwester...

Ich bin unfassbar Dankbar für die mitfühlende Betreuung an dem Tag...

Aber ich wusste ich wache mit einem leeren Bauch auf und habe etwas verloren was ich mir mehr zurück bekomme.

Ich liege wach und Frage mich wieso Ich????
Blicke zugleich auf dieses Forum und denke mir: nein es trifft zu viele , die ihr Kind nicht in den Armen halten durften.

Eins habe ich gelernt . Keine Schwangerschaftswoche ist sicher, dass erfuhr ich in der 33 als mein Sohn zur Welt kam und das erfuhr ich in der 10 als die Zwillinge in der 11 Woche aus mit raus gesaugt wurden....

...und es plötzlich ganz still wurde....

Gott schütze euch alle

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#2

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 08:21
von Nelke • 2.210 Beiträge | 2220 Punkte

Hallo haribe,

Es tut mir so leid, dass Du unser Schicksal teilen musst.
Leider vergeht die Trauer niemals, aber es wird besser!
Ich selbst warte im Moment auf meine zweite Fehlgeburt. Ich habe letzten Donnerstag erfahren, dass das kleine Herzchen viel zu früh aufgehört hat zu schlagen. Bei der ersten FG dachte ich, "es" müsste sofort aus mir rausgemacht werden. Ich konnte es nicht ertragen (6. Woche). Dann ging der natürliche Abgang so schnell und es war weg. Jetzt komme ich am Samstag in die zwölfte Woche und bin mit meinen Gefühlen total hin und her gerissen. Gerne würde ich es für immer in meinem Bauch behalten. Da könnte ich doch gut darauf aufpassen. Auf der anderen Seite habe ich so keine Chance auf eine neue Schwangerschaft, die vielleicht mit einem Happy End abschließen würde.
Hier zu schreiben hilft mir sehr. Anfangs dachte ich, das schaffe ich alles nicht. Auch darüber zu schreiben viel mir anfangs nicht leicht. Aber wenn man den ersten Schritt gemacht hat, bekommt man soviel von all den lieben Menschen hier zurück und man weiß, keiner muss alleine sein!

Fühl dich gedrückt und melde dich weiterhin! ❤️

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#3

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 08:55
von Susanne • 4.641 Beiträge | 4659 Punkte

Liebe Haribe, mein Mitgefühl für Deinen Verlust, er ist noch sehr frisch und Du stehst vermutlich noch stark unter diesen ganzen intensiven Eindrücken der letzten Tagen. Ich würde Dir raten Dir zu überlegen wie Du nun einen bewussten Abschied gestalten könntest für Dein Sternchen. Eine Art rituelle Beerdigung als sichtbaren Schritt für das Ende dieser Schwangerschaft. Das könnte ein Brief, ein Bild, etwas getöpfertes, Etwas gepflanztes, ein steigender Luftballon, eine Flaschenpost mit Brief an Dein Sternchen o.ä. sein, je nachdem, was Dir liegt. Wichtig ist, dass Du Deine Trauer auslebst und einen bewussten Abschied erlebst.
Die Seele Deines Kindes wartet nun auf eine weitere Chance des Einzugs in eine gesunde körperliche Hülle. Diese jetzt war noch nicht gut genug, um dort für immer zu bleiben. Daher musste es sich vorerst wieder zurück ziehen.
Wann möchtet Ihr es wieder versuchen? Was würde Euch bzgl. Wartezeit geraten?

Liebe Grüße, Susanne

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#4

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 10:09
von Haribe • 657 Beiträge | 658 Punkte

Vielen lieben Dank für eurer Mitgefühl.

Auch wenn es biologisch als *Zellhaufen* dargestellt Wird, so ist es für mich als betroffene unfassbar schwer damit umzugehen.

Ich bin 34, mein innerlicher Druck ist so groß. Ich möchte in meinem Gedanken, zwei Kinder sehen die sich mit 7 den Schulweg teilen und immer aufeinander aufpassen.

Da ich eine Uterus Bicornis habe, und nun auf Blutgerinnung getestet werden soll, werde ich mich an die Empfehlung halten, ca 2-3 Monate zu warten.

Ich bin sehr wütend auf meinen Körper, dass er es nicht geschafft hat und zugleich bin ich verärgert über meine Einstellung, dass andere Glücklich schwanger sind.

Es Klappte bereits im ersten richtigen Übungszyklus. Dann hätte es lieber ein paar Monate dauern sollen, ehe so früh zu gehen.

Vergleiche zu ziehen, sei froh dass es jetzt und nicht später passiert ist t, fühle ich als sehr unemphatisch. Oder, haribe das passiert so vielen. Ja natürlich. Aber wer es nicht erlebt hat, fühlt nicht den erdrückenden Schmerz.

Ich sehe nur noch schwangere im Freundeskreis und weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Ich Teile zwei Gefühle: Freude um ihr Glück und Trauer um meinen Verlust.

Ich habe eine Erinnerungskiste die werde ich aufheben und meinen Sternen einen Abschiedsbrief schreiben.

Jedes weitere Kind wird kein Ersatz , sondern hat seinen eigenen Platz.

Aber der Verlust hat seinen ganz eigenen Platz in der Familie . Daher ist die *Wartezeit* eine Gelegenheit sich davon zu lösen um es nicht auf die kommende Schwangerschaft zu übertragen.

Ich hoffe eines Tages können wir alle mit einem Lächeln zurück blicken und sagen: Dort wo sie Leben, geht es ihnen gut!

zuletzt bearbeitet 03.12.2020 10:13 | nach oben springen

#5

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 10:20
von Elisa • 17 Beiträge | 17 Punkte

Liebe Haribe,

die Frage nachdem "warum ich" bzw. "warum passiert uns das", stellte mein Partner auch, als uns dieses Schicksal ereilte. Ich habe ihm entgegnet, dass das auch andere nicht verdient haben und wir das nun aushalten müssen.

Das sagte ich nicht so abgeklärt, weil es mir egal war. Ganz im Gegenteil, es war und ist noch immer so bedeutsam und so unendlich schwer, das auszuhalten.

"Verdient" hat das niemand. Und mit dieser unendlichen Trauer umzugehen, ist eine enorme Belastung und Herausforderung. Du hast den Weg hierher gefunden und wirst hier sicher immer einen Platz zum Austausch haben.

Du wirst das aushalten können, diese ohnmächtige Trauer lässt irgendwann nach. Halte durch!

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#6

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 10:26
von Elisa • 17 Beiträge | 17 Punkte

Zitat von Haribe im Beitrag #4
Vergleiche zu ziehen, sei froh dass es jetzt und nicht später passiert ist t, fühle ich als sehr unemphatisch. Oder, haribe das passiert so vielen. Ja natürlich. Aber wer es nicht erlebt hat, fühlt nicht den erdrückenden Schmerz.



Oh ja! Ich habe viel mit meinen Schwestern darüber diskutiert, was andere zu solchen Aussagen treibt. Ich kann mir das nur damit erklären, dass ihnen selbst das Schicksal erspart geblieben ist. Ja, ich selbst habe versucht mich zu trösten mit "lieber jetzt in der Frühschwangerschaft, als später", oder "lieber der Natur die Entscheidung überlassen, als das am Ende das Kind kein gesundes Leben hat". Aber anderen steht diese Beurteilung definitiv nicht zu. Und auch Sätze wie "das passiert so vielen", sind widerlich. Denn für mich war die Botschaft zwischen den Zeilen:
"Nun lass mal den Kopf nicht hängen, andere überstehen das auch"

Ich sagte mal, wenn jemand Krebs hat, sagt man dem doch auch nicht "das passiert so vielen"!

Auch wenn das Tatsache ist, relativiert es das eigene Schicksal und den damit verbundenen Schmerz nicht im Geringsten!

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#7

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 10:54
von Haribe • 657 Beiträge | 658 Punkte

Hallo Elisa,

Danke für deine Antwort.

Als ich noch keine Mama war, und als Sozialarbeiterin in der Familenhilfe gearbeitet habe, konnte man schön theoretisch beraten.

Als ich Mama wurde verstand ich nun die Ängste jeder Mutter.

Als ich meine Fehlgeburt erlitt, wurde mir bewusst, du warst auch nicht gewahrt wie du immer dachtest: Mir passiert das nicht!!!

Das Leben spielt seine eigenen Regeln. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze.

Es kommt was bleiben soll und bestimmt ist.

Nur die Last ist unfassbar schwer, und verdient Zeit... denn nur dann können wir darauf zurück blicken und mit unseren Sternen Lächeln

Ich danke euch allen. Manchmal verstehen einen eben Fremde.
Vielen Dank euch .

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#8

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 03.12.2020 11:18
von Elisa • 17 Beiträge | 17 Punkte

Hallo Haribe,

genauso, wie du es beschreibst, ist es wohl. Man versteht manches eben erst mit dem eigenen Erleben.

Und gerade Trauerprozesse kann man kaum nachempfinden, wenn man sie selbst noch nicht erlebt hat. Mitgefühl haben...ja, das geht immer. Aber etwas wirklich nachempfinden, das ist nur möglich, wenn man das selbe Schicksal teilt.

Ja, die Last ist so unendlich schwer. Ich war in so tiefer Trauer. Einzig geholfen hat mir, dass ich den unbedingten Willen hatte, dass mich das nicht zerstört. Ich wollte, dass ich da durch komme und mit dieser Erfahrung zu leben lerne. Denn die Traurigkeit kann dir niemand abnehmen. Die muss man einfach aushalten, auch wenn es einen zu lähmen scheint.

Ich hasste die Vorstellung, dass die Welt sich einfach weiterdreht und man selbst das Gefühl hat an diesem Leben nur noch als Zuschauer teilzunehmen. Und trotzdem blieb mir ja nichts anderes übrig, als das geschehen zu lassen.

Was auch immer du zu sagen hast, formuliere es!

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#9

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 04.12.2020 21:59
von Haribe • 657 Beiträge | 658 Punkte

Nachkontrolle beim Frauenarzt:

Nach dem ich in der Nacht unerträgliche einseitige Unterleibschmerzen bekam mit plötzlich stärkeren Blutungen, bin ich ohne anzurufen in die Praxis, musste an der Anmeldung mehrmals tief einatmen , ehe endlich ein Ton heraus kam

Ich brach emotional zusammen , als im Ultraschall nichts mehr zu sehen war, kein Embryo keine Fruchthöhle....

Als wäre nie etwas gewesen...
Ich fühle mich wie gelähmt und gleichzeitig innerlich getrieben.

Die ganzen Schwangeren, sagten voller Harmonie Tschüss. Ich war verletzt und fühlte mich nicht dazugehörig. Wie eine Außenseiterin, dessen Körper einen Fehler nicht beheben konnte.

Ich habe Angst vor der Nacht, Angst vor dem wach liegen und der schrecklichen Träume.

Wann hört es auf weh zu tun, wann muss ich keine Tränen mehr vergießen und kann nach vorne blicken....

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#10

RE: ... und plötzlich wurde es ganz still...

in Eure Geschichte 04.12.2020 22:37
von Nelke • 2.210 Beiträge | 2220 Punkte

Liebe Haribe,

Es wird besser werden, irgendwann....mir wurde hier von sehr netten Menschen gesagt, dass jede einzelne Träne geweint werden muss. Das stimmt. Meine zweite Fehlgeburt steht mir bevor. Ich würde am liebsten niemals das Ultraschallbild ohne unser kleines minimenschlein sehen wollen...aber ich weiß auch, wenn es jetzt nicht endet, gibt es keine neue Chance. Du hast deine Sternchen und die wird dir niemand nehmen können! Sie werden auf dich aufpassen. Ich Stelle mir vor, dass meine Oma auf meine zwei kleinen aufpassen wird. Ich hatte die beste Oma der Welt. Dort haben sie es gut.
Vielleicht kannst du dir ein Leben für deine Sternchen an einem anderen Ort vorstellen...
Ich weine mit dir, du bist nicht alleine ❤️

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