#1

4 ganz verschiedene Fehlgeburten

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 24.07.2026 19:58
von Scilla • 7 Beiträge | 7 Punkte

Auch wenn meine letzte Fehlgeburt schon einige Monate her ist, bin ich gerade sehr intensiv nochmal in der Verarbeitung und schaue mit vielen Fragezeichen und Sorgen in die Zukunft. Daher habe ich mich angemeldet und möchte hier gern erstmal teilen, was ich erlebt habe.

Zur Vorgeschichte, bei mir wurde erst Endometriose und dann auch Adenomyose diagnostiziert. Damals hieß es, ich müsste mich beeilen, damit ich mit den Diagnosen trotzdem noch gut schwanger werde oder rechtzeitig Hilfe dabei bekomme. Trotzdem und vielleicht auch gerade durch die Angst, die da geschürt wurde, dauerte es bis ich 30 war, bis wir es versuchen wollten. Leider wollte meine Gyn damals, dass ich die Gestagen-Pille erst absetze, wenn ich nochmal in einem Endometriose-Zentrum vorstellig war. Fanden wir doof, ich wusste aus den Ultraschalls auch, dass immer wieder Follikel reifen und hatte einen langen, aber regelmäßigen Zyklus trotz Pille. Kurz nachdem wir nicht mehr zusätzlich verhütet hatten, war ich schwanger, aber die Ärztin glaubte es mir nicht, meine wir schauen beim regulären Kontroll-Termin 3 Wochen später einfach mal. Dazwischen bekam ich Blutungen. Darin fand ich auch den Embryo, ca. 3 mm groß, also sehr früh noch. Ich war total überfordert, wusste erst gar nicht so richtig ob er das ist, oder was gerade passiert. Fühlte mich schuldig, ob etwas an meinem Verhalten oder Medikamenten das ausgelöst hatte. Das war März 25, später habe ich dann die Ärztin gewechselt.

Im August 25, ein paar Monate nach Absetzen der Pille, hatte ich dann eine biochemische Schwangerschaft. Der positiven Test war sehr spät, daher hatte ich gleich Sorge, ein paar Tage später war er schon wieder negativ. Das ging mir auch Nahe. Fühlte sich zwar an, als hätte mein Körper früh erkannt, das etwas nicht stimmte, aber die Sorge, wie es noch klappen soll kam immer mehr auf. Auch mit der Vorgeschichte mit Endo im Kopf.

Im Oktober dann der nächste positive Test. Und der blieb positiv, Hoffnung kam ganz leise auf. Ich fühlte mich bald genau so, wie sich frühe Schwangerschaft klischeehaft anfühlen sollte. in der 8. Woche dufte ich zum ersten Ultraschall zur (neuen) Gyn. Große Überraschung, da waren zwei Embryonen, zwei Herzschläge. Der eine minimal kleiner, der andere schon ein bisschen mehr, aber auch noch ok. Überhaupt kein Grund zur Sorge hieß es. Die seien sehr wahrscheinlich eineiig, da kommt das auch eher mal vor.
Unser Leben stand plötzlich total auf dem Kopf. Alles sah gut aus und ganz andere Fragen waren plötzlich im Raum. 2 Wochen später durften wir zur Kontrolle, am Geburtstag meines Mannes. Ich war zwischendurch vorsichtig geworden, die Übelkeit war weniger, aber da war ich ja auch schon in der 10. Woche, könnte schon auch normal sein. Der Schock traf dann trotzdem extrem. Beide nicht genug weiterentwickelt, beide keine Herzschlag mehr, MA. Eineiige Zwilling trifft das häufiger hieß es. Mindert den Schmerz nicht. Ich durfte entscheiden wie es weiter geht, ich wollte warten, hoffen es geht alleine, wir könnten die beiden vielleicht sogar begraben. Ich wollte keine weitere Fehlgeburt auf dem Klo, und selbst bestimmen können.
Etwas mehr als eine Woche später ging die Blutung los. Und dann immer mehr und mehr, händevoll Koagel. Mit 2 Hebammen hab ich telefoniert, gefragt wie lange das ok ist. Irgendwann war klar, ich brauche Hilfe. Krankenwagen war schnell da, es ging mit Blaulicht in die Klinik. Dort wurde erst noch untersucht. Vorm Ultraschall sollte ich noch auf Toilette gehen. Den ersten Zwilling hatte ich schon zu Hause geboren, den 2. dann dort auf dem Klo. In dem Moment konnte ich das nicht an mich ran lassen, aber es bricht mir arg das Herz keinen Abschied gehabt zu haben und auch, dass die beiden getrennt sind. Die Klink war furchtbar. Wie es mir geht spielte eigentlich keine Rolle, nur dass ich schnell fit werde und mein Bett wieder frei wird. Mir ging es Wochenlang körperlich schlecht, hatte fast 2 Liter Blut verloren. Emotional sowieso. Der Abgang war kurz vor Weihnachten, wir hatten es den Familien nicht gesagt und haben versucht so zu tun, als wäre nichts. Ich hab kaum Erinnerungen an die Zeit danach.
Was ich weiß ist, dass ich eigentlich möglichst schnell wieder schwanger werden wollte, damit der Albtraum ein Ende hat. Die ersten Schritte der Diagnostik wurden gemacht und ein Experte schaute auf die Adenomyose. Eigentlich sitzt sie so, dass andere Frauen damit Problemlos schwanger werden. In der KiWU hieß es, das haben sie schon deutlich schlimmer gesehen.

Anfang Februar hatte ich wieder einen positiven Test. Freuen konnte ich mich kaum, hatte gar kein Vertrauen mehr, meldete mich direkt krank. Aber dem Kind, dem wollte ich die Chance geben und ging in Kontakt. Auch dieses Kind war so gewünscht und willkommen. Ich wurde engmaschig bei der Gyn überwacht, Embryo war im im Ultraschall zu sehen, HCG stieg super, bis zur 7. Woche. Dann knickte er plötzlich ab und fing an zu sinken. Ich wusste nicht so recht, ob ich den Abgang nochmal alleine probieren sollte, meldete mich zum Gespräch für eine Kürettage in einer anderen Klink. Vor dem angedachten Termin ging es dann von alleine los, ich wurde dort aber trotzdem sehr gut betreut. Die kleine Geburt selbst war dann fast heilsam, mein Körper hat das alleine und gut geschafft, ich konnte die Wehen fühlen und mich auf den Prozess so einlassen. Die Fruchthülle kam im ganzen, irgendwie wollte ich sie dann auch nicht öffnen sondern wie als Schutzraum belassen. Heimnehmen konnte ich sie auch nicht. Heute würde ich das vielleicht anders durchsetzen, aber würde auch auf Diagnostik am Embryo bestehen.

Tut mir leid, dass der Text so lang ist. Irgendwie gehört das alles für mich dazu. Inzwischen sind wir auch mit Diagnostik weiter und ein paar Sachen wurden gefunden, neben der Endo/Adenomyose auch ein fraglicher immunologischer Befund, ein klein wenig zu hoher Nüchternzucker, ein Turner-Mosaik mit unklarem Anteil und Bedeutung. Dazu schreib ich bei "habituelle Aborte" vielleicht nochmal was, vielleicht hat da die eine oder andere noch Ideen zu. Die Sehnsucht nach dem Kind ist riesig. Gerade mache ich eine Down-Regulierung und kümmere mich um meine Psyche und Traumaverarbeitung.
Vielleicht ist hier ja ein Ort, um den weiteren Weg irgendwie nicht so alleine gehen zu müssen.

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#2

RE: 4 ganz verschiedene Fehlgeburten

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 24.07.2026 21:21
von Susanne • 5.898 Beiträge | 5918 Punkte

Hallo liebe Scilla, herzlich willkommen und mein Mitgefühl für deine Verluste. Du musstest schon viel trauriges erleben, wie geht es dir emotional damit? Und wie deinem Partner? Könnt ihr es gut gemeinsam verarbeiten?
Seid ihr bereits in einer Kinderwunschklinik angebunden oder wird man einem Endo-Zentrum auch bei Kinderwunsch betreut? Fühl dich lieb gedrückt, Susanne


zuletzt bearbeitet 24.07.2026 21:22 | nach oben

#3

RE: 4 ganz verschiedene Fehlgeburten

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 25.07.2026 19:48
von Scilla • 7 Beiträge | 7 Punkte

Danke dir Susanne!
Ehrlich gesagt, emotional gehts mir gar nicht gut damit. Hab aber seit Dezember schon psychologische Unterstützung und jetzt auch einen Platz in einer Tagesklinik für ein paar Wochen. Ich denke und hoffe sehr, dass ich jetzt eher auch verarbeiten kann. Das fällt mir bisher super schwer, weil immer die Frage danach wie es jetzt weiter geht um einen weiteren Verlust zu verhindern, viel Raum einnimmt. Mein Partner hat es viel besser weggesteckt, aber es ist auf jeden Fall oft Thema, mit manchem fühl(t)e ich mich schon sehr allein. Für ihn steckt auch die Angst um mich dafür nochmal anders mit drin. Manchmal klappt es gut mit dem gemeinsam verarbeiten, manchmal war und ist es auch sehr schwierig mit verschiedenen Bedürfnissen und auch Anforderungen (z.B. durch unsere Jobs).

Wir hatten an September eine KiWu-Klinik an der Seite, damit es vielleicht etwas schneller geht und die Endometriose nicht so viel Zeit zum wachsen hat. Haben die KiWu dann aber nur für die Diagnostik gebraucht bisher. Es gibt immer mal Kliniken die Endo und KiWu haben, bisher hab ich aber nur einen Spezialisten für die Adenomyose nochmal um seine Meinung gefragt. Dazu schrieb ich gleich mal was, war nur gestern dann zu viel.

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#4

RE: 4 ganz verschiedene Fehlgeburten

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 26.07.2026 05:03
von Susanne • 5.898 Beiträge | 5918 Punkte

Es ist gut, dass du dir Hilfe gesucht hast. Manche Dinge sind einfach zu schwer als dass man sie allein tragen kann. Gibt es bei dir im Raum Sternenkind-Vereine oder Beratungsstellen mit Gruppenangeboten? Der Austausch mit anderen Betroffenen tut in der Regel gut.


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#5

RE: 4 ganz verschiedene Fehlgeburten

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat Heute 11:45
von Scilla • 7 Beiträge | 7 Punkte

Eigentlich fände ich einen Austausch schon interessant. Im Bekanntenkreis habe ich ein paar Personen, die ganz verschiedene Erfahrungen haben, da tut mir der Austausch auch gut. Bestimmt gibt es auch was organisiertes bei mir in der Gegend (Rhein-Main ist ja groß), aber irgendwie habe ich mich da noch nicht rangetraut. Zum Teil, weil ich versuche meine Erfahrungen klein zu reden, um meinen Alltag noch irgendwie zu schaffen. Zum anderen wurde aber (vmtl. wegen dem Notfall im Dezember) eine PTBS Diagnostiziert, die ich mir anhaltendem Kinderwunsch aber kaum bearbeitet kriege. Da merke ich schon, dass mich das Thema manchmal dann auch sehr überfordert und der Austausch mich wieder in ein Loch reißt.
Die Online-Treffen, die hier angekündigt waren, fand ich spannend (und mein Mann übrigens auch), habe ich aber neben der Tagesklinik aktuell nicht geschafft. Wenn es mehr davon gibt, kann ich mir sowas auch gut vorstellen. Danke für das Angebot, dass du damit schaffst :)

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#6

RE: 4 ganz verschiedene Fehlgeburten

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat Heute 12:05
von Susanne • 5.898 Beiträge | 5918 Punkte

Probier es unbedingt aus. Natürlich hat man immer die Sorge, dass "alte Wunden wieder aufgerissen" werden, aber meist ist es eh in dem Fall dann so, dass dann die Wunde eher entzündet ist und chronisch wurde, als dass sie mit einer Narbe gut verheilt ist. Und natürlich fordern einen solchen Treffen sich mit seinen Gefühlen, die einem vielleicht Angst machen, zu konfrontieren. Dennoch bin ich überzeugt, dass es in der Folge gut tut. So berichten zumindest alle, die so etwas mitgemacht haben.

Also nur Mut! Im September gibt es wieder weitere Online Treffen, sowohl für dich als auch deinen Mann.


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