#1

Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 02.02.2021 18:17
von LenaLa • 43 Beiträge | 43 Punkte

Puh... Wie soll ich das beginnen.
Eigentlich geht es mir gut.
Eigentlich kann ich immer offen über mein kleines Regenbogenkind reden.
Eigentlich dachte ich, dass ich gut mit meiner Fehlgeburt umgehen kann.
Eigentlich...

Hallo,
Ich bin Lena. 25 und angehende Lehrerin.
Mein Mann und ich sind jetzt seit 10 Jahren zusammen, seit 3,5 Jahren verheiratet.
Bisher verlief mein Leben so, wie ich es geplant hab.

-gutes Abi ✔️
-Studium an der Wunsch Uni ✔️
-einen Platz im Vorbereitungsdienst sofort ergattern ✔️
-Wunschschule ✔️
-Im September schwanger werden (beim 1. Versuch) ✔️
-eine glückliche Schwangere sein ❌

Anfang 2020 besprachen wir, wie es weiter gehen sollte. Ich hab gesagt: "Meinen 25. Will ich noch mal richtig und ohne Kind feiern - danach ist mir alles egal".
Da ich seit Jahren nach meinem Geburtstag kein Alkohol trinke und das bis Weihnachten, wäre also eine Schwangerschaft nicht so aufgefallen...

Nach meinem Geburtstag gab es keinen Alkohol mehr, keine Salami - dafür aber eine Schwangerschaftsapp, die mir berechnete, wann der Eisprung fällig war.

In der letzten Septemberwoche hätte ich meine Periode bekommen müssen. Nach 2 Tagen Verspätung - am 1.10.2020 machte ich einen Test und tadaaaa ich war schwanger...

Wir konnten es nicht glauben, dass es gleich funktioniert hatte! 😳

Mein Mann und ich fingen an das Kinderzimmer zu renovieren. Viel Liebe steckt in diesem Raum.
Meine Zwillingsschwester würde eingeweiht.

Doch von Anfang an war der Wurm drin.
Meine erste Untersuchung sollte am 9.11. stattfinden, was ich schon ziemlich spät fand.
Eine Woche vorher wollte ich anrufen und fragen, ob mein Mann mit darf (corona erlaubt ja nicht alles). Doch dann der Schock: es ging nur der Anrufbeantworter dran, der mitteilte, dass die Praxis geschlossen ist und geschlossen bleibt.
Plötzlich stand ich ohne Frauenärztin da!

Den ganzen Donnerstag habe ich geheult und war verzweifelt. Meine Verzweiflung wuchs mit jeder Absage: "Tut uns leid aber wir nehmen keine Patientinnen mehr auf!"

6 unterschiedliche Ärzte rief ich an, bis ich endlich eine neue Frauenärztin hatte.
Die hatte aber auch erst am 18.11. Einen Termin frei. Wohlbemerkt: ich wäre da knapp in der 12. Woche gewesen.

Am 8.11. hatte ich einen rosa schimmer im Urin. Ich wollte mich nicht verrückt machen - hätte ja auch ne Blasen- oder Nierenbecken Entzündung sein können.

Am 9.11. fuhr ich nach der Arbeit zum Arzt. Mein Gedanke: da sehe ich dich doch schon früher😍

Doch auf dem Stuhl der fremden Ärztin wurde mir schnell klar, dass was nicht stimmte.
Sie redete nicht mit mir, schaute angestrengt, fragte noch mal, ob meine Periode immer regelmäßig kam.
Ich schaue auf den Monitor und sah das erste mal mein Baby - knapp 10 Wochen alt.
Und dann sagte sie: "Da stimmt was nicht, das ist nicht normal!"
Schollklappen gingen runter, ich schaute aus dem Fenster.
"Es ist zu klein und ich sehe kein Herzschlag!"
"Es tut mir Leid, Sie bekommen einen Termin in der Klinik."
Mir wurde nicht erklärt, was los ist.
Trostversuch: "Naja vielleicht sollte es nicht so sein und sie sollten erst mal ihre Ausbildung beenden."
Danke,das will man hören!

Ich konnte nur noch weinen. Rief meinen Mann an und sagte nur: "Es ist Tod!"

Am nächsten Tag wollten wir es ursprünglich meinen Eltern sagen,dass sie Großeltern werden. Anstatt dessen musste ich ihnen sagen, dass ihr erstes Enkelkind Tod ist.

Am 10.11. Bekam ich frühs schon Blutungen. Die steigerten sich bis 18 Uhr so sehr, dass mein Mann mich ins Krankenhaus einweisen ließ.
Im Krankenhaus wurde ich untersucht, mein Kind war nicht mehr zu finden.

Ich habe keine Erinnerungen an mein Kind:
Keinen Mutterpass, kein Ultraschallbild - nichts.

Danach habe ich nicht mehr so oft geweint. Es ging mir besser, da es von allein gegangen ist.

Ich konnte schnell drüber sprechen.
Im Dorf machte es natürlich sofort die Runde, die Mäuler wurden sich zerrissen.
War mir egal.

Das einzige:
-Schlafprobleme und das seit November
-Ich kann das Kinderzimmer nicht betreten.

Aber aktuell überschlagen sich die Schwangerschafts- und Geburtstagnachrichten von Freunden und Bekannten aber auch von "Prominenten", denen ich es einfach teilweise nicht gönnen kann.

Heute kam wieder ne Schwangere dazu im Bekanntenkreis und diesmal bin ich zusammen gebrochen.

Meine Schwester macht sich Sorgen.
"Such dir Hilfe!"

Nun bin ich hier und hoffe, dass ich in euch und in dem Forum eine Hilfe finde. 🌈

zuletzt bearbeitet 02.02.2021 18:18 | nach oben springen

#2

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 02.02.2021 19:13
von LizC • 122 Beiträge | 125 Punkte

Liebe Lena,

deine Geschichte ist wahnsinnig traurig. Ich kann deine „Liste“ sehr gut nachvollziehen. Bei mir war auch ganz viel sehr glatt gegangen. (Ich bin z.B. auch Lehrerin) Ich sehe da viele Parallelen bei uns beiden. Eigentlich ist deine Liste auch meine. Und dann kommt diese eine, die wichtigste Sache, die man nicht planen kann und die reißt einen erstmal den Boden unter den Füßen weg.
Dass du dir unter diesem immensen Druck eine neue Frauenärztin suchen musstest ist schrecklich. Das Vertrauensverhältnis zum Arzt ist super-wichtig.
Dass du kein Andenken an dein Kind hast ist schlimm. Meinem Mann und mir hat es geholfen eine kleine Gedenk-Schachtel für unser Kleines zu machen. Jeder von uns hat einen Brief an unser Tweety geschrieben. Ein paar andere Dinge, die wir mit unserem Kind verbinden kamen auch noch rein (z.B. eine kleine Kerze). Ultraschallbilder usw. hatten wir auch nicht. Vielleicht würde dir so etwas auch helfen.

Ich schicke dir Kraft und eine große Umarmung,

Liz

zuletzt bearbeitet 02.02.2021 19:13 | nach oben springen

#3

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 02.02.2021 19:46
von Susanne • 2.916 Beiträge | 2930 Punkte

Liebe Lena, Herzlich willkommen und mein Mitgefühl für deinen Verlust. Ich habe den Eindruck, dass du zu schnell zum business-as-usual zurückgegangen bist und dabei vergessen hast deine Trauer zu durchleben und Abschied zu nehmen. Es bringt nichts zu verdrängen. Das geht vielleicht eine Zeitlang gut, aber irgendwann bricht es sich seinen Weg und kommt an die Oberfläche. Ich denke, dass es gut wäre nun einen Abschied zu begehen. Wie der aussieht, ist ganz individuell, hier sind ein paar Anregungen. https://www.fehlgeburt.info/ideen-zur-trauerbewaeltigung/, Und auch fehlende erinnerungen kannst du dir selber schaffen, wenn du das möchtest. Sei es ein Schmuckstück ein Brief, den Test vielleicht noch, wenn du den hast, ein Gedicht, ein Bild etz.
Auch sind wir natürlich hier um über deine Gefühle zu sprechen , denn auch das ist wirklich hilfreich, wenn du das möchtest. LG Susanne


zuletzt bearbeitet 02.02.2021 19:47 | nach oben springen

#4

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 02.02.2021 20:34
von eligr710 • 619 Beiträge | 623 Punkte

Liebe Lena,

ich finde es gut und richtig, dass du hier Hilfe suchst. Ich finde der Austausch hier hilft wirklich sehr!

Ich kann deine Gefühle und Schmerzen gut nachvollziehen. Bei mir lief alles nach Plan im Leben und ich wusste im Voraus was ich machen will und es hat alles geklappt: Studium, Beruf, der Mann hat noch gefehlt. aber dann habe ich ihn gefunden und alles super schnell - zusammenziehen, heiraten, die letzte gewünschte Beförderung kriegen. Wir haben gesagt Pille absetzten, 2 Monate verhüten, dann ist 2020 und es wird laufen. Es hat auch direkt geklappt und in der 13. Woche war mein Baby tot. Ich wollte es an dem Tag meiner Familie erzählen. Ich war zwei Tage später bei Ausschabung, niedergeschmettert, voll überzeugt, dass ich mein baby umgebracht habe. ich habe es nicht ertragen eine schwangere Frau zu sehen, die älteste Freundin hat mir mitgeteilt, dass sie schwanger ist und sie wollte nie so richtig Kinder... Ich habe den Kontakt abgebrochen. Mein Chef hat mir sogar gesagt wann die schwangere Kollegin nochmal reinkommt, so dass ich an dem Tag Home Office machen kann...

Wir werden es nicht wissen warum wir so einen Schicksal haben...vielleicht auch um zu lernen, dass wir geduldig sein müssen und dass nicht alles im Leben so gut und einfach laufen kann. Ich habe Monate gebraucht, um mich besser zu fühlen. Ich habe auch nicht wirklich jemanden zum Austausch gehabt. Mein Mann konnte es nicht mehr ertragen darüber zu sprechen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, dass dieses Forum gibt.

Ich kann dir aber eins versprechen - es wird irgendwann einfacher und irgendwann fühlt man sich wieder gut. Dazu gehört es die Fehlgeburt zu akzeptieren und einzusehen, dass man überhaupt nichts falsches gemacht hat und dass man loslassen darf. Du bist eine junge tolle Frau und du hast alle Möglichkeiten noch dein Familienglück zu erleben. Du kannst auch was besonderes als Erinnerung überlegen - eine besondere Blume pflanzen, ein Bäumchen oder einen Brief schreiben oder eine spezielle Kerze anzünden. Und dass du das Zimmer nicht betreten kannst - verstehe ich. Ich hatte einen kleinen Schnuller, mein Babybuch mit US Bildern...ich habe es alles bis jetzt 10 Monate später nicht anschauen können...lass dir einfach Zeit.

Fühl dich gedrückt! 💛
Liebe Grüße
Eli

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#5

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 02.02.2021 21:04
von GoldeneHimbeere • 227 Beiträge | 230 Punkte

Liebe Lena,
Eins haben wir ganz bestimmt gemeinsam: Ich heiße auch Lena. Mein tiefes Mitgefühl für deinen Verlust, es tut mit sehr Leid.
Ich fühle mich ähnlich. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, wenn man hört eine nähere Bekannte ist schwanger. In meinem Umfeld kommt dieses Jahr eine ganze Schulklasse zur Welt und ich wäre eigentlich dabei gewesen.wie gesagt, eigentlich. Bis zu meiner Fehlgeburt vor Weihnachten. Ich habe lange und intensiv damit zu kämpfen gehabt. Jetzt immer noch, gerade wenn wieder jemand eine Schwangerschaft verkündet. Warum kann man selbst dieses Wunder nicht erleben...?Aber alles in allem wird es mit jeder Woche besser..
Ich denke auch, dass es eben einfach so ist und man es anerkennen muss, sonst zerbricht man erst recht daran. Es muss einfach weiter gehen, aber der Abschied muss gegeben sein, um zu einem Großteil damit abschließen zu können.
Und der Rest sind positive Gedanken an deinen kleinen Krümel.
Viel Kraft wünsche ich dir!
Lena

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#6

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 03.02.2021 08:45
von Steffi-3009 • 514 Beiträge | 522 Punkte

Liebe Lena,
dein Verlust tut auch mir sehr leid.
Ich bin vor einem Monat 27 geworden und dachte auch: so - fester job, mit meinem mann verheiratet und seit bald 8 jahren zusammen, alles läuft prima und wir können es jetzt versuchen. Anstatt jetzt glückliche Mutter oder schwangere zu sein hatte ich im letzten jahr 3 fehlgeburten. Es ist einfach nur schlimm und ich hätte nie gedacht, dass mich sowas mal trifft.
Daher kann ich dich wie alle anderen hier sehr gut verstehen: andere schwangere zu sehen tut einfach furchtbar weh und man hat einfach keine lösung, damit es einem "egal" ist. Und ja, manchen kann man es einfach nicht gönnen. Egal wo man hin guckt, es gibt eine nach der anderen die glücklich ihre Schwangerschaft verkündet.
Es wird irgendwann besser werden. Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit ❤

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#7

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 03.02.2021 13:50
von LenaLa • 43 Beiträge | 43 Punkte

Vielen Dank für eure lieben Worte!
Es ist eben auch etwas, was man nicht beeinflussen kann oder für was man - sage ich mal - selbst Schuld ist.
Alles, was ich bisher im Leben geleistet / geschafft habe, habe ich mir hart erarbeitet. Für meinen mittelprächtigen Master war ich selbst verantwortlich - zu wenig gelernt, Masterarbeit auf die leichte Schulter genommen,...
Aber diese Sache, die ich einfach nicht beeinflussen konnte und nicht weiß, warum es passiert ist, zerfrisst mich an den ein oder anderen Tagen!
Und ich war einfach auch so unsicher. Erst recht, weil ich keine Beratung vom meiner Ärztin hatte. Und der habe ich blind vertraut - sie hat mich auf die Welt geholt! Und dann ist sie nicht mehr da und niemand will einen... 😒

Über einen Brief oder andere "Verabschiedungsrituale" habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Aber bisher fehlte mir die Kraft oder vielleicht auch der Mut...
Auszusprechen, dass ich ne Fehlgeburt hatte ist nicht so endgültig, wie einen Abschiedsbrief zu schreiben - zumindest für mich... 🙈

Danke für eure Worte!
Lena🌈

zuletzt bearbeitet 03.02.2021 13:51 | nach oben springen

#8

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 03.02.2021 14:54
von eligr710 • 619 Beiträge | 623 Punkte

Genauso hat es mich auch zerfressen...monatelang. Ich habe nicht verstanden wie es mir passieren konnte und was ich anders hätte machen können...und was wenn ich einen Monat früher oder später schwanger geworden wäre...dann wäre bestimmt alles gut gelaufen. Man muss da einfach loslassen, es bringt nichts!

Es ist sehr schwer einzusehen und zu verstehen, dass man das Thema ein Kind kriegen kaum beeinflussen oder planen kann. Man kann da auch wirklich nicht viel falsch machen, eine gesunde Schwangerschaft wird sehr viel überstehen. Klar, wenn man eine Erkrankung hat, muss man Dinge tun, um die Schwangerschaft zu erhalten. Aber sonst hat man manchmal einfach Pech...Seitdem ich das eingesehen habe, geht es mir auch viel besser.

Wenn du noch keine gute FA hast, suche dir einfach eine neue und spreche deine Erfahrung und deine Bedenken an. Außerdem wenn man hier unterwegs ist, lernt man unfassbar viel über das Thema und man kann immer um eine Meinung oder einen Rat fragen. Es ist aber so, dass die Natur einfach entdeckt, dass das Baby leider nicht leben wird und trifft dann eine eigene Entscheidung und da kann man nichts machen...

Ich hoffe, dass es dir bald besser gehen wird und dass du langsam loslassen kannst...☀️

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#9

RE: Um mich herum nur Schwangere

in Eure Geschichte 03.02.2021 16:15
von Nelke • 485 Beiträge | 489 Punkte

Liebe Lena,

Es tut mir so leid, dass auch du dein Baby verloren hast. Leider passiert es immer wieder, dass Frauen nicht die Unterstützung von dem behandelnden Arzt erhalten, die doch so sehr gebraucht wird....
Ich finde mich sehr gut in deinen Worten. Was soll ich dazu sagen?!? Ich heiße Lena, habe auch eine Zwillingsschwester und leider bereits zwei Sternchen. Auch meine Zwillingsschwester macht sich große Sorgen um mich. Als ich ihr gestern von meinem bevorstehenden Eisprung freudig erzählt habe, meinte sie "endlich kannst du dich wieder ein wenig freuen"....unsere Zwillingsschwestern fühlen mehr mit, als wir denken.
Die zweite Fehlgeburt hatte ich Anfang Dezember20. Langsam kann ich es akzeptieren. Wie du schreibst, es ist schwierig zu akzeptieren, dass man selbst keinen Einfluss hat. Man kann sich noch so sehr anstrengen und um ein Ziel kämpfen. Kinder werden einem nun einmal geschenkt.... Gerne würde auch ich mir einfach noch etwas mehr Mühe geben...
Von meinem minimenschlein habe auch ich mich noch nicht endgültig verabschiedet. Ob ich es je übers Herz bringe? Ich weiß es nicht. Aber momentan ist es gut, so wie es ist.
Suche dir eine neue Ärztin, mach einfach Termine aus. Besprich alles so, wie Eli es schon vorgeschlagen hat. Vll gibt es eine Gemeinschaftspraxis? Wenn ein Arzt ausfällt, gibt es leichter Ersatz. Wenn dir der erste Arzt doch nicht so zusagt, dann suchst du einfach weiter. Dieses Recht haben wir in Deutschland 😊
Du kannst hier alles schreiben, wirklich alles. Es tut so gut zu wissen, dass niemand alleine sein muss!
Ich wünsche dir viel Kraft und ganz viel Glück 🍀🌺

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#10

Das erste mal wieder Hoffnung spüren und das ohne Schwangerschaft

in Eure Geschichte 17.02.2021 09:30
von LenaLa • 43 Beiträge | 43 Punkte

Danke für eure lieben Worte!

Und wieder 2 Schwangerschaftsmeldungen - wenn es reicht...
Und 2 Geburten...

Aber es geht mir heute damit gut.
Ich kann sogar langsam wieder besser schlafen.
Ich glaube das liegt an dem Austausch hier. Ich habe mich in den letzten Wochen durch die zahlreichen Posts reflektieren können. Auch wenn mir die Überlegung, dass ich aktuell schon über die Hälfte geschafft hätte, immer wieder einen kleinen Stich ins Herz versetzt... Glaube ich zu begreifen, dass ich einfach noch nicht so weit war.

Ich wollte unbedingt ein Kind - perfekt nach Planung, zum passenden Zeitpunkt. Meine Kindergarten Freundin und ich hatten es uns schließlich so ausgemalt:
Sie schwanger, ich schwanger - unsere Kinder wachsen so auf wie wir. Immer zusammen. Mal schläft es bei der einen, mal bei der anderen Familie. Sie gehen zusammen in die Schule, wachsen gemeinsam auf. Eine ewige Freundschaft - so, wie wir es auch erleben durften und immer noch dürfen.
Die perfekte Vorstellung.
Meine Freundin wurde schwanger, ich wurde schwanger.
Sie ist noch schwanger und bald kommt ihr Baby.
Ich bin es nicht mehr...

Während mich dieser Gedanke so sehr umgetrieben hat in den ersten 3 Monaten nach der Fehlgeburt, tut er das jetzt nicht mehr.

Es war ihr Zeitpunkt schwanger zu werden - nicht meiner.
Das habe ich akzeptiert.

Ich glaube an Gott, habe ihn in den letzten Monaten aber immer wieder hinterfragt. Als Religionslehrerin hat es mich erschüttert, dass er ausgerechnet mir das antut.
Nun musste ich meine erste Vorbereitung zu Abraham und Sara für meine 2. Klasse machen und mich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. Sie mussten lang warten, bis Gott sein Versprechen erfüllte und ihnen einen Nachkommen schenkte. Diese Geschichte hat mir in den letzten Wochen geholfen und mir neuen Mut geschenkt.
Ich weiß jetzt, dass mein Zeitpunkt kommen wird. Auch wenn ich immer wieder in die Situation komme, dass ich zweifle.
ER hat einen Plan für mich.
Ich werde glücklich sein und ich werde ein Kind / Kinder bekommen.
Ich muss nur darauf vertrauen, dass auch meine Geschichte ein happy end hat.

Morgen sind mein Mann und ich 10 Jahre zusammen.
Ich habe mir angewöhnt mir immer eine Sache herauszunehmen in der Woche, auf die ich mich besonders freue und über die ich besonders dankbar bin.
Natürlich wäre es schön gewesen, dieses Tag als Schwangere zu feiern. Aber ich weiß, dass wir das gemeinsam meistern werden. Haben wir doch schon so vielen geschafft.

Heute bin ich hoffnungsvoll, dank euch allen hier und ja - und das hätte ich mit 18, zu Beginn meines Studiums nicht gedacht - dank Gott.

Fühlt euch umarmt
Lena 🌈

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#11

RE: Das erste mal wieder Hoffnung spüren und das ohne Schwangerschaft

in Eure Geschichte 17.02.2021 13:40
von Wassermonster • 187 Beiträge | 191 Punkte

Danke für Deine lange Nachricht, Lena.
Sie geht ans Herz, hat mir Tränen in die Augen getrieben, mich aber vor allem am Ende froh gemacht.
Ich bin schwer beeindruckt, wie du dich mit deiner Situation auseinandergesetzt hast und nun positiv in die Zukunft schauen kannst. Natürlich wird das nicht an jedem Tag gelingen. Aber wir dürfen auch alle nicht zu streng mit uns selber sein. Wir müssen nicht immer stark sein.
Ich wurde katholisch erzogen. Und auch wenn ich nur noch sehr selten in die Kirche gehe, fühle ich mich dem Glauben verbunden und werde ich versuchen, meine Situation anzunehmen. So wie du es getan hast.
Liebe Grüße
Anne Lea

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#12

RE: Das erste mal wieder Hoffnung spüren und das ohne Schwangerschaft

in Eure Geschichte 17.02.2021 15:34
von LenaLa • 43 Beiträge | 43 Punkte

Liebe Anna Lena,
Glaube hat nichts damit zutun, wie oft man in die Kirche geht. Glauben kommt von innen. Ich gehe auch so gut wie nie in die Kirche. Der Gang zu diesem Ort allein ist nicht der Ausdruck meines Glaubens, es ist lediglich ein Ort, an dem ich oh praktizieren kann... Da unsere Gottesdienste dorftypisch altbacken und verstaubt sind, lebe ich meinen Glauben für mich allein aus.

Ich weiß, dass es auch wieder Tage geben wird, in denen es mir schlecht gehen wird. In denen ich traurig und verzweifelt sein werde. Aber ich habe dann dieses Forum hier!
Ich bin echt dankbar, dass ich auf euch wunderbaren Menschen mit euren unterschiedlichen Erfahrungen gestoßen bin.
Meine Freundinnen können versuchen mich zu verstehen aber in mich hinein versetzen können sie nicht. Aber ihr könnt das alle.
Ich habe in vielen Posts hier auch Hoffnung gelesen. Deshalb versuche ich nun meine Hoffnung des aktuellen Momentes an euch zu übertragen 💓

Alles Liebe,
Lena 🌈

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#13

RE: Das erste mal wieder Hoffnung spüren und das ohne Schwangerschaft

in Eure Geschichte 17.02.2021 16:01
von Wassermonster • 187 Beiträge | 191 Punkte

Das mit dem Hoffnung weitergeben ist dir gelungen 👍🏼 ☺️
Und ja, dieses Forum ist ein Segen.
Danke, Susanne!

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#14

RE: Das erste mal wieder Hoffnung spüren und das ohne Schwangerschaft

in Eure Geschichte 17.02.2021 22:34
von Juli • 338 Beiträge | 354 Punkte

Liebe Lena,
es ist schön zu lesen, dass du wieder neue Hoffnung schöpfen konntest. Ich habe deine Geschichte heute erst gefunden und mit 3jährigem Sohn ist es tagsüber sehr schwierig sich in Ruhe hinzusetzen und etwas zu schreiben. Er ist definitiv das schönste Regenbogenkind für mich. Ich bin nämlich paar Jahre älter und war erst mit 30 soweit, dass ich nicht mehr warten und mit dem Kinderkriegen loslegen wollte. Mit 25 habe ich meinen Mann ja erst kennen gelernt ^^
Aber ansonsten finde ich mich in deiner Geschichte ebenso gut wieder. Meine erste Fehlgeburt war auf jeden Fall die schlimmste und ich hatte Glück, dass mein Sohn nicht so lange auf sich warten ließ. In der Zeit haben auch ganz viele Kolleginnen (bin auch Lehrerin) ihre Schwangerschaften verkündet oder Kinder bekommen. Ich habe viel darüber geredet und dadurch anderen Freunden und Bekanntenhelfen können, weil sie später ähnliches erfahren mussten und jemanden gebraucht haben, um drüber zu reden. Gerade weil du vielleicht in einem kleinen Dorf lebst, ist es gut so etwas nicht zu verschweigen. Ich finde es toll, dass du auch den Weg hierher gefunden hast, den habe ich erst später gefunden nach zwei gescheiterten Versuchen ein zweites Kind zu bekommen. Mittlerweile sind es drei... und ich die letzte habe ich tatsächlich bisher am besten verarbeiten können, weil ich den Austausch hier habe. Nach nun 2,5 Jahren mit Misserfolgen und vielen Arztterminen, ist es irgendwie schwerer mit jemanden drüber zu reden, der so etwas nie erlebt hat. Hier hört immer jemand zu und schafft es dir Hoffnung zu geben. Ich habe damals ein Bild für mein Sternchen gemalt. Dabei viel an das Krümmelchen gedacht und als es fertig war, habe ich das Gefühl gehabt, dass es bereit wäre für einen zweiten Versuch zu mir zu kommen. Es war fast eine Bilderbuchschwangerschaft. Das wünsche ich dir auch. Und auch wenn mir der Moment in dem ich erfahre, dass jemand anderes von meinen Freunden und Bekannten schwanger geworden ist, einen Stich im Herzen versetzt... glaube ich daran, dass ich mein Baby auch irgendwann in den Armen halten werde. Auch wenn es jetzt nicht mehr mit den Kindern der Freundinnen in die Schule usw gehen wird, weil ihre jetzt mindestens 6 Monate alt sind... Dann wird es eben das kleinste sein, nach dem alle schauen und später es Babysitten 😉
Ich glaube fest an ein Happy End bei dir.
Ganz liebe Grüße
Juli

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#15

RE: Mit der Zeit wird es besser, aber nicht weniger schlimm.

in Eure Geschichte 19.02.2021 10:17
von LenaLa • 43 Beiträge | 43 Punkte

Liebe Juli,
Deine Worte berühren mich so sehr, dass mir die Tränen über die Wangen fließen. Nicht aus Trauer, sondern aus Dankbarkeit, dass es Menschen, wie dich gibt. Menschen, die mir zu hören, die sich Zeit für meine Geschichte nehmen, mir Mut machen und einfach da sind - obwohl sie mich nicht kennen.
Ich danke dir!

Ja es ist schwer, alle werden schwanger, bekommen ihre Babys... Und so sehr ich mich für die meisten freue, so sehr bohrt sich der Dorn schmerzhaft ins Herz. Aber in letzter Zeit, sind die Schmerzen erträglicher, ich glaube, dass sie bald weg sein werden.
Ich habe festgestellt, dass ich seit ich hier meine Gefühle offen lege, auch in meinem Leben mehr Emotionen erlaube als vorher. Ich glaube, dass ist gut so...

Du sagst, dass du einen tollen kleinen Jungen hast. Auch der Weg zu ihm war schwer und egal, wie schwer der Weg aktuell ist, du siehst durch deinen Sohn, dass es sich lohnt ihn zu gehen!
Deine Geschichte macht mir Mut! Sie zeigt, dass sich das Kämpfen und all die Versuche lohnen.
Ich glaube fest daran, dass wir beide unser happy end, unsere wunderschöne kleinen Regenbogenkinder einestages in den Arm halten werden. Denn du und die vielen anderen Mamis zeigen mir, dass es sich lohnt!

Ich danke dir, liebe Juli.

Alles Liebe und viel Kraft für dich,
Lena🌈

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