#1

Schneckenhaus Rückzug

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.08.2026 21:40
von Kreatives_bienchen • 5 Beiträge | 5 Punkte

Hi,

ich weiß erneut nicht wie ich den Beitrag anfangen soll, aber irgendwie würde ich gerne einiges von der Seele reden.
Hatte vor vier Wochen meine erste Fehlgeburt in der 6. SSW.. und nun ist es einfach ein Monat her..
Habe grade das Gefühl als, ob meine Welt zusammen bricht.
Mein Körper hat Spielchen mit mir gespielt, mit Übelkeit und Heißhunger, das ich dachte ich wäre erneut schwanger... beide Tests waren negativ. Mein inneres Ich, hätte sich das ehrlich gesagt, am meisten gewünscht, das er erneut Positiv ist. *Pustekuchen...

Zur ganzen Krönung kommt noch das gefühlt grade jeder in meiner Nähe Schwanger ist.. ich weiß nicht, ob ich mir das einbilde oder ob das einfach Karma ist.
Meine Periode hat bereits begonnen, das es nur diesmal anders ist als die letzten 28 Jahre, hat mir keiner gesagt.. vor allem das ich allein da durch muss.
Der ,,Der Erzeuger" hat mir vor ein paar Tagen, erneut den Vorwurf gemacht - all das hätte ich geplant, die Schwangerschaft, der Abgang.. und dann sagte er ,, es kann doch nicht so schwer sein, ein neuen Test zu machen". Das ihm meine Emotionen egal sind, hat diese Aussage wohl reichlich untermauert... Also gesagt getan, fuhr zum Kaufland und holte ein neuen Test, das ich dort vor Ort in eine Familiärensituation geraten bin, stand nicht auf meiner Liste. Traf meine Halb - Schwester ( wohnen in der selben Stadt ) und nachdem sie mir nach gelaufen ist und ich sie mehrmals gebeten hatte mich in ruhe zulassen und mich dann auch noch anfasste.. war der Ofen aus. Ich wurde etwas lauter und hörte nur die Worte von Ihr ,,Wann machst du endlich die Leine aus Landsberg " ? Am Handy, war er... ich berichtete ihm davon und habe nur zu hören bekommen, wo meine coolnes sei ...

Ich kaufte den test, stieg ins Auto und fuhr heim, ich machten den Test nicht bei mir sondern bei Ihm ( wohnen nebeneinander ) Ich ging rein und er saß beim essen..
Dachte mir nichts und legte mich einfach auf das Bett, schloss die Augen und versuchte durchzuatmen. Ich wollte weder eine Lösung, noch wollte ich etwas hören.
Ich nahm den Test und machte ihn... legte mich dann wieder hin und wenn er sich irgendwann dazu gelegt hätte, dann hätte ich ihm gesagt, das er negativ ist aber wenn er es selber sehen will, dann liegt er im Badezimmer. Dazu kam es garnicht... er lief ins Schlafzimmer und das erste was ich hörte war ,,Warum setzt du dich nicht zu mir auf die Couch" ,,Warum geht es immer nur um dich" .. Ich drehte mich zu ihm und sagte, das ich kurz durchatmen wollte und das ich einen test gemacht habe und er ihm WC auf dem Waschbecken liegt.. Direkt kam, was das für ,,Psycho-Spiele" wären und was heißt ein Strich und dann kamen mir die Tränen. Ich wusste das es Erinnerungen hochholte, aber ich wollte ihm die Sicherheit liefern.
Er legte sich zu mir und während er dies tat, bohrte sich der folgende Satz in mein Kopf ,, Es reicht mir langsam" ich sagte das ich gehofft hatte kurz mal ruhe und Verständnis zu bekommen, jedoch war es wohl nur eine Vorstellung. Er versuchte mich fest zu halten, jedoch sagte ich ihm das ich gehen werde und es mir leid tut ihn gestört zu haben.. er ließ mich los und meinte ,, dann geh". Das war die letzte Körperliche nähe, die ich seit dem erhalten habe... Vorgestern hat er mir nun, deutlich gemacht das ich als Partnerin für ihn gestorben bin... ich bin lediglich nur die Nachbarin, oder was auch immer für Ihn. So bin stehe ich alleine da in meiner Trauer... und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich grade tun soll.. er hasst meine Emotionalen Gefühlen und gleichzeitig ist er so Rational. Heute habe ich ihm gesagt, dass er mir fehlt, als Antwort kam ,, Du fehlst mir auch, aber nur die eine Seite" Körperlich zieht er eine grenze und der letzte Sex war der letzte Sex zwischen uns... das tut fucking weh, grade wenn man darüber nachdenkt, das dabei sein eigenes Kind entstanden ist..
Seine Aussage ,, Dein Problem ist dein Problem" hat sich mit dazu in mein Kopf gebrannt, so als würde ich dazu seine Stimme in meinem Ohr hören.. Ich ziehe mich zurück, habe Schmerzen und ich fühle mich vom inneren wie Leer. Ich weiß nicht wie ich es ihm recht machen soll. Gebe ich ihm Raum, dann gefällt es ihm nicht. Schreibe ich ihm, sagt er zwischen den Zeilen, er will mich nicht aus sein Leben entfernen - aber was will dann ein 41 Jähriger Mann.

Ich habe mir den Arsch aufgerissen für sein Geburtstag vor ein paar Tagen, habe Kuchen, Muffins und ein Geschenk besorgt und bekomme im Nachhinein zu hören, danke fürs Backen aber genau deswegen kann ich dich nicht einschätzen. Wieso ? Weil ich schweige und verstumme, jedoch meine Liebe und durch Gesten zeige wie wichtig mir dieser Mensch ist und das mir sein Geburtstag nicht egal ist und ich vor Wochen schon erwähnt hatte, da ich dafür eingekauft habe. Und vor allem ist das der letzte Geburtstag für ihn hier in Deutschland, wenn er nächstes Jahr März in den Einsatz fliegt für 3 Jahre... ich raff es nicht und ich mache mir gleichzeitig Gedanken wie es ihm geht, und was ich noch alles richtig machen kann...

Zu der ganzen Situation kommt noch, das mein Onkel verstorben ist und das mit 60 Jahren... das war ein Schock... ich wollte es ihm sagen, aber ,,Dein Problem ist dein Problem"... ich schreib es ihm trotzdem und habe zu hören bekommen, das mein ganzes Leben umgeben ist von Negativen Nachrichten und er wünscht mir viel Kraft... ich weiß nicht, woran ich bin... Bin keine fürs Bett, bin keine Nachbarin, aber auch keine Person die ihm irgendwie als ,,Eng" bedeutet... Ich werde ruhiger, ziehe mich zurück und dreh mich in meinem Bett von links nach rechts jede Nacht und bekomme kein Auge zu... Manchmal würde ich gerne die Zeit zurück drehen... und manchmal würde ich gerne einfach weinen und mir wünschen, das mein Körper mein kleines Wunder nicht abgestoßen hätte und ich mich nicht so alleine fühle.. Diese Frage ,,Wieso" nagt ganz doll an mir... und ich vermisse mein Kind.

Als Nebenjob gehe ich zusätzlich arbeiten beim Edeka, es gibt eine Familie jeden Samstag sind Sie dort... diese Familie beziehungsweise ihr Kind zu sehen, löst in mir unfassbar dieses Vermissen und versagen aus.. ich saß sie letzten Samstag erneut und ich musste aus der Kasse.. Panikattacke im Lager sagte ,,Hallo".. ich weinte und ich verstand die Welt nicht mehr.. die Frau saß mich und bevor ich was sagen konnte stand sie an der Kasse und als ich aufsprang kam nur ein ,, Wünsche Ihnen ein schönen Tag " in einer Traurigen Stimmalge..

Ich weiß nicht, aber ich würde der Frau gerne sagen, was ihr Kind in mir auslöst, weil ich Sie jeden Samstag sehe - aber ich kann nicht jeden Samstag vor Angst zwischen Panikattacke und Einkaufsregalen weglaufen. Aber gleichzeitig weiß ich nicht, wie reagiert die Frau.. sollte ich es überhaupt, sollte ich den Edeka nur wegen dieser Sache wechseln.. Dieses Kind begleitet mich seit 1 Jahr bereits und vor dem ganzen, habe ich jedesmal gesagt ,, Oh die Abenteuerin ist wieder da" Dieses Kind ist ein richtiger Sonnenschein, nur am Grinsen und beobachten. Jedesmal war es mein Glücksmoment an dem Samstag... ich weiß nicht, was ich tun soll.. einfach runterschlucken... ?

Entschuldigung für so ein Thema, aber es hat mich beschäftigt - oder eher gesagt, tut es und mein Schneckenhaus scheint grade der gemütlichste Ort zu sein... noch nicht mal die Hochzeit am Samstag von einem Kumpel habe ich hinbekommen vor schmerzen.. obwohl ich mich so sehr darauf gefreut habe, aber es ging nicht und ich bereue es..

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#2

RE: Schneckenhaus Rückzug

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 31.08.2026 06:35
von Susanne • 5.933 Beiträge | 5953 Punkte

Hallo Bienchen, du musst dich überhaupt nicht entschuldigen. Beim Lesen merkt man einfach, wie viel gerade gleichzeitig auf dir liegt. Die Fehlgeburt, der Umgang mit deinem Partner, der Tod deines Onkels und dann überall diese Schwangerschaften und Kinder, die dir dein eigenes Vermissen vor Augen führen.
Und bitte hör auf, dich zu fragen, was du noch richtig machen kannst, damit es ihm passt. Du trauerst um dein Kind. Du darfst emotional sein, weinen, dich zurückziehen und auch einfach mal nicht funktionieren.
Dass dich dieses Kind im Edeka so trifft, kann ich sehr gut verstehen. Es war vorher dein kleiner Glücksmoment am Samstag (vielleicht deine Traumvorstellung für dich?) und jetzt erinnert es dich an das, was dir fehlt. Du musst das nicht einfach runterschlucken. Vielleicht musst du der Mutter aber auch gar nichts erklären. Erst einmal darfst du schauen, was DU brauchst, damit du dort arbeiten kannst, ohne jedes Mal völlig überwältigt zu werden.
Und wegen deines Kindes: Du hast nicht versagt. Dein Körper hat dein Kind nicht „einfach abgestoßen“, weil du irgendetwas falsch gemacht hast. Manche Dinge passieren ohne dass wir Einfluss nehmen können.

Ich glaube, du musst gerade nicht wissen, wie es mit ihm weitergeht oder was du tun sollst. Vielleicht reicht es erst einmal, durch diesen Tag zu kommen. Und den nächsten. Du wirst irgendwann wieder spüren können, was/wer dir gut tut und was nicht, wenn die Trauer nicht mehr alles überlagert.


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