#1

Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.07.2025 07:17
von Hopeless • 12 Beiträge | 12 Punkte

Nachdem wir vor 8 Jahren die erste Fehlgeburt ziemlich am Anfang hatten,
folgten viele Jahre des Wartens, Versuchens
und schmerzhafte Kinderwunschbehandlungen.
Und endlich hat es auf normalem Weg im April diesen Jahres geklappt.
Wir konnten es nicht glauben.
Es war unser Kleines Wunder.
Ich hatte zwar immer mal wieder eine Blutung, aber das Herzilein hat fleißig geschlagen und es ging dem Kleinen immer gut.
Am 17.7 hatte ich morgens wieder eine Blutung in der Unterhose.
Da dachte ich dass das Hämatom sich wahrscheinlich wieder zurück gebildet hat.
Dann sind wir ins Krankenhaus und dort haben
2 Ärztinnen gleichzeitig geschaut und
keine der beiden sagte dann was.
Sie schauten sich nur an und die eine schluckte nur.
Ich schrie verzweifelt 'warum denn keine
was sagen würde'. Und dann hieß es das leider kein Herzschlag mehr feststellbar sei.
Wir sind zusammengebrochen.
Haben geschrien und geweint.
Dann hieß es direkt ich solle
eine Ausschabung machen.
Sind dann noch zu einer anderen Frauenärztin
(da meine im Urlaub war) Stunden quer durch die Stadt gefahren in der Hoffnung das Gerät
sei womöglich defekt gewesen.
Dort musste ich noch Ewigkeiten warten.
In der Wartezeit hab ich dann die Herztöne fremder Babies gehört, weil es eine sehr kleine Praxis war und es hieß 'oh das Baby ist aber sehr aktiv'
und man selbst stand kurz vor dem Kollaps.
Nachdem man dann irgendwann rein kam und sie auch geschaut hatte hieß es auch dass
das Kleine leider gestorben sei.
Es lag auch gekrümmt und nicht gerade wie sonst immer und es hieß es sei seit ungefähr
10 Tagen schon tot.
Also am 7.7 war noch alles in Ordnung bei der Frauenärztin und kurz darauf sei es gestorben.
Als dann 3 Ärztinnen keinen Herzschlag mehr feststellen konnten, war es für mich klar das es tot ist und das Gerät leider nicht kaputt ist.
Daraufhin hab ich in der Praxis auch noch mal geschrien und geweint.
Dann sind wir irgendwie nach Hause gekommen und ein paar Stunden später am selben Tag hab ich extreme Krämpfe bekommen im Rücken
und Unterleib. Hatte ich noch nie.
Ich dachte ich würde jetzt sterben.
Hab mich mehrfach zur Toilette geschleppt.
Dann kam das Blut nur so rausgeschossen und plötzlich hang mir dann was zwischen den Beinen.
Da ich so verheult war, konnte ich erst nicht erkennen, was es ist.
Aber es war das Kleine was an der Nabelschnur da hing. Ich war fix und alle. Wusste gar nicht was ich machen soll. Dann riss ich die Nabelschnur ab und hatte den Kleinen auf der Hand.
Es war ein kleiner Mini Mensch mit allem was dazu gehört. Zwei Beine, zwei Arme, die Minizehen, die Rippen im Bauch hat man gesehen und das Gehirn auch.
Es war alles da!
Wir konnten es nicht glauben, dass so ein kleines perfektes Wesen keine weitere Chance bekommen hat.
Wir haben das Kleine in einer kleinen Herz Metalldose im Wald vergraben.
Wir haben ein kleines Bärchen reingeklebt, damit es einen schönen Blick darauf hat und nicht alleine ist.
Und einen Abschiedsbrief geschrieben.
Ich hoffte es sei nur ein schrecklicher Alptraum,
aus dem ich aufwachen würde.
Aber dem war leider nicht so.
Am nächsten Tag hing mir dann ein
großes Stück unten raus.
Ich wusste gar nicht was das sein soll.
Aber wir haben noch einen Tag gewartet
weil wir dachten es kommt noch von selbst raus.
Dem war aber nicht so und wir
mussten wieder ins Krankenhaus.
Dort wurde mir mitgeteilt das es die Plazenta sei und diese wurde dort entfernt.
Danach hab ich wieder viel Blut verloren umd Krämpfe gehabt.
Und es wurde gesagt da seien noch Reste und ich müsste wahrscheinlich noch eine OP machen.
Aktuell habe ich noch wenig Blut.

Ich fühle mich komplett leer und verloren.
Innerlich tot. Als hätte man mir mein Herz rausgerissen, wäre drauf getreten,
hätte es zerrissen und verbrannt.
Ich weiß gar nicht wie ich so weiterleben kann.
Ich hab keinen Lebenswillen, keine Hoffnung
und gar nichts mehr.
Ich schlafe, esse und trinke.
Aber es ist alles so sinnlos.
Ich vermisse das Kleine so sehr.
Das ist der absolute Horror!
Das ist das ALLER SCHLIMMSTE was ich jemals erlebt habe! Und meine Kindheit war auch schon speziell.
Das sollte echt keine Frau erleben!
Das ist einfach SCHRECKLICH!
Ich komme aus dem Gedankenkarussell nicht heraus WARUM das Leben einem sowas schreckliches antut???
Was soll der Grund sein???
Warum muss man so leiden???
Warum wird einem das Glück kurz gegeben um dann wieder so brutal entrissen zu werden???
Bin ich so ein schlechter Mensch???
Was hab ich verbrochen???
Warum hat mein Kind keine Chance bekommen???
Ich bin so dermaßen frustriert und verzweifelt und finde einfach keine Antworten darauf...

Auch eure ganzen furchtbar traurigen Geschichten hier im Forum machen mich furchtbar traurig und lassen mich erstarren...
Es tut mir sooo sehr leid dass ihr das alles durchmachen müsst!
Das ist so unfair!
Mädels ich fühle mit euch allen und sende euch gaaanz viel Liebe und Kraft in dieser so schweren
und unerträglichen Zeit.
Fühlt euch mal ganz dolle gedrückt.

Eure Hopeless.

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#2

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.07.2025 14:14
von Katrinn • 157 Beiträge | 157 Punkte

Liebe Hopeless,
ich fühle mit dir und ich würde dir gerne etwas sagen, was hilft. Aber ich kenne leider nichts.
Aber deine Fragen, deine Verzweiflung und den verschwundenen Lebenswillen kenne ich auch. Dabei war unser Kinderwunschweg nicht so beschissen lang und steinig wie eurer und unsere Sternchen sind schon früher gegangen.
Trotzdem war es auch für mich das Schlimmste, was ich je erlebt habe.
Und doch wurde es wieder besser. Mit vielen Aufs und Abs und viel Zeit.
So fühlt es sich jetzt sicher nicht an, aber das wünsche ich auch dir!
Wie geht dein Partner damit um? Hast du Menschen, mit denen du reden kannst? Kannst du dir selbst ein bisschen was Gutes tun? Um der Verzweiflung und Sinnlosigkeit etwas entgegenzusetzen.
Ich schicke dir eine Umarmung aus der Ferne

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#3

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.07.2025 16:07
von Hopeless • 12 Beiträge | 12 Punkte

Liebe Katrinn,
ich danke dir für deine lieben Worte, deine Nachfragen und auch deine Umarmung :-*
Das lese ist auch oft, dass es später besser wurde.
Wenn man natürlich wüsste, dass man doch irgendwann mal Mutter eines lebenden Kindes werden würde, wäre es sehr tröstlich.
Aber das kann einem ja niemand sagen.
Und so bleibt man zurück mit den schlimmen Gedanken ob es die letzte Chance für einen gewesen ist.
Man kann ja auch nicht unendlich viele ICSI machen, und sich unendlich viele Hormone reinjagen oder unendlich viele tote Babies zur Welt bringen, das macht einen ja auch vollkommen kaputt...
Danke der Nachfrage, ich habe einen fantastischen Partner seit 15 Jahren an meiner Seite, der ist eine echte Hilfe.
Aber das eigene Kind ist trotzdem noch was fehlt seit so vielen Jahren.
Sprechen kann ich nur mit jemandem der es auch durchgemacht hat.
Alle anderen verstehen es meiner Meinung nach nicht so in ganzem Umfang.
Sie können es sich vllt.vorstellen, aber nur wer es selbst durchgemacht hat, versteht die ganzen Gefühle in Gänze.
Susanne Starkmuth ist zum Beispiel ein Engel.
Sie bringt Frauen und Paare zusammen für einen Austausch und natürlich gibt Sie in dem Forum den Platz für einen Austausch Gleichgesinnter.
Natürlich kann auch Sie mir mein über alles geliebtes Baby nicht zurückbringen, aber es spendet Trost mit ihr zu sprechen und zu sehen wie sie nach all den Fehlgeburten erhobenen Hauptes und wunderschön da steht.
Mir selbst etwas Gutes zu tun ist schwierig, weil ich mir ja die Schuld am Tod gebe.
Es war ja in meinem Körper und es war meine Plazenta die versagt hat, also bin ich auch schuld ist meine logische Schlussfolgerung.
Mir haben schon so viele gesagt, dass dem nicht so sei, aber das ist fest im Kopf verankert, das krieg ich leider nicht weg..

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#4

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.07.2025 16:15
von Lagenodelphis • 258 Beiträge | 258 Punkte

Liebe Hopeless,
es gibt keine richtigen Worte, nix Tröstendes. Du darfst alle Gefühle zulassen Trauer, Wut, Verzweiflung oder was auch immer da kommt.
Mir hat der direkte Austausch mit anderen Betroffenen sehr gut getan, ich hab zum Glück eine Trauergruppe in der Nähe gefunden.
Die Schuldgefühle kenn ich, auch wenn mir eigentlich klar ist, dass man sowas einfach nicht in der Hand hat. Irgendwer musste ja schuld seiny und das war dann wohl ich. Diese miesen Gefühle sind jetzt nach fast 8 Monaten verblasst.
Fühl dich ganz ganz fest gedrückt und versuche, lieb zu dir zu sein 🫂

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#5

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 30.07.2025 18:56
von Hühnchen • 195 Beiträge | 195 Punkte

Liebe Hopeless,
es tut mir so leid, was du erleben musstest. Ich musste meinen beiden Kinder früher gehen lassen, kann mir aber in etwa vorstellen, wie schlimm es für dich sein muss. Nach meiner ersten Fehlgeburt habe ich mir neben den Gesprächen mit Betroffenen auch professionelle Hilfe gesucht, vielleicht wäre das auch etwas für dich? Die Selbstvorwürfe machen mir auch zu schaffen. Wenn man diese Gedanken aber konsequent zu Ende denkt, würde es ja bedeuten, dass alle Menschen, die den Tod eines Kindes erleben müssen, auch schlechte Menschen sind und so „bestraft“ werden. Das ist natürlich völliger Schwachsinn! Das hilft mir manchmal. Auch der Gedanke, dass mit Fehlgeburten keine Menschen bestraft werden, sondern es einfach ein Prozess ist, den wir nicht beeinflussen können. Wahrscheinlich hast auch du alles getan, was dir möglich war (kein Alkohol usw.). Es ist schlimm, dass wir nicht mehr Einfluss nehmen können, aber letztlich vielleicht auch ein bisschen befreiend?
Mit der Zeit wird der Schmerz nachlassen, du wirst das schaffen!
Ganz liebe Grüße

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#6

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 31.07.2025 07:20
von Hopeless • 12 Beiträge | 12 Punkte

Liebe Lagenodelphis,
auch dir vielen lieben Dank für deine aufmunternden Worte.
Schön das deine miesen Gefühle inzwischen etwas verblasst sind!
Ich fürchte es wird mir nur besser gehen, wenn ich endlich mal Mutter eines lebenden Kindes werde, und das ist wohl kaum zu erreichen :....-(

Ich versuche es lieb zu sein, auch wenn es sehr sehr schwer fällt :-*

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#7

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 02.08.2025 07:44
von Hopeless • 12 Beiträge | 12 Punkte

Liebes Hühnchen,
lieben Dank für die Zeit die du dir genommen hast.
Du hast natürlich absolut Recht.
Rein logisch und völlig neutral betrachtet, sind diese Gedanken natürlich absolut abwägig und schwachsinnig.
Das Problem ist aber, das auch noch depressiv bin und auch in Behandlung deswegen.
Ich hatte auch schon Fortschritte gemacht.
Nur leider sind diese mit dem Tod direkt verschwunden und ich stehe vor einem mir scheint es riesigem Berg den ich nun überhaupt nicht überwinden kann.
So als depressiver Mensch ist es unheimlich schwer, sich von logischen Gedanken leiten zu lassen :(

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#8

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 02.08.2025 18:31
von Katrinn • 157 Beiträge | 157 Punkte

Mensch Hopeless, das klingt wirklich ziemlich hoffnungslos. Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht und du auch schon vor der FG mit Depressionen zu kämpfen hattest. Das macht es ja noch schwieriger.
Aber ich bin froh, dass du professionelle Hilfe hast. Ich hoffe, die hast du auch weiterhin und kann dir vielleicht zumindest langsam helfen!
Ich würde dir gerne helfen und kann es nicht. Deshalb möchte ich Dir einfach sagen, dass ich an Dich denke und Du Dich jederzeit ans Forum wenden kannst!

Vielen Dank für deine lieben Worte im anderen Thread! Ich war erstaunt, dass du dafür die Kraft gefunden hast! Ich erinnere mich noch gut, dass ich es so ungerecht fand, dass andere zwei oder mehr lebende Kinder haben dürfen, während meine tot waren...
Wobei mein Neid vor allem den Frauen galt, bei denen es (scheinbar) problemlos geklappt hat.

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#9

RE: Zerplatzte Träume

in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 03.08.2025 07:21
von Hopeless • 12 Beiträge | 12 Punkte

Liebe Katrinn,
ja genau mit einer Depression ist es noch 1000x schwieriger mit sowas schlimmen umzugehen
als ohne.
Lieben Dank für deine Worte und dass du an mich denkst :-*

Deine Geschichte wie auch viele andere hier haben mich berührt, du hattest es auch nicht leicht und doch wurdest du am Ende belohnt mit zwei gesunden Kindern!
Ich gönne es ALLEN Frauen aus tiefen Herzen, die auch sowas unerträglich schlimmes durchmachen mussten.
Das macht einem ja auch ein ganz kleines bisschen Mut, dass es vielleicht einem ja auch mal so ergehen könnte und die Sonne wieder scheint für einen..
Hab einen schönen Sonntag im Kreise deiner Lieben :-*

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