#1

Streitet ihr euch auch?

in Wie gehen Eure Partner*innen mit dem Thema um? 03.03.2023 12:38
von Leonie282 • 3 Beiträge | 3 Punkte

Als ob die momentane Situation noch nicht schwer genug wäre, geraten mein Partner und ich immer an einander. Ich bin oft noch traurig und vieles erinnert mich an unseren kürzlich erlittenen Verlust. Dazu kommt noch dass die Fehlgeburt jetzt gerademal eine Woche her ist.

Zu Anfang hat er mich sehr getröstet, doch kaum selbst ein Gefühl von Trauer gezeigt. Er sagt mir immer beim nächsten Mal klappt es und das passiert so vielen und ich soll nach vorne schauen. Selbst ist er schon wieder ganz fröhlich und sagt es müsste ja einer von uns für Besserung sorgen.

Mich macht das einfach nur so wütend. Ich Frage mich wie er so positiv denken kann und wieso er nicht so traurig ist wie ich. Zudem möchte ich momentan gar nicht an einen neuen Versuch denken. Das ist mit sehr viel Angst verbunden.

Wenn wir über meine Gefühle sprechen kommt es schnell zum Streit.

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#2

RE: Streitet ihr euch auch?

in Wie gehen Eure Partner*innen mit dem Thema um? 03.03.2023 14:31
von Dany • 587 Beiträge | 587 Punkte

Leonie, Männer sind einfach anders. Ich verstehe dich und verstehe, dass du dir von deinem Partner eine andere Reaktion und Unterstützung wünschst.
Erstmal ist eine Schwangerschaft und Fehlgeburt für einen Mann nicht so intensiv. Sie haben nicht mit den Hormonen zu tun, das Ultraschall-Bild bleibt ein Bild. Ich glaube schon auch, dass dein Partner trauert, nur eben anders. Und er möchte stark für dich sein und positiv. Dich aufmuntern. Wahrscheinlich merkt er auch, dass er eigentlich hilflos ist. Er möchte dich ganz bestimmt nicht leiden sehen, im Gegenteil.
Ich kenne das von meinen Partner auch. Wir streiten zwar nicht, aber Gefühle zeigen oder gar darüber reden - schwierig bis unmöglich für ihn. Aber ich kenne ihn und weiß, dass ihn die Info mit der erneuten FG belastet, aber er stark für mich sein will. Und ich weiß auch, dass er deutlich schneller als ich wieder zur normalen Tagesordnung übergeben wird.
Hab einfach Geduld!

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#3

RE: Streitet ihr euch auch?

in Wie gehen Eure Partner*innen mit dem Thema um? 03.03.2023 15:03
von Susanne • 4.675 Beiträge | 4693 Punkte

Meiner Erfahrung nach ist die Vorstellung für Männer, gerade wenn es das erste Kind, dass im Bauch ein Kind heran wächst, abstrakt und auch nicht recht begreifbar. Erst wenn das Kind dann da ist, realisieren sie es richtig. Sie sehen das Geschehene dadurch deutlich rationaler und mit viel mehr emotionalem Abstand. Bei einer Frau passiert körperlich schon viel mehr, gerade auch im Gehirn. Es kommt durch eine Schwangerschaft im Gehirn zu Veränderungen, die dazu führen, dass wir auf "Mutter sein" mit all seinen Ausprägungen programmiert werden.
Diese Veränderung, die Transformation des Gehirns, ist nicht reversibel. Ab dem Zeitpunkt denken und fühlen wir als Mutter.
Die körperlichen und damit auch emotionalen Veränderungen hat nur die Frau.
All das fehlt dem Mann, daher ist die Bindung auch lange nicht so gegeben.


zuletzt bearbeitet 03.03.2023 15:09 | nach oben springen

#4

RE: Streitet ihr euch auch?

in Wie gehen Eure Partner*innen mit dem Thema um? 05.03.2023 07:32
von Nelke • 2.230 Beiträge | 2240 Punkte

Hallo Leonie,
diese Phase des streitens macht wohl nahezu jedes paar durch. So hilflos, wie du dich in der Trauer und mit der angat fühlst, so hilflos sieht dein Mann dich leiden. Er versucht über den Verlust hinweg zu sehen, damit er dir eine Stütze sein kann. Oftmals kommt der emotionale Verlust bei Männern erst an, wenn die Frau wieder stabil und zuversichtlich ist.
Was ich dir damit sagen möchte, deine Gefühle und Reaktionen sind genauso normal wie die deines Mannes.
Mir hat dieses Buch sehr geholfen:

Früher Kindsverlust und Folgeschwangerschaft : Ines Fuchs

Auch wird darin die Sichtweise aus dem Umfeld und die gut gemeinten Ratschläge betrachtet. Vielleicht ist es etwas für dich.
Durch dieses Buch konnte ich diese riesige Wut in mir ablegen weil ich verstand, dass alle nur eins wollten, dass die Zukunft besser wird.
Liebe Grüße, 🌺

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#5

RE: Streitet ihr euch auch?

in Wie gehen Eure Partner*innen mit dem Thema um? 04.01.2024 17:39
von ConnyPonny (gelöscht)
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Liebe Leonie, ich kann dich gut verstehen. Habe gestern erfahren, dass ich die 2. Fehlgeburt erwarte (bin 40 Jahre alt) und bin einfach nur wütend und traurig – und habe noch alle möglichen Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit zynischerweise. Mein Mann hingegen hat heute den ganzen Tag im Homeoffice gearbeitet, als wäre nichts. Wir sind eben so richtig aneinandergeraten und haben uns angeschrien, weil ich das einfach empathielos fand und mich einsam und alleine fühle. Heute morgen hat er mich dazu gedrängt, in meinen CoWorking-Space zu gehen, wie jeden Tag. Er hat dann während des Streits ganz heftig angefangen, zu weinen, und meinte, er braucht ein Stück Normalität, sonst macht die Situation ihn zu fertig. Er ist mir leider keine gute Stütze, kann aber auch nicht anders. Er kann auch nicht verstehen, wie es sich anfühlt, schwanger zu sein und die Fehlgeburt aber in den nächsten Tagen oder Wochen zu erwarten. Schon vor dieser zweiten Schwangerschaft habe ich beschlossen, mir eine Psychotherapie zu "gönnen", um die Kinderlosigkeit ohne ihn zu verarbeiten. Weil es auch mit Freunden und Familie superschwierig ist bei diesem speziellen Thema. Was mich heute auch so wütend macht, ist, dass ich mich um unsere sozialen Beziehungen kümmere und nun auch eine gewisse Zeit wieder den Kontakt mit Schwangeren und Müttern meiden muss, weil es mich zu sehr runterzieht. Für ihn geht erstmal alles so weiter wie bisher. Mich macht das so wütend, dass er nicht checkt, dass es nun für mich doppelt schwierig ist: 2. Fehlgeburt plus soziale Isolation/Einsamkeit.
Wir waren auch mal zusammen bei einer Beratungsstelle bei donum vitae in Bochum (systemische Beratung) für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Das hat gezeigt, dass wir unterschiedlich mit Trauer umgehen und man sich gegenseitig in dieser Situation eben nicht so toll unterstützen kann, wie man das will. Es gehen beide auf dem Zahnfleisch, sodass keiner mehr Kraft hat, den anderen zu stützen. Manchmal ist es besser, man erwartet nicht zu viel vom anderen. Streit ist wohl bei den allermeisten Paaren unvermeidlich. Aber viele Paare kommen auch mit Streit einigermaßen durch diese schwere Zeit und am Ende – ob mit oder ohne Kind – gehen sie gestärkt da heraus. Das wünsche ich mir für euch.


zuletzt bearbeitet 04.01.2024 17:43 | nach oben springen


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