#1

Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangebot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 03.02.2026 07:43
von Susanne • 5.688 Beiträge | 5708 Punkte

Mittlerweile gibt es einige Sternenkindvereine und Beratungsstellen, die kostenlos schnelle Unterstützung anbieten, dennoch werden viele Angebote nicht angenommen. Es scheint Hemmschwellen zu geben, und mich würde interessieren: Was hat euch daran gehindert persönlich wohnortnah oder digital Hilfe zu holen, obwohl ihr Hilfe gebraucht habt? Über eine kurze Nennung eurer Beweggründe würde ich mich freuen.


zuletzt bearbeitet 06.02.2026 08:09 | nach oben

#2

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 03.02.2026 11:04
von Nine87 • 682 Beiträge | 682 Punkte

Liebe Susanne, meine MA ist nun schon einige Zeit her, trotzdem kann ich noch zwei Gründe nennen.

Zum einen fühlte es sich für mich nie richtig an. Ich kann es nicht ganz beschreiben. Irgendwie das Gefühl als wäre mein Leid nicht so schlimm. Es hätte so viel schlimmer kommen können. Eine frühe MA in der 9 SSW. Andere waren viel weiter mit ihrer Schwangerschaft oder sogar mit dem fertigen Baby.

Und da komme ich schon zum zweiten Grund. Ich weiß und wusste nicht, ob ich das Leid der anderen ertragen hätte können.

nach oben

#3

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 03.02.2026 14:26
von Umut • 3.074 Beiträge | 3076 Punkte

Für mich gab es damals nichts mehr zu retten. Das baby war tot. Wenn ich dran gestorben wäre, wäre es mir zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich egal gewesen da es keinen Grund gab weiterzuleben. Entsprechend bin ich auch nicht zum arzt oder Hebamme um von solchen Angeboten überhaupt was mit zu bekommen.

Ich hätte auch nur anonym etwas gemacht, wenn überhaupt. Entsprechend wären Dinge vor ort eher weggefallen.

nach oben

#4

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 03.02.2026 19:20
von Nelke • 2.640 Beiträge | 2650 Punkte

Wenn ich zurückdenke glaube ich, das mir selbst einfach die Kraft gefehlt hat nach Hilfe zu suchen.
Das forum hat mir mein Mann vor die Nase gehalten. Ohne ihn wäre ich hier nicht gelandet.
Meine Ärzte sahen alles als so verdammt normal an und Hilfestellen hat mir keiner vorgeschlagen.
Die Mentalität der Frauenärzte und Hebammen war eher, dass traurig sein normal ist und dass das irgendwann von alleine vergeht... Es gab mir eher das Gefühl, dass meine traurigkeit übertrieben sei...

nach oben

#5

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 03.02.2026 20:17
von Lagenodelphis • 251 Beiträge | 251 Punkte

Ich bin zu einer Trauergruppe gegangen und war dort auch gern. Passt also nicht ganz, dass ich hier antworte. Ich hatte aber genau dieselben Gedanken wie Nine. Die meisten in der Gruppe waren viel viel weiter als ich mit meiner MA (gestorben in der 9. SSW). Sie waren alle super lieb und haben mein Sternchen nie kleingeredet, trotzdem kamen mir ihre Geschichten immer wichtiger und schlimmer vor als meine und sie sind mir sehr nahegegangen, ähnlich wie hier im Forum.
Als ich wieder sichtbar schwanger war ging ich nach Rücksprache mit der Gruppenleiterin nicht mehr hin, weil ich von manchen wusste, dass sie ganz große Schwierigkeiten damit haben mit Schwangeren konfrontiert zu werden. Auch wenn diese selbst Betroffene sind. Ich kanns verstehen, trotzdem ist es für mich sehr schade, da ich dort einen Raum hatte wo mein Sternchen mehr präsent sein konnte. Sonst spreche ich kaum noch darüber...

nach oben

#6

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 03.02.2026 23:19
von Zebrafink • 66 Beiträge | 66 Punkte

Ich bin zwar mittlerweile in einer Selbsthilfegruppe vor Ort, habe mich aber auch erst nach dem zweiten Verlust dort "hingetraut", aus den gleichen Gründen wie bei Nine und Lagenodelphis. Mit einer einzelnen frühen Fehlgeburt, bei der man eben von Pech ausging, hatte ich Sorge, dort neben Müttern fehl am Platz zu sein, deren Kinder später in der Schwangerschaft, bei oder nach der Geburt verstorben sind. Eben "nicht schlimm genug".

Die Kursleiterin meinte beim ersten Treffen, dass es vielen Frauen so geht und sie deshalb immer direkt beim ersten Telefonat betont, dass Würde und Trauer gewichtslos sind und alle Frauen willkommen sind, die ihr Kind wann auch immer in der Schwangerschaft verloren haben. Es sind auch tatsächlich auch einige mit "nur" einem frühen Verlust dabei, diese liegen zum Teil auch schon länger zurück, sodass sie die Gruppe nicht mehr unbedingt zur Trauerbewältigung brauchen, aber ihre Geschichte erzählen und anderen Mut machen möchten.

Vielleicht würden sich mehr Frauen mit frühen Fehlgeburten trauen, wenn ganz klar kommuniziert ist, dass sie auch angesprochen sind?

nach oben

#7

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 04.02.2026 13:28
von murmel • 2 Beiträge | 2 Punkte

Ich kann mich hier anschließen. Durch den frühen Abgang hatte auch ich das Gefühl, dass unser Schicksal "nicht so schlimm wie bei anderen" ist und ich in diesen Gruppen fehl am Platz bin. Dieses Gefühl hat mir auch meine Hebamme vermittelt. Ich hatte Angst, dass ich mit genau solchen Aussagen konfrontiert werden würde. Da ich mich vor solchen Reaktionen schützen wollte, habe ich kein Hilfsangebot angenommen.

nach oben

#8

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 04.02.2026 13:50
von Susanne • 5.688 Beiträge | 5708 Punkte

Ich grätsche einmal hier rein, weil scheinbar viele ihre eigene Trauer kleinreden und bei allen der ähnliche Grund ist "ich habe kein Recht mir Hilfe zu holen, weil ich mein Kind früher verloren habe als vielleicht andere in der Gruppe. Ich hätte es ja noch schlechter treffen können".
Ich denke, dass ich da für alle Leitungen dieser Treffen spreche: die Trauer misst sich nicht an der SSW, und das ist auch kein Thema bei den Treffen. An sich sollte es um die Trauerarbeit gehe, da ist es letzlich egal, wann und wie das Kind starb. Es eint alle die Trauer und das Erleben/die Erfahrungen im Leben danach, und nur darum geht es. Die Schicksale werden sich nie 100%ähneln können.
Darüber hinaus gibt es auch immer noch die Möglichkeit Einzelgespräche in Anspruch zu nehmen. Und daher möchte ich euch ermutigen, nehmt Hilfe in Anspruch, ihr dürft und sollt das!!


zuletzt bearbeitet 04.02.2026 14:13 | nach oben

#9

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 04.02.2026 14:05
von Nine87 • 682 Beiträge | 682 Punkte

Danke liebe Susanne, problematisch scheint ja nicht nur zu sein, dass das eigene Empfinden so ist, sondern auch das befeuern durch Gyns und Hebammen. Diese tragen anscheinend nicht dazu bei dem Frauen helfen zu wollen. Für diese "Experten" ist eine MA normal. Schade, das es so ist. Wäre es anders gewesen, hätte ich vielleicht doch mal zum Telefon gegriffen.

Ich frage mich dann, warum Gynäkologen und Hebammen da nicht mehr unterstützen. Wirklich schade.

nach oben

#10

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 04.02.2026 14:12
von Susanne • 5.688 Beiträge | 5708 Punkte

Das ist natürlich ein wichtiger Punkt, der das ganze noch verstärken kann. Ich war am Montag auf einer Fachtagung und ich denke, es wird sich was tun.
Es ist Bewegung in die Politik gekommen und damit auch die Gesellschaft.


zuletzt bearbeitet 04.02.2026 14:17 | nach oben

#11

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 04.02.2026 18:10
von Dany • 772 Beiträge | 772 Punkte

Ich habe nach jeder FG von meiner FÄ den Hinweis auf die Sterneneltern-Selbsthilfegruppe bekommen. Aber ich war einfach nicht so weit. Ich habe meinem Körper gehasst, dass er nicht schwanger bleiben konnte und war auch einfach nicht bereit, Hilfe anzunehmen. Und ja, auch der Gedanke, dass andere Eltern, deren Kinder später gestorben sind, mich und meine Trauer nicht ernst nehmen könnten, spielte eine Rolle. Die Hemmschwelle war dann doch hoch.
Erst nach der dritten FG suchte ich den Kontakt und war auch bei einigen Treffen. Seither empfehle ich das auch weiter. Es war gut, den Raum und die Zeit zum (gemeinsamen) Trauern zu haben. Es wird jeder auf- und ernst genommen, egal wann das Kind gestorben ist. Ich bin dann nicht mehr zu den Treffen, als ich erneut schwanger wurde. Die Geschichten der anderen Eltern (es waren auch Väter dabei) sind mir doch immer nachgegangen und ich wollte meine Ängste dann nicht zusätzlich in der Schwangerschaft befeuern.

nach oben

#12

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 05.02.2026 19:52
von Stark2025 • 49 Beiträge | 49 Punkte

Hallo ihr,
Ich war so „depressiv“ dass es für mich unvorstellbar war die Wohnung zu verlassen!
Geschweige mein leid auszusprechen…von meinem FA habe ich die Telefonnummer von einer Psychologin bekommen ich konnte es nicht in Anspruch nehmen…hab viel geschrieben…und dann durch Zufall diese Gruppe hier gefunden…mir tat es gut ALLES ungefiltert zu sagen, auszusprechen in einem „anonymen“ raum…ich habe hierdurch eine Anlaufstelle gefunden - ich weiss nicht, ob ich es ohne euch geschafft hätte, dafür von herzen ♥️ danke!!!!


zuletzt bearbeitet 06.02.2026 05:43 | nach oben

#13

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangbot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 06.02.2026 05:52
von Susanne • 5.688 Beiträge | 5708 Punkte

@stark Ich freue mich, dass wir helfen konnten! Die Gemeinschaft hier ist wirklich goldwert, hilfsbereit, tragend und liebenswert, und oft für die allermeisten die erste Anlaufstelle, das denke ich auch immer wieder. Und vielleicht kann man dann in diesem Raum zur Annahme eines anderen Hilfsangebot ermutigen, darin bestärken, dass ihr es dürft.


zuletzt bearbeitet 06.02.2026 07:00 | nach oben

#14

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangebot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 15.02.2026 08:23
von Susanne • 5.688 Beiträge | 5708 Punkte

Auch diese Frage möchte ich nochmal in den Fokus rücken. Es gibt nämlich (leider) Daten, dass nur 30% der Betroffenen sich Hilfe suchen, obwohl sie welche gebraucht hätten. Das ist traurig und sollte nicht so sein. Aktuell wird im Rahmen des Sternenkinderprojekts NRW ein Leitfaden entwickelt, an dem ich ein wenig mitwirke, bei dem diese Fragestellung wichtig ist. Daher schreibt bitte gerne weiter Eure Einstellung dazu.


nach oben

#15

RE: Warum habt ihr kein persönliches Hilfsangebot in Anspruch genommen?

in Umfragen zu verschiedenen Fragestellungen 15.02.2026 08:57
von Herbsthimbeere • 31 Beiträge | 31 Punkte

Guten Morgen,

dann gebe ich hier auch mal kurz Rückmeldung. Tatsächlich habe ich nach dem zweiten Abgang (den ersten habe ich einfach verhältnismäßig gut weggesteckt) anfangs überlegt und mir Informationen über die Angebote lokaler Selbsthilfegruppen eingeholt. Leider waren diese für meine Region auf dem Stand von 2024 und die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen (nicht die Leitung der Gruppen selbst) liegt bei einer Arbeitskollegin. Da ich mich auf der Arbeit niemandem anvertrauen wollte, war da entsprechend eine gewisse Hemmschwelle, die Aktualität der Informationen zu erfragen - wobei mein Fall in der Hinsicht halt auch speziell ist.

Dank meinem Umfeld und dem Forum hier muss ich aber auch sagen, dass ich mich trotzdem insgesamt sehr gut unterstützt gefühlt habe ❤️
Ob ein Angebot vor Ort den Umgang noch weiter erleichtert hätte, kann ich nur mutmaßen.

nach oben


Besucher
5 Mitglieder und 23 Gäste sind Online:
Susanne, Sarah_, Holli, Finselchen, Alexa_ndra

Forum Statistiken
Das Forum hat 2401 Themen und 56339 Beiträge.


Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen