#1

Kurzes Glück

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 22.01.2026 19:26
von Siebenhorn • 3 Beiträge | 3 Punkte

Ich stelle mich gerne vor und erzähle unsere Geschichte. Mein Name ist Sandy und ich bin 36 Jahre alt. Ich wusste nie, ob ich überhaupt schwanger werden kann. Nicht das ich es überprüft hatte, aber ich war nahe dran - es war bereits ein Thema bei meiner Frauenärztin, welche meinte, man müsse es mindestens 1 Jahr lang probiert haben. So kam es und tatsächlich wurde ich auf den natürlichen Weg zum ersten Mal schwanger. Was für ein unglaubliches Glück, all die ersten wunderschönen Momente voller Freude, die uns überwältigten. Ich habe bereits ein Tagebuch geführt und alles was wir erlebt haben reingeschrieben. Die ersten Ultraschallbilder reingeklebt und die ersten Fakten notiert. Wer mich kennt weiss ich bin ein offenes Buch und ich bereue es nicht. Wir konnten unser Glück nicht für uns behalten das erste Baby kommt, die ganze Welt soll es wissen. War es ein Fehler? Nein, auch bei Traurigkeit und schlechten Nachrichten behalte ich es nicht zurück und gehe offen damit um. Wir haben beide eine sehr grosse Familie und auch einen tollen Freundeskreis, wir hatten alle informiert und auch unser Geschäft wusste davon- es fiel ja auch alles auf, die Termine, ich rauchte und trank nicht mehr. Ich bin nicht gut im Lügen oder im Schauspielern, also gingen wir sehr offen damit um. Ja nur leider ging diese Euphorie nicht lange.. in der achten Woche kamen Blutungen und ich dachte mir noch nicht viel dabei, blieb positiv, das kann es geben, hiess es. Aber ich möchte nochmal kurz zurück zur Schwangerschaft kommen, ich war unglaublich zufrieden, hatte solche positiven Gefühle und war unglaublich zufrieden, lieb, relaxed, eifach toll- die Schwangerschaft tat mir gut. Als ich davon erfahren hatte war ich gerade an meiner Abschlussprüfung zur Sachbearbeiterin Immobilienbewirtschafterin und hatte gerade Lernferien. Oh das was ein unerwarteter Moment, aber wenn ich heute zurück blicke, half mir die Schwangerschaft druch die Prüfung- ich war so locker und ruhig, absolut nicht nervös und bestand sie. Ich denke unser kleines Wunder hat mich unterstützt. Auch mein Partner (44 Jahre alt) meinte ich sei viel anhänglicher und zufriedener seid der Schwangerschaft. Leider hatte ich sehr oft fast täglich unerträgliche migräne Abends.. bis hin zum Tag an dem es passierte. Innerlich wusste ich es bereits. Im Geschäft hatte ich am Tag davor so einen Groll in mir und war nicht sehr lieb, war zickig und sehr direkt und ich bin sonst eine sehr liebevolle empathische Person. Am vorabend stritt ich dann auch noch mit Freundinnen im Gruppenchat und sagte einer die Meinung. Der Streit war berechtigt, aber doch nicht so- das war nicht ich! Als mir dann klar war, man fühlt es bzw. Ich merkte das kleine Herzchen schlug nicht mehr, wollte ich es nicht wahrhaben. Die Frauenärztin untersuchte mich am nächsten Tag als ich die Blutungen meldete und bestätigte das kein Herzschlag mehr da ist. Meine Welt blieb stehen und brach in sich zusammen. Ich weinte und wollte nur noch zu meiner Mutter. Mein Partner war mir in dieser Zeit zur Seite aber Männer machen das mit sich anders aus. Er trauerte mit mir ja, aber der Tag kam als es einfach weiterging, nicht wahr? Nur bei mir nicht.. die Trauer ist noch da, ich wiederhole mich. Doch mit wem spreche ich darüber? Ich fühle mich damit allein gelassen und es wird nur noch totgeschwiegen. Was aber das allerschlimmste an dem ganzen ist und mich wunderimmt ob es noch anderen damit gleich geht, es ist nun 1 Jahr her und jeder Monat bilde ich mir ein wieder schwanger zu sein und das macht mich fertig! Diesen Monat war ich mir so sicher, alle Symtome waren da! Ganz bestimmt, aber die Periode auch.. der Test wieder negativ. Wann hört das auf. Wir forcieren keine Schwangerschaft und dennoch bilde ich es mir Monat für Monat ein. Es tut einfach nur weh.


zuletzt bearbeitet 24.01.2026 07:28 | nach oben

#2

RE: Kurzes Glück

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 23.01.2026 18:56
von Ahoii • 126 Beiträge | 126 Punkte

Liebe Siebenhorn,
mein Beileid zu eurem Verlust.

Kannst du für dich herausfinden welche Gedanken dich so quälen und warum es so arg weh tut?
Kann es sein, dass der Kinderwunsch doch sehr groß ist und ihr es vielleicht forcieren solltet? Ohne dir zu nah treten zu wollen? Aber wenn der Wunsch da ist, könntest du das mit deiner Gynäkologin besprechen und beim Hausarzt ein paar Tests machen, und es natürlich angehen. Vielleicht hilft es auch mit dem Partner zu sprechen?

Leider trifft es sehr viele Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden. In meinem näheren Umfeld kenne ich leider nur wenige, die damit verschont geblieben sind..mir wäre es auch fast so ergangen, wäre da nicht der Wunsch nach einem Dritten Kind gekommen...und dann kam die MA.

Mein Hoffnungsschimmer ist, dass alle meine Freunde und Bekannte, nach ihrer Fehlgeburt, dann eines Tages ein gesundes Baby auf die Welt gebracht haben.

Gibt es vielleicht auch Selbsthilfegruppen in deiner Nähe?

zuletzt bearbeitet 23.01.2026 18:57 | nach oben

#3

RE: Kurzes Glück

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 24.01.2026 07:37
von Susanne • 5.688 Beiträge | 5708 Punkte

Hallo liebe Sandy, herzlich Willkommen und mein Mitgefühl für deinen Verlust. Viele Frauen machen die Erfahrung, dass das Umfeld nach einer gewissen Zeit zur Routine zurückkehrt und der Verlust in die Vergessenheit gerät. Gerade bei frühen Verlusten wird diesem auch nicht so eine große Wichtigkeit zugeschrieben. Da helfen oft eben unser Forum oder Gruppentreffen zum Thema, wo man auf andere trifft. Das hilft meiner Erfahrung nach.
Wie geht dein Partner mit dir und der Situation um? Wollt ihr denn ein Kind haben? Wieso gab es den Verdacht, dass du nicht schwanger werden könntest?
Liebe Grüße Susanne


zuletzt bearbeitet 24.01.2026 07:37 | nach oben


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