Zwei Fehlgeburten und Myome
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Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.09.2026 16:24von Eudaimonia • 24 Beiträge | 24 Punkte
Hallo zusammen,
Ich lese hier schon länger still mit, ohne selbst zu schreiben. Im letzten Jahr habe ich zwei Fehlgeburten erlebt. Im September vor einem Jahr bin ich zum ersten Mal schwanger geworden. Der absolute Wahnsinn. Nach zwei Jahren ohne Verhütung hatte ich gar nicht mehr daran geglaubt. Obwohl es so lange nicht klappte, waren wir nicht an eine Kinderwunsch Klinik angebunden - zum einen hatten wir eine Fernbeziehung und oft schlechtes Timing, zum anderen… wäre es nicht unser Weg gewesen oder war es nicht unser Weg. Damals zumindest. Wir wollten offen sein, aber nichts erzwingen. Wir waren im Urlaub, sind durch Osteuropa mit dem Fahrrad zusammen und ich kam schwanger zurück. Verrückt. In der Zeit habe ich meinen Zyklus gar nicht groß verfolgt und habe tatsächlich auch erst zehn Tage nach meinem üblichen NMT getestet, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte.
Es war wunderschön, jede Veränderung in meinem Körper war so spannend und ich und wir haben uns wirklich arg gefreut. Nach 1,5 Wochen hatte ich die erste Blutung - abends bei Freunden, ich hatte mein Patenkind gerade ins Bett gebracht, es war der Abschiedsabend von einem Freund, der wegziehen würde. Ich hatte mich naiverweise noch nie zuvor mit Blutungen in der Schwangerschaft auseinandergesetzt. Überall in der Toilette war Blut. Ich war sicher unseren kleinen Blopp verloren zu habe. in der Klinik sah ich dann einen zeitgerecht entwickelten Embryo mit Herzschlag, den ich auch hören durfte. Auch bei der Kontrolle eine Woche später sah es noch gut aus, ein schlagendes Herz, ein gewachsenes etwas. Ich versuchte, mich zu entspannen und aus dem krisenmodus rauszufinden. Und ich war optimistisch. Es wird gut gegangen sein. Ich war so optimistisch, dass ich ein paar Wochen auch das nachlassen der Übelkeit positiv sah, ich näherte mich dem Ende des ersten Trimesters. Am Ende der 12. Woche wieder eine Blutung. Wieder in die Klinik. In meinem unendlichen Optimismus rechnete ich immer noch damit, wieder ein pochendes Herzchen sehen zu dürfen. Es war ja schonmal gutgegangen. Nicht vorbereitet war ich auf den Satz der Ärztin - nicht das bekannte „es tut mir leid, aber ich kann keinen Herzschlag sehen“, sondern „ich kann keinen Embryo finden“. Es war weg. Die Fruchthöhle war schon deutlich deformiert, Abortus incompletus. Mir wurde zu einer Ausschabung in derselben Nacht geraten. Für mich undenkbar, mein Freund war verreist, ich war alleine in der Klinik. Zum ersten Mal habe ich etwas ausdrücklich gegen ärztlichen Rat gemacht: ich ging nach Hause. In den nächsten Tagen kam mit Hirtentäscheltee und sehr viel Traurigkeit eine leere, zerfetzte Fruchthöhle, den Embryo habe ich nicht gesehen. Ich war so erleichtert, als die kleine Geburt zu Ende war - und so schockiert, als ich erfuhr, dass noch Reste verblieben waren. Dann ging alles ganz schnell, innerhalb weniger Tage bekam ich Fieber, wieder Klinik, jetzt die OP mitten in der Nacht. Mein Freund war da.
Körperlich erholte ich mich gut von dem Eingriff. seelisch … ich weiß nicht. Ich fand eine Hebammengeleitete Trauergruppe für sternenmamas in meiner Nähe. Und obwohl es mir gut getan hat, blieb doch der Eindruck, dass andere das Schicksal viel heftiger getroffen hat. Ich vermisste das kleine mit seinem schnellen Herzschlag. Ich vermisste das Gefühl schwanger zu sein. Eine gute Freundin war genau eine Woche nach mir schwanger. Ihr Kind ist inzwischen auf der Welt. Ich habe es (aus unterschiedlichen Gründen) bisher noch nicht gesehen.Trotz aller Schwere ist da auch ein bisschen Freude.
Im Fünften Zyklus nach der Ausschabung war ich wieder schwanger. Diesmal hatte ich meinen Zyklus beobachtet und ich hatte mir schon gedacht, dass wir gutes Timing gehabt hatten. Dementsprechend habe ich dann auch einen Tag nach NMT getestet und war positiv :) Dieses Mal war ich innerlich vorsichtiger, habe das Kleine unter den Generalverdacht gestellt, doch nicht lange zu bleiben - was ich im Nachhinein irgendwie sehr bereut haben. So als hätte ich die Zeit verpasst es richtig an mich heranzulassen, in der kurzen Zeit, wo es noch da war. Exakt auf denselben Tag wie beim ersten bekam ich Blutungen. Wieder ein Herzschlag, wieder ein Mutterpass, wieder eine wunderbar zeitgerechte Entwicklung bis zum Ende der 8. Woche. Diesmal habe ich gespürt, dass etwas nicht stimmte. Ich hörte auf dieses Gefühl unglaublicher Plattheit und die Bauchschmerzen. Wieder die Klinik, wieder kein Herzschlag. Wieder das Angebot einer Ausschabung - und wieder die ärztliche Empfehlung dafür. Wieder die Entscheidung dagegen. Sechs lange Wochen wartete ich -
Manchmal blutend, oft aber auch nicht. Die Blutung kam nicht in Gang, meine Frauenärztin war wenig hilfreich, dafür aber den Kontakt mit einer Hebamme, die ich einmal traf und die mir an die Hand gab, so lange warten zu dürfen wie ich wollte. Mein Körper fühlte sich zunehmend besser an und obwohl ich immer noch wartete, fing mein Leben auch wieder an in seinen gewohnten Bahnen zu laufen. Ich reiste für Fortbildungen durch die Republik, machte meine Arbeit und meinen Sport. Und beschloss, die Triathlon Anmeldung, die ich irgendwann zwischen den ganzen Fehlgeburten gemacht hatte, nicht ausfallen zu lassen. In der Theoretisch 12. oder 13. ssw nahm ich an meinem ersten Triathlon Teil und gewann völlig überraschend in meiner Altersklasse. Ich wusste nicht, dass man auch solange auf eine kleine Geburt warten kann, dass es in dem Sinne keine kleine Geburt mehr gibt. Irgendwann war auf dem Ultraschall einfach nichts mehr zu sehen, ein ca. 2 cm großer Klumpen kam mit meiner nächsten Periode, wie eine kleine vertrocknete Dattel vielleicht.
Das ist meine Geschichte. Ich bin im 4. normalen Zyklus nach der Fehlgeburt. Ich habe aktuell eine recht große Zyste, die sich auf meine zweite Zyklushälfte auswirkt, zb durch eine Ultra lange Hochlage von 19 Tagen und dann eine Ultra kurze Hochlage von 10 Tagen. Mir ist ständig übel, mein Bauch ist aufgebläht und ich fühle mich eigentlich ständig super schwanger, ohne es zu sein. Ich habe mehrere Myome, ein großes (8cm) wurde mir vor drei Jahren entfernt, ein mittleres (4cm) wird beobachtet, es gibt unzählige kleinere.
Ich glaube ich bin dabei, mich langsam damit auseinanderzusetzen, wie es wäre, mich von dem Kinderwunsch zu verabschieden.
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.09.2026 17:19von Susanne • 5.974 Beiträge | 5994 Punkte
Hallo liebe Eudamonia, auch noch einmal hier herzlich Willkommen und mein Mitgefühl für deine Verluste. Ich freue mich, dass du dich geöffnet hast und deine Geschichte mit uns teilst. Es ist bewundernswert, dass du trotz der Widerstände so für dich/euch eingestanden bist und deinen Weg fortgeführt hast. Und gleichzeitig macht es mich traurig, dass das überhaupt noch immer nötig ist und man sich "wiedersetzen" muss, wenn man keine OP möchte.
Wie meistert ihr die Krise als Paar?
Fühl dich gedrückt, Susanne
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.09.2026 17:40von Eudaimonia • 24 Beiträge | 24 Punkte
Danke dir! Freu mich, hier so lieb aufgenommen zu werden!
Uns als Paar haben die letzten Monate auf jeden Fall noch mehr zusammengeschweißt. Es ist aber auch so, dass jetzt, wo die Fehlgeburten abgeschlossen sind, für meinen Freund der normale Alltag weitergeht und er - meiner Wahrnehmung nach - nicht mehr oft daran denkt oder das Bedürfnis hat, darüber zu reden, während ich schon auch ganz stark darüber reden möchte - vor allem eben auch mit ihm. Das ist für mich gerade schon schwer…
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.09.2026 18:02von Susanne • 5.974 Beiträge | 5994 Punkte
Das ist tatsächlich eine Erfahrung, die viele Frauen nach einer Fehlgeburt mit ihrem Partner machen. Während du die Schwangerschaft, die Veränderungen im eigenen Körper und letztlich auch den Verlust unmittelbar erlebt hast, war er oft eher „Zuschauer“ eines für ihn vielleicht noch surrealen Geschehens. Gerade wenn es das erste Kind ist, entsteht die eigene Vorstellung von dem Kind und die Bindung manchmal erst im Laufe der Schwangerschaft – und kann deshalb auch anders aussehen als bei der Mutter.
Vielleicht kann es helfen, den Wunsch zu reden nicht ausschließlich an ihn zu richten. Gibt es Menschen in deinem Umfeld, mit denen du darüber sprechen kannst?
Was brauchst du, wenn das Bedürfnis zu reden kommt? Gibt es eine Möglichkeit, deine Gedanken und Gefühle zu kanalisieren – zum Beispiel durch Schreiben, Sprachnachrichten für dich selbst, einen Brief an dein Kind oder ein kleines Ritual? Manchmal hilft es, einen Ort für diese Gefühle zu schaffen, auch wenn der Partner gerade nicht dasselbe Bedürfnis hat.
Und vielleicht könnt ihr auch miteinander besprechen, dass du nicht erwartest, dass er genauso trauert wie du – aber dass es dir wichtig wäre, ab und zu gemeinsam darüber zu sprechen.
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.09.2026 18:33von Eudaimonia • 24 Beiträge | 24 Punkte
Wir haben zusammen zwei schöne kleine Steine auf den Bergfriedhof gelegt - das ist auf jeden Fall der Ort, an dem ich am liebsten bin, um an die kleinen Sterne zu denken. Ich versuche so einmal im Monat hinzugehen, witzigerweise war das zufällig von Anfang an immer um die Eisprungzeit rum und das ist eine ganz schöne Tradition :)
Ansonsten fehlen mir wirklich Menschen, um gut drüber sprechen zu können. Anfangs bin ich wie gesagt öfter zur Sternenmama Gruppe und dann auch zum Stammtisch, wo wir uns treffen und Pommes essen und über unsere Schwangerschaftsverluste und verstorbenen Kinder spreche - eine sehr zu empfehlende Kombination übrigens. Trotzdem fühle ich mich dort auch sehr fremd, ohne dass mir die anderen das Gefühl geben, es kommt eher aus mir heraus. Die eine Freundin, mit der ich gut über das Thema sprechen konnte, weil sie selbst lange im Kinderwunsch war und sehr frühe Fehlgeburt hatte, ist jetzt nach kinderwunschbehandlung schwanger. Auch wenn wir ja theoretisch trotzdem gut darüber sprechen könnten auch weiterhin, ist es leider komisch zwischen uns geworden… so als ob sie irgendwie Schuldgefühle hat, wenn sie an mich denkt oder versucht möglichst einfühlsam zu sein, was ich aber so gar nicht möchte. Haben auch schon drüber gesprochen (und wir konnten gut reden). Trotzdem lässt sich der Knoten leider nicht so richtig lösen und ich fühle ich mich schon recht einsam.
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 01.10.2026 07:48von Ronja • 106 Beiträge | 106 Punkte
Hi Eudamonia,
Auch von mir erstmal mein Beileid zu deinen Verlusten.
Ich verstehe deinen Gedanken, dass es andere noch schlimmer getroffen hat und dass du dich irgendwie nicht richtig einfindest, das ging mir auch immer wieder so... Gerade wenn man von Verlusten im zweiten oder sogar letzten Trimester liest..
Aber Schmerz lässt sich nunmal so nicht vergleichen. Ich finde zwei Mal 8. Woche schon echt spät. Da hast du schon einige Meilensteine geschafft gehabt, nur um es dann doch gehen lassen zu müssen..
Es erinnert mich ein bisschen an meine beiden Verluste.. das erste mit Entwicklungsstillstand in der 9. Woche, das zweite, bei dem ich bin Anfang an ein schlechtes Gefühl hatte, in der 12., das erste ausgeschabt, das zweite natürlich bekommen.
Ich bin danach in die Abklärung, bist du da auch schon Schritte gegangen? Außerdem habe ich mir ein Limit gesetzt, von dem was ich geglaubt habe auszuhalten. Ich habe mir gesagt noch ein Jahr. Und dann höre ich auf.
Ich bin jetzt in der Folgeschwangerschaft, aktuell mit Herzschlag, Ende 15. Woche und ich glaube dieses Mal klappt alles (auch wenn die Angst nicht loslässt). Aber Abklärung war glaube ich bei mir das entscheidende.
Ich drück dir ganz ganz fest die Daumen, dass du ein Regenbogenbaby bekommst und wenn du das Bedürfnis nach Austausch (auch von negativen oder 'unangebrachten' Gefühlen) hast, dann meld dich immer gerne. ❤️
Your love for them ist still the gift.
Your bleeding heart is where they live.
- Angelmum, Lucas Jones -
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 01.10.2026 18:53von hagebutte • 5 Beiträge | 5 Punkte
Liebe Eudamonia,
das klingt alles so, so ähnlich zu meinem Erfahrungen im letzten Jahr...
Ich war im letzten Sommer mit meinem Freund für 31/2 Wochen Wandern auf Island. Großer Wanderrucksack, Zelt und ein wunderschönes Abenteuer. Aber das größte Abenteuer ging danach los, denn direkt als ich wieder zuhause war, hab ich bemerkt, dass ich schwanger war. Unsere kleine Island-Erbse blieb leider nur kurz, aber die Zeit war wunderschön und ich liebte das Gefühl, schwanger zu sein, unglaublich! Ende der siebten Woche war ich gerade Pilze sammeln im Wald, als Blutungen einsetzten. Ich bin in die Klinik, aber der Abgang war schon in vollem Gange. Wir haben keine Ausschabung gebraucht, es ging alles natürlich ab.
Seither haben wir es jeden Monat probiert - aber bald auch gemerkt, dass es nicht so einfach ist. Ich hab hier und da gelesen, es mit Tees, Vitaminen oder der Fertililly probiert, aber hatte nirgends das Gefühl, richtig was gefunden zu haben. Im Mai. exakt eine Woche nach ursprünglichem ET unserer Island-Erbse war ich dann wieder schwanger. Wir haben uns wieder unendlich gefreut und auch unser Umfeld war total positiv gestimmt. Ich war immer ein klein wenig skeptisch, weil die Angst vom ersten Verlust noch in mir steckte. In der 7. Woche bekam ich Blutungen, doch im Ultraschall sah alles gut aus, das Herzchen schlug und alles war zeitgerecht entwickelt. Ende neunte Woche war mein Partner zum ersten mal beim Frauenarzt mit dabei - und es war kein Herzschlag mehr zu sehen. Missed abort... Wir waren beiden unendlich traurig, haben aber beschlossen, es erst einmal ohne Ausschabung zu versuchen. Zwei Wochen hat es bis zum natürlichen Abgang gedauert, aber leider ging nicht alles vollständig ab. Also haben wir versucht mit Medikamenten nachzuhelfen und Wehen auszulösen, was leider nicht geklappt hat. So fand dann 5 Wochen nach dem Arzttermin doch die OP statt.
Das ist jetzt 6 Wochen her. Seither gibt es gute und bessere Tage. Insgesamt geht es mir gut und der Alltag ist wieder eingekehrt. Aber ich finde es manchmal auch total schwer, bin einfach von einem Moment auf den anderen traurig. Das sehe ich bei meinem Partner nicht - er steht hinter mir, unterstützt mich, aber ihn überkommt die Traurigkeit nicht mehr so. Manchmal habe ich das Gefühl, er konnte die beiden Würmchen einfacher gehen lassen, weil sie für ihn noch nicht so greifbar waren - wären unsere ersten Kinder gewesen.
Für mich hätte sich so viel geändert, auch schon während der Schwangerschaft (z.B. Beschäftigungsverbot), dass es einfach schwer ist, seine Träume langsam zu träumen und dann so plötzlich wieder fallen zu lassen.
Wie alt bist du, Eudamonia? Ich kann mir bisher noch nicht vorstellen, mich von meinem Kinderwunsch zu verabschieden - dafür beschäftigt er mich zu sehr, dafür wünsche ich mir noch zu sehr eine kleine Familie. Wir probieren es weiter - aktuell nehme ich einige Vitamine und seit gestern ASS100. Ob das was bringt, weiß ich auch nicht, aber ich will nichts unversucht lassen...
Ich hab in den letzten Wochen viel mit mir selber ausgemacht - einer Sternenkindergruppe habe ich mich nicht zugehörig gefühlt und oft das Gefühl gehabt, andere haben ihre Kinder viel später verloren und dadurch viel mehr "Recht", traurig zu sein. Aber manchmal merke ich auch einfach, dass es gut ist, sich mit der Traurigkeit auseinander zu setzen.
Falls du Austausch wünscht, kannst du dich gerne melden!
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 02.10.2026 09:24von Eudaimonia • 24 Beiträge | 24 Punkte
Hi Hagebutte, ja krass dass es bei euch dann auch beim ersten quasi mitten in der Natur geklappt hat ;) wie lange hattet ihr es davor probiert? Wir haben ja ewig darauf gewartet und eigentlich auch nicht mehr dran geglaubt, dass es noch passiert.
Es hat mich total berührt, dass du sagst es gibt gute und bessere Tage. Bei mir gibt es auf jeden Fall auch schlechtere Tage. Manchmal frage ich mich schon, ob ich irgendeine Form von Beratung oder Therapie mal machen sollte.. bei mir kollidiert die Kinderwunschphase mit einer beruflichen Neuorientierung und es gibt Zeiten, in denen weder das eine noch das andere irgendwohin geht. Das ist ganz schön kräftzährend.…wir probieren es auch gerade weiter, ich weiß aber noch nicht wie lange oder ob und wann ich mir ein Limit setze. Ich denke, das könnte mir so ein bisschen Orientierung geben. Ich bin mit 38 schon recht alt und mein Freund ist sogar noch ein paar Jahre älter als ich. Das typische Akademikerinnen-Dilemma: ich war so lange in Ausbildung (Studium, Doktorarbeit), dass ich erst mit Mitte 30 einen Kinderwunsch gespürt habe. dann die Diagnose mit dem großen Myom, die Myomentfernung, 1 Jahr Wartezeit, 2 Jahre der Versuch schwanger zu werden und 1 Jahr mit zwei Fehlgeburten. Es war ein langer Weg und natürlich frage ich mich oft, ob wir uns gerade auch in den zwei Jahren, wo wir es vergeblich probiert haben, zu viel Zeit gelassen haben. Aber es hatte auch seine Gründe und rückgängig kann ich es eh nicht machen.
Wie ist es denn jetzt bei dir/euch? Es ist ja noch nicht lange her, dass ihr euer Sternchen gehen lassen musstet.
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 02.10.2026 12:08von Gladeole • 15 Beiträge | 15 Punkte
Ich rutsche hier auch mal rein und möchte euch erstmal eine liebe Umarmung schicken; eure Verluste tun mir sehr leid.
Gleichzeitig fühle ich mich durch das Lesen so doll verstanden ; ich habe am 8.9 die Diagnose einer missed abortion erhalten , rechnerisch wäre ich in 10.0 gewesen, bei 6.4 gab es einen Herzschlag und bei 10.0 dann nur noch eine leere Fruchthöhle. Das war sehr hart und meine Gyn hat mich durch diverse Sachen sehr verunsichert sodass ich mir vermutlich eine neue suchen werde.
Am Tag der Diagnose hatte ich die Kürettage (wurde mir als einzige Möglichkeit genannt, da ein eigenständiger Abgang bei bereits vier Wochen Stillstand für unrealistisch gehalten wurde).
Meinen Ausgangshcg weiß ich nicht, weil das abgenommene Blut am Tag der MA - Diagnose nicht ins Labor geschickt wurde.
Der heftige Hormonabsturz war die Hölle und ich musste immer wieder zu Blutentnahme da mein HCG nicht ausreichend fiel, letztlich war er nun Montag bei genau 100 und das scheint ausreichend.
Emotional ist das tiefe Tal überwunden , aber die Traurigkeit klopft immer wieder ganz schön doll an und ich habe Angst , dass ich mich (36) zu spät entschieden habe. Mein Partner ist etwas jünger , unglaublich da und präsent und hat es doch viel schneller überwunden als ich.
In Selbsthilfegruppen möchte ich auch nicht, weil ich ebenso denke „die anderen haben das viel später , ich passe da nicht“ und deshalb habe ich mich für eine Therapie bei einer Körper und Gestalttherapeutin entschieden . Ich vertraue meinem Körper nicht mehr, bin wütend und traurig und mir fehlt das Gefühl schwanger zu sein sehr , ebenso wie die Gespräche über mögliche Namen oder die Gestaltung des Kinderzimmers. Wir möchten es definitiv weiter probieren , mit Unterstützung für mich, damit ich lerne mir wieder zu vertrauen .
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 02.10.2026 12:39von Susanne • 5.974 Beiträge | 5994 Punkte
Ich kann gut verstehen, dass ihr euch bisher in einer Gruppe für Sternenkindmütter nicht richtig wiedergefunden habt oder vielleicht auch nicht getraut habt, eine zu besuchen. Gerade nach einer frühen Fehlgeburt kommt schnell der Gedanke: „Andere haben ihr Kind viel später verloren, bei ihnen war schon so viel mehr Realität – darf ich dann überhaupt so traurig sein?“
Aber genau diese Sorge möchte ich gern zerstreuen. Trauer ist kein Wettbewerb und sie hängt nicht davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche ein Kind gestorben ist. Ihr müsst keinen bestimmten „Grund“ oder ein bestimmtes Maß an Verlust erfüllen, damit eure Trauer berechtigt ist.
In solchen Gruppen kommen ganz unterschiedliche Erfahrungen zusammen: sehr frühe Fehlgeburten, spätere Verluste, erste Schwangerschaften, Menschen mit lebenden Kindern, Menschen mitten im Kinderwunsch und auch Frauen, die noch überhaupt nicht wissen, wie ihr Weg weitergehen soll. Diese unterschiedlichen Erfahrungen dürfen nebeneinanderstehen, ohne miteinander verglichen oder gegeneinander aufgewogen zu werden.
Denn eigentlich geht es in einer solchen Gruppe auch gar nicht darum, wessen Verlust wie war oder wer was erlebt hat. Es geht vielmehr um das, was **danach** kommt: um die Trauer, die Leere, die Gedanken, die Ängste, die Veränderungen im Alltag, die Beziehung zueinander, den Kinderwunsch und all das, was sich manchmal nur schwer mit Menschen besprechen lässt, die diese Erfahrung nicht selbst gemacht haben.
Vielleicht stellt ihr, wenn ihr es einfach einmal ausprobiert, fest, dass euer Verlust dort nicht „zu klein“ ist – sondern dass ihr mit dem, was euch heute beschäftigt, überhaupt nicht alleine seid.
Auch unterschiedliche Arten zu trauern können in einer Gruppe Raum bekommen. Vielleicht trauert ihr selbst sehr viel und euer Partner scheinbar weniger. Vielleicht ist es genau andersherum. Auch darüber kann es guttun, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Wenn ihr möchtet, probiert eine Gruppe vor Ort oder bei uns online einfach einmal aus – ganz ohne Verpflichtung. Ihr könnt nach dem ersten Treffen immer noch sagen: „Das ist nicht meins.“ Aber vielleicht erlebt ihr dort auch zum ersten Mal: **Mit meiner Geschichte bin ich hier genau richtig.**
RE: Zwei Fehlgeburten und Myome
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 02.10.2026 13:31von Eudaimonia • 24 Beiträge | 24 Punkte
Dem kann ich wirklich nur zustimmen. Ich bin nach meiner ersten Fehlgeburt wirklich gerne zu der Hebammen geleiteten Gruppe gegangen und auch danach öfter zum Stammtisch. Dabei habe ich vor allem auch das mitgenommen, was Susanne geschrieben hat: ich habe gemerkt, dass keine Abstufungen zwischen der Trauer gemacht werden und dass alles so da sein darf, wie es gerade ist. Das hat mir unglaublich gut getan und es war eine ganz arg warme und wertschätzende Atmosphäre und eine Begegnung mit tollen Frauen. Dass die Trauer da einen Platz finden kann, habe ich insbesondere auch in der ersten Zeit direkt nach dem ersten Verlust als wirklich erleichternd empfunden und ich kann es euch wirklich empfehlen, ein bisschen mutig zu sein und mal reinzuschauen. Bei mir persönlich ist dieses Gefühl von Fremdsein und mich nicht so richtig zugehörig zu fühlen nicht ganz verschwunden, weshalb ich jetzt schon länger nicht gegangen bin. Das lag aber auch an der Zusammensetzung der Gruppe, in der ich die einzige war mit einem so frühen Verlust. Außerdem gab es einen Abend, an dem wir nur zu viert waren und die drei anderen haben alle an dem Tag ihre Folgeschwangerschaft verkündet, alle in der 12./13. Woche, die ich ja nie erreicht habe. Ich kann mir super gut vorstellen, wie schwer eine Folgeschwangerschaft sein kann, wie groß die Ängste sind nach einem Verlust und wie es auch eine Schwere hat, gleichzeitig zu trauern und sich auf die neue Schwangerschaft einzulassen. Ich hab mich dennoch an dem Abend so unglaublich allein gefühlt und war dann seltener da. Aber das ist auch nicht prinzipiell, ich glaube ich halte jetzt gerade etwas Abstand, will aber im Winter fix wieder vorbeischauen - bin ja auch gespannt, wie es den Mädels jetzt geht und freu mich tatsächlich auch.
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