Stille Geburt 17Ssw
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Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 05.01.2026 21:05von Pipapo522 • 5 Beiträge | 5 Punkte
Hallo zusammen. Ich bin neu hier und freue mich auf den Austausch hier. Schade, dass ich dieses Forum nicht vorher schon gefunden habe, als die akute Zeit vor mir lag. Ich habe schon einige Beiträge gelesen. Allen Personen hier richte ich mein wärmstes Mitgefühl aus und eine dicke Umarmung.
Hier mein Grund der Anmeldung (hoffentlich habt ihr Ausdauer beim lesen):
Seit August 25' wussten wir, dass wir erneut ein Kind erwarten dürfen. Die Freude war riesig groß. Ich war zunächst etwas beunruhigt, da ich genau an 6+0 eine braune Blutung bemerkte..ganz minimal..bei einem US am Folgetag, konnte Entwarnung gegeben werden "alles gut". Die Fruchthöle war RIESIG es hätten locker 5 Winzlinge rein gepasst. Die fehlende Übelkeit machte mir zunächst auch Sorgen- diese kam aber mit voller Wucht nach der ersten Untersuchung..EXTREM..kein Essen, keine Medikamente, kein Hilfsmittel konnte mir Linderung verschaffen. War ich auf der anderen Seite doch sehr froh darüber, denn man liest: "bei Frauen, die über extreme Übelkeit klagen, ist die Entwicklung des Fötus gesichert und die Schwangerschaft geht gut aus"
12+0 wogen wir uns auch in "Sicherheit"- die Magischen 12 Wochen..Jetzt kann doch NICHTS mehr schief gehen..bei einem Termin bei der Pränataldiagnostikerin war laut ihrer Aussage auch "alles bestens!" Meinen Einwand, warum meine Plazenta denn so seltsam dick und wirklich RIESIG aussieht, sagte sie nur, dass es nur so aussehen würde, da die Schwangerschaft noch so klein wäre
Am 18.11 habe ich unsere kleine Tochter (Das geschlecht wurde von der Diagnostikerin bestimmt) das letzte mal gespürt.. Es war ein seltsames Gefühl und ich wusste, dass etwas passiert ist, was nicht gut ist..ich wusste, sie ist gestorben..ich habe mit einem Gerät um die Herztöne zu hören gesucht und keinen Herzschlag mehr gefunden.. Am 20.11 hatte ich dann den regulären Termin bei meiner FÄ..Als der Ultraschall begann, hatte ich es sofort im Blick..Unsere Tochter lag zusammengekauert in der Fruchthöle..das Herz schlug nicht mehr..die Ärztin maß noch irgendwas aus und ich fiel ihr ins Wort "schlägt das Herz?!" Sie sagte, ich solle kurz warten und suchte weiter..meinte dann, dass ich auf die Liege sollte, sie könne da besser sehen.. aber auch hier das gleiche Bild..ich wusste es..ich hatte es im Gefühl..die Bestätigung war dennoch schlimm..hatte ich zuvor solch ein Schicksal noch nicht erfahren müssen (außer einer Biochemischenschwangerschaft) unsere Tochter war altersgerecht entwickelt, also auch normal groß und schwer für ihre Woche- ich musste sie also auf natürlichem Wege gebären. Ich bekam am Folgetag einen Termin in der Klinik, wo ich auch meine andere Tochter entbunden habe. Krasserweise war der gleiche Arzt im Dienst und auch die gleiche Hebamme an diesem Tag im Dienst, die auch vor 2,5Jahren meine Tochter in der 32Ssw holten. Beim Bestätigungs-Ultraschall sagte der Arzt plötzlich, dass die Plazenta extreeeem groß und dick aussieht (hätte es nicht schon bei der Pränataldiagnostikerinauffallen müssen?!?! Vielleicht, aber unsere kleine Maus wäre dennoch gestorben..niemand kann etwas dafür, niemand hätte es aufhalten können - Fragen und Antworten nöchte man aber doch haben) , außerdem hatte ich wohl einen Blasensprung. Da ich in der Vergangenheit 3KS hatte, musste alles ganz langsam vonstatten gehen-..hatte ich doch ab 15+ssw vorzeitige Wehen, wurden sie in der Klinik nach 5 langen Tagen Einleitung zum kompletten Stillstand gebracht, obwohl sie doch stärker werden mussten..Es waren immer Ärzte, die was neues vorschlugen..an Tag 7(!) Kam eine wundervolle Ärztin..sagte mir, ich bekomme ab morgen Cytotec, das würde uns helfen und mich aus dieser psychischen Ausnahmesituation rausbringen werde. Wie recht sie doch hatte! Tag 8 hatte ich ENDLICH wieder Kontraktionen! An Tag 9 wurde es zunehmend stärker nach den Einnahmen..ich ging zum Fenster, veratmete Wehe nach Wehe..hockend ging es am besten..zum Glück hatte an diesem Tag eine wundervolle Hebamme Dienst.. Ein Engel von Mensch! Sie half mir sehr in der Situation, begleitete mich danach noch sehr, war immer an meiner Seite. Mein Mann konnte ich noch erreichen, denn es ging plötzlich ganz schnell (er war daheim bei unserer Tochter, die auch noch pünktlichan dem Abend Fieber bekam! Um 18.30 schrieb ich noch, dass er kommen solle und sich beeilen muss (mein Schwiegerpapa war zum Glück die gesamten 9 Tage bei uns und half in der schweren Situation)..um 20.00 war unsere kleine Tochter plötzlich da..von "Hmm vllt.1cm geöffnet" zu meinem ungläubigem: "Ich glaube jetzt kommt unsere Tochter" vergingen also 1.5H..sie wurde aus der Fruchtblase geborgen und ich durfte sie auf die Brust nehmen.. ein unbeschreibliches Gefühl..ein tief trauriges und sicher das schlimmste was ich je erleben musste. Gleichzeitig aber das würdevollste, liebevollste und heilendste Erlebnis, welches ich im Zusammenhang mit Geburt und Tod in meinem Leben erleben durfte. Ich bekam Kraft, Zuversicht und viel Liebe..wir hatten einige Zeit mit unserer Tochter, machten Hand- und Fußabdrücke, vieeeele Fotos..konnten kuscheln..sie bekam einen kleinen "Schlafsack" liebevoll genäht von einer anderen Hebamme..Darauf waren Kätzchen- dass wir daheim selbst 3 Katzen haben wusste die Hebamme nicht..danach fingen bei mir die Nachwehen an und ich verlor zunehmend viel Blut..also wurde ich für den Op fertig gemacht.. die Schmerzen schlugen heftigst zu..Als ich aufwachte, war es Nacht..Mir ging es körperlich besser.. Über die gesamte Zeit hatte ich das Glück einen wundervollen Seelsorger an der Hand zu haben.. Erst wollte ich das Angebot gar nicht annehmen..aber eine Schwester sagte "Der Seelsorger kommt um 17.00" - okay dachte ich nur, dann halt doch..und er hat uns soooo sehr geholfen..hat unserer kleinen Maus noch den Segen Gottes mitgegeben..hat mit uns einen kleinen Gottesdienst gehalten..Es war heilend..Unsere Tochter hat ihre kleine Sternenschwester im übrigen auch kennenlernen dürfen (meine Jungs wollten das lieber nicht- schauen sich aber das Fotoalbum gerne an,wenn sie traurig sind) meine Tochter hat ihre Schwester sofort in ihr Herz geschlossen. Hat sich RIESIG gefreut und hat sie gar nicht mehr hergeben wollen (wir haben am Folgetag nochmal den gesamten Tag mit unserer Tochter verbringen dürfen, bis wir sie schlussendlich und schweren Herzens an die Hebammen übergeben haben) Unsere Sternentochter ist jeden Tag bei uns..sie bekommt regelmäßig von meiner Kleinen bunte kleine Ballons in den Himmel geschickt. Wird immer wieder von ihr und von uns allen erwähnt, wenn etwas tolles oder auch trauriges passiert, sie "sitzt" mit am Tisch in Form eines wunderschönen Windlichts. Sie ist immer wieder präsent- heilend präsent..das hat mich sehr beruhigt und mir sehr viel Kraft gegeben. Auch die Beisetzung auf dem Sternenfeld hat mir sehr geholfen..zu Weihnachten haben wir ihr (und somit auch den anderen Sternchen) einen kleinen Tannenbaum vorbeigebracht, eine kleine Schneekugel und eine wundervolle Kerze. Silvester waren wir auch dort mit meinem Schwiederpapa und haben ihr einen kleinen Glücksklee mit "Feuerwerk" Gesteck hingestellt..Ich bin zuversichtlich, dass wir irgendwann 4 Erdenkinder haben werden dürfen und unser Sternenmädchen oben von den Wolken gemeinsam mit meinem Papa auf uns aufpasst. Ich wünsche Allen Sternenmamis, Sternenpapis und nicht zu vergessen allen Sternengeschwistern viel Kraft und Zuversicht, Hoffnung und Glaube. Viele Grüße
RE: Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 06.01.2026 06:52von Susanne • 5.518 Beiträge | 5538 Punkte
Hallo liebe Pipapo, herzlich Willkommen und mein Mitgefühl für den Verlust eurer Tochter. Es ist schön zu hören, dass du/ihr so gut begleitet wurdest und liebe Menschen in diesem Unglück um dich hattest. Das ist eine schöne Erfahrung und macht vieles in Hinblick auf die Zukunft einfacher. Auch freut es mich zu hören, dass ihr so einen guten Weg für euch gefunden habt sie in euer Leben zu integrieren. Sie gehört, wenn auch leider unsichtbar, nun in eure Mitte. Wie geht es dir emotional aktuell? Wie geht es deinem Partner? Wie geht euer Umfeld (freunde/Familie) mit euch, mit dem Tod eurer Tochter um? Fühl dich gedrückt, Susanne
RE: Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 06.01.2026 09:57von Pipapo522 • 5 Beiträge | 5 Punkte
Vielen Dank für die liebe Nachricht.
Emotional befinden wir uns auf einem guten Weg. Mein Mann und ich haben uns echt gestützt und sind noch enger zusammen an diesem Schicksal gewachsen..Ich habe teilweise noch mit plötzlichen Emotionen zu kämpfen (aktuell war es zB. das Weihnachtsbaumschmücken, Weihnachtslieder singen oder auch einfach nur Karten von Glückwünschen zur Geburt sehen) was mich wundert- Frauen mit Neugeborene lösen diese Wehmut, den Schmerz nicht aus..Es ist jedenfalls gerade zu Beginn eine Achterbahn der Gefühle gewesen..ich habe in meinem Leben noch nie so viele Tränen vergossen!
Ja das Umfeld..leider erleben wir so ziemlich das große Schweigen..klar, als unsere Kleine geboren wurde kamen Anteilnahme und Mitleid, aber danach hatte ich das Gefühl nicht mehr drüber reden zu dürfen..Weinachten habe ich dennoch demonstrativ die Kerze von ihr auf den Tisch gestellt und die Weihnachtskugel (Jeder hat eine Kugel mit Namen) an den Baum gehangen :) das tat mir sehr gut und zeigte den anderen "ich habe 4 Kinder! Eines könnt ihr vllt nicht sehen, aber ich spüre sie jederzeit! Sie gehört ebenfalls hier in den Familientrubel"
Gleich ist der erste Termin nach der Geburt bei meiner Ärztin..ich habe seltsamerweise echt Angst..da erfahre ich auch das Ergebnis der Plazentaunzersuchung..die haben wir einschicken lassen. Wird man wohl etwas erfahren? Ich bin nervös.. einen ruhigen Vormittag und danke nochmal für die Nachricht
RE: Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 06.01.2026 14:00von Susanne • 5.518 Beiträge | 5538 Punkte
Es machen leider viele die Erfahrung, dass man in seinem sozialen Umfeld auf Unsicherheit, Hilflosigkeit, Unverständnis oder Ablehnung von "schweren Themen" trifft. Die Folge ist, daass man sich alleine, unverstanden und wenig unterstützt fühlt. Gibt es vielleicht eine Trauergruppe bei euch?
Wie war der Termin?
RE: Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 06.01.2026 14:28von Pipapo522 • 5 Beiträge | 5 Punkte
Das ist super schade! Denn doch gehören die Kinder doch auch zum Leben dazu..man stelle sich vor ein Papa/Mama/Oma oder Opa sterben früh und man würde sie danach einfach tot schweigen..richtig traurig..zum Glück habe ich dennoch liebe Menschen, mit denen ich offen über unsere kleine Sternenfee reden kann :) der Termin war ziemlich gut. Die Ärztin ist super einfühlsam und hat mich gut beraten und aufgeklärt über weitere Schritte.. Alles in allem sieht die Gebärmutter sehr gut verheilt aus, sogar ein Eisprung steht bevor! Ich muss dennoch noch einmal ins Krankenhaus, da sich weiter (weiter, da dieser in der Frühschwangerschaft schon einmal Thema war) ein Narbenbruch in der alten Kaiserschnittnarbe gezeigt hat..da soll das Krankenhaus selbst nochmal draufschauen, ob es ein Hinderungsgrund wäre für eine erneute Schwangerschaft, oder ob eben ein kleiner Eingriff notwendig ist, um eben diesen Defekt zu reparieren..
Die Pathologie ist leider noch nicht soweit gewesen..da warten wir also noch weiter auf den Bericht.. leider!
Eine Trauergruppe gibt es in unserem Ort selber leider nicht, aber etwas weiter außerhalb gibt es die Möglichkeit zum Austausch mit Sterneneltern. Dort in der Nähe, wo auch das Sternenfeld ist.
RE: Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 06.01.2026 23:20von Nelke • 2.607 Beiträge | 2617 Punkte
Liebe Pipapo,
euer Verlust tut mir sehr leid.
Deine Zeilen rühren mich sehr. Es ist so schön zu lesen, dass euer Sternchen einen Platz in eurer Familie finden durfte.
Auch dass ihr euren Kindern die Wahl ermöglicht habt Abschied zu nehmen finde ich sehr schön.
Ich hoffe, du findest vor Ort noch jemanden zum Reden und jemanden, der dich versteht.
Außenstehende reagieren oft ganz anders, als wir Mütter es uns wünschen. Zu diesem thema hatte ich mich in die Fachliteratur eingelesen. Es hat mir geholfen "die anderen" besser zu verstehen.
Liebe Grüße und weiterhin viel Kraft, Lena
RE: Stille Geburt 17Ssw
in Eure Geschichte, die Euch hierher geführt hat 11.01.2026 10:11von Ahoii • 6 Beiträge | 6 Punkte
Liebe Pipapo,
mein Mitleid für euren Verlust. Beim Lesen deiner Nachricht sind mir so sehr die Tränen geflossen, von eurem Verlust und wie sehr ihr das Engelchen in eurer Leben integriert habt. Es war so rührend zu lesen wie die kleine Tochter ihre Schwester lieb hatte. Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass euer Wunsch nach einem vierten Kind in Erfüllung geht bzw nach einem fünften.
Fühl dich gedrückt aus der ferne
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