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Geburtsbericht "kleine Geburt" mit Cytotec

in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 10.01.2026 12:19
von Ahoii • 6 Beiträge | 6 Punkte

Hallo,

vor ein paar Monaten wurde bei mir eine missed abortion fest gestellt, da war ich in der 10 SSW, und es stürzen so viele Emotionen, Gedanken und Erfahrungen über einen ein, das man gar nicht weiß wohin damit. Mir half es sehr Erfahrungsberichte zu lesen und gab mir auch Mut, auf einen natürlichen Abgang zu warten bzw. diesen am Ende mit Cytotec einzuleiten.
Also habe ich beschlossen, meine Geschichte ebenfalls zu teilen, und vielleicht kann ich jemand anderem etwas Hoffnung und Mut in dieser schwierigen Zeit zurück geben. Und vor allem, dass man auf sein Bauchgefühl hören soll und sich nicht zu etwas drängen lässt, was man nicht will.
Der Text ist sehr lang geworden, aber ich habe versucht auch viele Informationen reinzupacken, da mir diese Infos sehr geholfen haben. Ich habe es in 3 Teile gegliedert: Diagnose, Steinige Weg an Cytotec zu kommen, und der Abgang selbst.


Meine Geschichte:
Beim 1. Termin bei meiner Frauenärztin, da war ich bei 7+2, war das Kleine bei 6+4, SSL 56 mm, aber das Herzchen schlug kräftig. Meine FA meinte nur, das Kind ist etwas kleiner als es sein sollte. Das Herzchen schlägt, alles ok. Wir sehen uns in 2 Wochen wieder.

Ich verließ die Praxis und fing an zu recherchieren und in Foren zu lesen, und mich überkam der Gedanke, dass das Kind es nicht schaffen wird. Doch ich suchte auch nach Stohhälmen, um mich an etwas positivem fest halten können. Es gibt eine Tabelle im Internet die SSL und eine Bandbreite an Tagen nach der Befruchtung angibt, und wir fielen noch knapp darein.
Schaute mir Ultraschallbilder meiner anderen zwei erfolgreichen Schwangerschaften an, und stellte irgendwann fest, dass mein zweites Kind, auch Mal 5 Tage "zurück entwickelt war" in der 9 SSW. Ich versuchte positiv zu bleiben, doch das gelang mir ganz schwer. Es fühlte sich anders an. Der Bauch "wuchs" nicht. Ich hatte zwar Schwangerschaftsanzeichen, aber etwas war anders.

Zwei Wochen darauf, sah ich gleich im Ultraschall, dass etwas nicht stimmte. Ich war 9+2, und das Baby war kaum zu sehen. Tatsächlich war sein Entwicklungsstand bei 6+4 stehen geblieben. Kurz nachdem ich die Praxis vor 2 Wochen verlassen habe, musste das Herz aufgehört haben zu schlagen.
Meine Ärztin bat mich, dass ich mich erst einmal anziehe, und wir besprachen die Optionen. Und vor allem sagte sie, dass ich jetzt Zeit habe. Sie drängte also nicht direkt ins Krankenhaus zu fahren. Der Satz, dass ich Zeit habe, tat mir sehr gut und half mir durch die nächsten Tage. Sie gab mir eine Überweisung ins Krankenhaus, und ich könnte eine Ausscharbung machen oder es medikamentös abgehen lassen. Sie riet mir allerdings zu einem medikamentösen Abgang.
Vom natürlichen Abgang erwähnte sie nichts, und zu dem Zeitpunkt, wusste ich auch gar nicht, dass man auf einen natürlichen Abgang warten konnte.

Ich verließ halbwegs gefasst die Praxis, doch kaum erreichte ich mein Auto, überkamen mich die Gefühle und die Trauer und die Tränen flossen. Ich schrieb meinem Mann, dass das Kleine es nicht geschafft hat. Wir telefonierten während der Autofahrt. Ich weinte viel, und als ich ankam, weinte ich mich für den Moment aus, trocknete meine Tränen und versuchte stark zu sein, denn ich musste ja zu meinen zwei kleinen Kindern nach Hause.
Wir meisterten die Tage mit den Kindern, man funktionierte so gut es ging, ich war natürlich oft mit meinen Gedanken bei meinem toten Baby im Bauch, recherchierte, las Foren, und meistens abends im Bett weinte ich dann bittere Tränen, für einen kurzen Moment, denn ich wollte meine Tochter, die neben mir schläft, natürlich nicht wecken.


Die 3 Möglichkeiten nach einer Fehlgeburt und wie schwer es für mich war, an Cytotec zu kommen:

Ich lass viel über die 3 Möglichkeiten des Abgangs nach einer Fehlgeburt. Sprach mit Freunden und hörte/las verschiedene Geschichten zu Abgängen. Und entschied mich relativ schnell, dass ich einen medikamentösen Abgang möchte, da er planbarer ist, als ein natürlicher Abgang. Da ich die Kinder zu Hause betreue, und mein Mann auf der Arbeit ist, fühlte ich mich damit einfach wohler. Ich wollte den Abgang und Abschied auf ein Wochenende legen.

Ich rief am nächsten Tag im Krankenhaus an. Am Telefon sagte die Sekretärin, dass ich gerne morgen früh, am besten nüchtern kommen könnte..oder auch heute. Für solche Fälle haben sie immer Zeit! Ich fragte weshalb ich nüchtern kommen solle, wegen einer Operation? Die möchte ich aber nicht, dass ich Medikamente möchte. Sie sagte dann nur, dass ich das mit der Ärztin besprechen soll, und kommen kann, wann ich möchte. Ich ging dann Freitag morgens hin, nachdem unsere Babysitterin da war.
Die Ärztin im Krankenhaus war sehr lieb und rücksichtsvoll. Sie machte einen Ultraschall, um die Diagnose noch einmal zu bestätigen. Und sagte mir dann, dass sie nicht mit Medikamenten arbeiten (Wieso wurde mir das nicht gleich am Telefon gesagt?). Wenn ich einen Abgang mit Medikamenten wünsche, müsste ich einen niedergelassen Arzt finden, der mir diese geben würde. Das Krankenhaus arbeitet nur mit einer Ausscharbung. Über einen natürlichen Abgang erwähnte sie nichts. Erst als ich sie darauf angesprochen habe, sagte sie, dass ich auch warten könnte, bis es natürlich abgeht. Das sie das manchen Frauen raten würde. Aber wie lange man denn warten möchte. Und wenn man zu lange wartet, würde es sich irgendwann entzünden. Dann würde man eine Not-OP riskieren. Wenn ich wollen würde, könnten sie mich heute noch operieren.
Zum Glück kam ich extra nicht nüchtern dahin, weil ich mich nicht drängen lassen wollte. Um 14 Uhr wäre ich nüchtern gewesen und dann hätten sie mich operieren können. Der Eingriff dauert nur 10-15 Minuten, Risiken gäbe es laut ihrer Aussage kaum welche. (So ein Schwachsinn!) Nach dem Eingriff bliebe man dann noch 3 Stunden dort, zur Kontrolle, da der Eingriff unter Vollnarkose erfolgt. Das würde bedeuten, ich wäre 9 Stunden weg von meinen Kindern, ohne daß sie gewusst haben wo ich bin. Ich hatte einen kurzen Moment, wo ich kurz davor war die OP noch am gleichen Tag zu machen, doch mein Mann, wiederholte, dass ich eine OP eigentlich nicht will, dass ich nichts überstürzen soll, was ich später bereuen könnte und dass ich die OP, wenn ich sie dann doch will, auch noch nächste Woche machen könnte. Aber so hätte ich wenigstens noch das Wochenende, um mir Gedanken zu machen. Wie dankbar ich ihm für diesen Rat bin.
Übers Wochenende recherchierte ich noch mehr, lass in Foren, schaute YouTube Videos. Und meine Entscheidung war wieder die gleiche, ich möchte keine OP. Am Montag fing ich an unterschiedliche Frauenarztpraxen anzurufen und zu fragen, ob sie einen Abgang mit Medikamenten unterstützen würde. Ich erhielt unterschiedliche Antworten: Man hätte dafür keine Zulassung; ich wäre schon zu weit; man würde mir das Medikament geben, aber ich müsste dafür selbst aufkommen mit 520€; man würde damit nicht arbeiten und warum ich mich nicht einfach operieren lassen würde.

Mich überstieg Wut, extreme Wut, Machtlosigkeit, Trauer, Fassungslosigkeit, Enttäuschung, alles in allem. Ich fühlte mich, als ob man mich zu etwas drängt, was ich doch gar nicht will, eine Ausscharbung unter Vollnarkose. Oder ich warte auf den natürlichen Abgang.

Mittlerweile war 1 Wocher vergangen, nachdem ich die Diagnose missed abortion erhalten habe.
Das Baby müsste bereits ca. 3 Wochen tot gewesen sein. Ich habe gelesen, dass der natürliche Abgang oft nach 2-4 Wochen einsetzt. Doch ich hatte nicht das Gefühl, dass mein Körper bald los lassen würde. Es wurde nie ein HCG Wert bestimmt.
Es gibt übrigens ein sehr informatives Ärzteblatt über die drei Abgänge, mit Daten, die ich irgendwann alle auswendig konnte.

Ganz alleine einen natürlichen Abgang zu machen, hatte ich irgendwie auch Angst, ich weiß nicht warum, aber ich denke, es ist der Gedanke, dass man bei dieser kleinen Geburt ganz alleine ist, und nicht im Krankenhaus wie bei den vorherigen Geburten. Ich rief also am Dienstag meine Frauenärztin an, schon sehr verzweifelt und wollte mit ihr den natürlichen Abgang besprechen, da sagte sie mir, ich soll in folgendem Krankenhaus (Krefeld, Helios) anrufen, die würden mit Medikamenten arbeiten. Und sie klang leicht panisch, dass ich immernoch keinen Abgang hatte.

Ich rief in der Klinik an, bekam für Freitag einen Termin. Fragte mehrmals am Telefon, ob ich das Medikament auch bekommen würde, und bekam jedesmal ein Ja..Auf keinen Fall wollte ich noch einmal Zeit in einem Krankenhaus verschwenden.


Mein Abgang mit Cytotec:
Am Freitag (fast SSW 12), 1,5 Wochen nach meiner MA Diagnose, bekam ich endlich Cytotec. Ich traf auf eine Ärztin, mit der ich mich auf Augenhöhe unterhalten konnte, da ich mittlerweile so gut informiert war.
Sie bestätigte erneut, dass das Kleine sich seit der 7 SSW nicht mehr weiter entwickelt hat.
Normalerweise gibt es Cytotec als Kombi mit Mifegyne. Da ich allerdings meine Tochter noch stille, und es für Mifegyne zu wenig Daten bzgl des stillens gibt, haben wir beschlossen nur das Cytotec alleine zu nehmen. Der Vorteil war, dass sie mir die 4 Tabletten Cytotec (800 mg) dann gleich vaginal einführen konnte (Das war kurz vor 12 Uhr). Ansonsten hätte ich nach der Einnahme von Mifegyne 24-36 Stunden warten müssen, bevor ich Cytotec nehmen könnte.
Meistens fängt Cytotec nach 2-4 Stunden an zu wirken. Sie sagte allerdings auch noch, wenn sich bis Montag nichts tut, soll ich wieder kommen. Also dachte ich, ich hätte noch etwas Zeit. Nahm die Ibuprofen 400 in der Klinik ein, und dachte mir noch, wie übertrieben das ist, jetzt schon eine IBU zu nehmen..wie falsch ich da lag.

Kaum war ich am Auto angekommen und fuhr los, fingen die Krämpfe an. Wie starke Unterleibschmerzen, und es zog im unteren Rücken. Wie eine Wehe fühlte es sich nicht an, bloß wie ein dauerhafter Krampf. Ich war wirklich sehr dankbar für die IBU. Zu Hause angekommen, ca 30 Min nach der Medikamentengabe, begann eine leichte Blutung. Ich legte meine Tochter schlafen, ass zu Mittag. Ich bekam leichte Magenschmerzen, ich weiß nicht ob es von Cytotec kam oder weil ich Ibuprofen auf einen halb leeren Magen genommen habe. Ich machte mir einen Kamillentee und lass ein Buch mit meinem Sohn. Die Unterleibschmerzen zogen sich ununterbrochen durch. Manchmal war es etwas stärker, aber eigentlich kontinuierlich stark.
Die Blutung wurde ca 1 Stunde nach Medikamentengabe stärker, und es kamen kleine Koalgen raus. Die Blutung war ca wie 1.-2. Tag Periode. Gegen 15 Uhr wurden die Schmerzen stärker, ich legte mich mit einer Wärmflasche ins Bett, und freute mich auf die nächste Ibuprofen.
Zeitweise hatte ich das Gefühl die Schmerzen veratmen zu wollen. In bestimmten Zeitabständen. Rückwirkend waren es wahrscheinlich Wehen, doch ich spürte sie nicht so sehr, weil es einfach ein dauerhafter Unterleibkrampf war und es zog sehr im unteren Rücken. Es war aber gut auszuhalten. Diese Schmerzen erinnerten mich sehr an meine starken Periodenschmerzen vor meiner 1. Geburt, die ich meistens ebenfalls nicht ohne Ibuprofen überlebt habe, und im Bett verbracht habe.
Gegen 18 Uhr ging ich dann aufs Klo, da spürte ich plötzlich, dass etwas größeres langsam in mir runter flutscht. Ich packte schnell etwas Klopapier und fing es auf. War total überfordert mit dem großen Gewebestück und legte es erst einmal ins Wasser und war durcheinander und mir war etwas übel geworden, vom Anblick des Gewebestück. Sofort waren die Unterleibsschmerzen/Wehen weg. War das mein Baby bzw die Fruchthöhle? War das der Abgang?
Ich legte mich wieder ins Bett und wartete, ob nochmal etwas abgeht. Ich recherchierte wie Fruchthöhlen aussehen, sah verschiedene Bilder, lass Foren und Beschreibungen, und ich wurde immer sicherer, dass das mein Baby war.
Es kam nichts mehr raus. Auch die Schmerzen waren weg und die Blutung wurde wie ca. 3.-4. Tag Periode.
Stunden später und am nächsten Tag schaute ich mir noch Mal an was abging. Es war ein großes Stück Gebärmutterhaut, daran war die Fruchthöhle dran, und vielleicht die Plazenta oder ein großes Koalgen. Die Fruchthöhle mit dem Baby war intakt, allerdings habe ich das Baby nicht sehen können. Ich versuchte die Fruchthöhle leicht zu öffnen, aber hatte zu große Angst das Baby zu verletzen, und ließ es dann darin. Es war ja noch so klein.

Ich kann Wochenbett Einlagen sehr empfehlen, und Menschen in der Nähe, die einem gut tun.
Es gibt auch eine App (Alli), die einen bei einem medikamentösen Abgang begleitet. Ich habe sie allerdings nicht benutzt.

Fast 3 Wochen nach dem Abgang, hatte ich wieder einen Eisprung. 2 Wochen danach meine 1. Periode.

Im 2. Zyklus nach dem Abgang, durfte ich wieder positiv testen. Und wir hoffen und wünschen uns nichts mehr, als das diesmal alles gut geht und wir unser Glück im Herbst gesund im Arm halten können.

Ich wünsche allen hier im Forum, dass sie liebevolle Menschen um sich haben, die sie durch die schwere Zeit begleiten und dass vielleicht auch noch ein Happy Ende auf uns alle wartet. ❤️

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#2

RE: Geburtsbericht "kleine Geburt" mit Cytotec

in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 10.01.2026 12:49
von Susanne • 5.518 Beiträge | 5538 Punkte

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft und danke für deinen Bericht.
Leider ist es nach wie vor so, dass man Glück haben muss an eine informierte, engagierte Ärzt*in zu geraten, die einen komplett und richtig aufklärt (es besteht nur eine minimalste Entzündungsgefahr beim Warten von 1-2%, ähnlich wie bei den anderen Optionen) und dann auch noch das Medikament verschreibt, denn verordnen darf es jede*r Ärzt*in. Dann wird es nur schwierig an das Medikament zu kommen, da es in D nicht mehr vertrieben wird. Man kann es im besten Fall in einer Praxis, die auf Abbrüche spezialisiert ist, beziehen (Vorsicht, die versuchen es dann oft entsprechend privat abzurechnen, was falsch ist!!) oder im Krankenhaus, wo die Gefahr besteht, dass die einen auf dem OP Tisch haben wollen. Dafür gibt es immer freie Kapazitäten...
Die andere Möglichkeit ist es die Medis in Holland mit Privatrezept zu bestellen, leider Kosten von knapp 150 Euro, weil man 60 Stück kaufen muss (Webseite auf Nachfrage per PN). Leider erfordert alles viel Kraft und Nerven, viel Telefoniererei, die einen oft dann verzweifeln lässt. Alles nicht so ideal.... Hier wäre es dringend nötig, etwas zu tun.

Ich wünsche dir alles Gute, Susanne


zuletzt bearbeitet 10.01.2026 12:55 | nach oben

#3

RE: Geburtsbericht "kleine Geburt" mit Cytotec

in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 10.01.2026 13:12
von Ahoii • 6 Beiträge | 6 Punkte

Vielen Dank für die Glückwünsche und deine Antwort. Vielen Dank auf für diese Seite,.die so vielen Frauen hilft.

Ja, diese Erfahrung habe ich leider auch gemacht und je nach Arzt bekommt man auch andere Ratschläge. Da wir an der Grenze zu Holland wohnen habe ich auch dort eine Praxis angeschrieben, aber das war leider auch nicht erfolgreich, allerdings kam ich nicht auf die Idee die Medikamente zu bestellen und liefern zu lassen. Ich fand es aber schön zu lesen, wie die Praxen in Holland vorgehen. Und zwar dass sie erst den natürlichen Abgang abwarten. Erst wenn der Körper es nicht alleine schafft, wird zu Medikamenten gegriffen, und ein operativer Eingriff ist erst die letzte Option, da es viele Risiken mit sich bringt.

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