Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
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RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 05.08.2025 00:24von Yoris Mama • 2 Beiträge | 2 Punkte
Vielen lieben Dank an euch alle, für eure lieben Worte. Sie bedeuten uns viel!!
Unser kleiner Mann kam am Samstag Abend zur Welt und wir hatten ein paar schöne Stunden als Familie. 🌟
Das Klinik Team hat sich ganz lieb um uns gekümmert und viele kleine Erinnerungen für uns geschaffen.
Es tut uns schrecklich Leid für alle, die etwas ähnliches durchgemacht haben oder durchmachen müssen...
Danke, dass ihr eure Erfahrungen hier teilt. Es hilft uns sehr.
RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 05.08.2025 13:07von Hopeless • 12 Beiträge | 12 Punkte
Liebe Yoris Mama,
das ist aber wirklich auch sehr wertvoll,
dass ihr euch da gut betreut gefühlt habt.
Das ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich.
Viele Ärzte sind leider wie Roboter,
abgestumpft und gefühlskalt.
Aber es gibt sie doch noch : die guten empathischen Menschen und das gibt einem ja noch etwas Hoffnung.
Trag die kleinen vielen Erinnerungen im Herzen.
PS : "And even if you say goodbye
You’ll never go away"
Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Kraft,
alles Liebe und Gute!
Fühl dich gedrückt :-*
RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 02.11.2025 18:58von Kathi_B • 6 Beiträge | 6 Punkte
Hallo ihr lieben,
Erstmal möchte ich allen Eltern, die ihr Kind verloren haben, sagen, wie leid es mir für euch tut!
Ich habe meinen Sohn heuer im August in der 16. Schwangerschaftswoche still zur Welt gebracht, nachdem wir ebenfalls die Diagnose Trisomie18 erhalten haben. Mein Mann und ich haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir den Zeitpunkt für die Geburt selbst bestimmen. Und ähnlich wie du, Mama436, verurteile ich mich nicht dafür, diese Entscheidung getroffen zu haben, aber ich bereue sie manchmal. Ich hätte so gerne noch viel mehr Zeit mit meinem Sohn gehabt - auch wenn diese Zeit vermutlich von Angst und Traurigkeit geprägt gewesen wäre, dass jeder Tag der letzte für mein Baby sein könnte. Ich vermisse ihn einfach so schrecklich.
Ganz am Anfang bzw auch wie es darum ging, eine Entscheidung zu treffen, hat mir geholfen, dass ich erkannt habe, dass nicht ich diejenige bin, die entscheidet, dass unser Baby sterben muss, sondern die Krankheit. Ich entscheide nur, wann es soweit ist.
Doch jetzt im Rückblick hadere ich manchmal ziemlich damit. Vor allem da ich jetzt immer wieder in meinem Umfeld erleben muss, dass mein Sohn nicht den Raum erhält, den er verdient hätte. Freunde und manche Familienmitglieder fragen nicht nach ihm, tun so, als hätte es ihn nie gegeben. Und das tut weh. Und ich fühle mich dafür auch schuldig, bin doch ich diejenige, die entschieden hat, dass er so früh gehen musste. Obwohl ich auch nicht weiß, ob diese Leute anders reagieren würden, wäre er „erst“ in der z.B. 35 Woche oder kurz nach der Geburt gestorben. Ich versuche mich auch auf die Menschen zu konzentrieren, die nach meinem Sohn fragen, die ihn sehen. Aber es tut einfach weh, wenn man als Mama erleben muss, dass das eigene Kind nicht die Wertschätzung erhält, die es verdient hätte.
RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 02.11.2025 19:28von Mama436 • 7 Beiträge | 7 Punkte
Hallo Kathi,
Dein bzw. Euer Verlust Eures kleinen Sohnes tut mir sehr leid!
Vielen Dank auch für deine Nachricht/ Deine lieben Worte!
Ich verstehe dich so gut!!! Ich habe kürzlich erst eine "kleine Diskussion" mit der Oma unserer Kleinen geführt, weil ich genau so empfunden habe wie du jetzt! Es wird nicht nachgefragt, unsere Kleine, die Fehlgeburt, unsere Gefühle werden komplett tod geschwiegen. Und gerade von der Oma tut das natürlich sehr weh!
Die Oma trauert allerdings auch, fühlt sich ebenfalls bei jedem Babybauch den sie sieht traurig, konnte / wollte aber nicht darüber sprechen, weil sie weiß, dass ich sofort heule, wenn wir darüber sprechen sollten und sie möchte mich nicht zum Heulen bringen. Sicherlich nett gemeint, aber auch in meinem Augen der falsche Ansatz. Ebenso wie du möchte ich nicht, dass unsere Anna vergessen oder tod geschwiegen wird. Auch meine Freundinnen sprechen nie von alleine das Thema an, ich denke auch dort besteht eine ähnliche Hemmschwelle. Deswegen versuche ich jetzt ab und zu von mir aus darüber zu sprechen und meistens kommen dann auch rücksichtsvolle und nette Reaktionen. Im Oktober hätten wir den ursprünglichen Entbindungstermin gehabt und dementsprechend ging es uns auch besch... wenn ich das von mir aus angesprochen habe, ist es meistens für die anderen ok darüber zu reden.
Wie ist es denn bei dir / euch? Kannst du denn, wenn du anfängst mit deiner Familie / Freunde reden? Vielleicht verhält es sich bei ihnen auch einfach ähnlich und sie wollen dich nicht verletzen?
Uns helfen auch eigene kleine Erinnerungen. Z.B. haben wir jetzt schon einen Stern mit ihren Namen bestellt, den wir mit an den Weihnachtsbaum hängen können, damit sie dabei ist.
Auf der einen Seite zerreißt es mir das Herz, auf der anderen Seite fühlt es sich richtig an, damit sie, wie du es so schön gesagt hast, entsprechend Wertschätzung erhält.
Fühlt dich gedrückt und denke immer daran, Du / Ihr seid nicht alleine!
Liebe Grüße
RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 03.11.2025 17:52von Kathi_B • 6 Beiträge | 6 Punkte
Dankeschön für deine lieben Worte!
Es tut sehr gut, zu wissen, dass man mit seinem Gefühlschaos nicht alleine ist.
Ja, ich glaube, das ist ein großes Problem von vielen, dass sie nicht wissen, wie sie mit uns Sterneneltern umgehen sollen. Ich glaube, viele haben Angst, etwas falsches zu sagen (wie die Oma von eurer Anna) oder haben Angst, uns daran „zu erinnern“ - obwohl zumindest ich doch sowieso immer an unseren Lorenz denke. Und ganz abgesehen davon, dürfen Trauer, Traurigkeit und Tränen auch sein. Das hilft ja auch beim Verarbeiten.
Ich habe mir deshalb so wie du vorgenommen, dass einfach ich öfter von Lorenz spreche, ganz ohne Aufforderung. Ich glaube, das ist ein guter Weg, den Leuten aus meinem Umfeld zu zeigen, dass Lorenz mein Kind ist und ich gerne von ihm spreche.
Trotzdem finde ich es auch unfair, dass ich/wir das so einfordern müssen. Andere Mütter, deren Kinder leben, werden doch auch nach ihren Kindern gefragt und dürfen von ihnen sprechen. Viele vergessen dabei, dass es zwar furchtbar schlimm ist, das mein Baby gestorben ist. Aber jetzt auch noch die Möglichkeiten genommen zu bekommen, von ihm zu erzählen - das macht es definitiv nicht besser.
Aber ich bin sehr froh, dass ich auch Familienmitglieder und Freunde habe, denen ich auch alles erzählen konnte und immer noch kann. Das hat mir sehr beim Verarbeiten und Trauern geholfen. Aber ich kenne diese Beschützen-wollen auch - mein Mann ist immer sehr besorgt, wenn ich zum Heulen anfange. Er tut sich da noch schwer damit, dass ich da auch nicht getröstet werden möchte, weil ich dieses Trauern zum Verarbeiten brauche. Und ich kann ja auch nicht einfach so weiterleben als wäre das mit Lorenz nie passiert… das ist einfach schrecklich traurig und deshalb dürfen da auch große Emotionen sein.
Oh, ja das kann ich mir vorstellen, dass es dir/euch rund um den errechneten Termin nicht so gut ging. Ich habe den mit Februar noch vor mir und fürchte mich schon ein wenig. Ich glaube, solche wichtigen Termine wie ET, Geburtstag oder auch die Feiertage und besonders Weihnachten werden immer schwierig sein.
Oh, das mit dem Stern für den Christbaum ist eine wundervolle Idee! Ich glaube, das werde ich auch machen. :)
Anna ist übrigens ein wunderschöner Name!
Liebe Grüße und fühl auch du dich gedrückt
RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 03.11.2025 19:28von Kathi_B • 6 Beiträge | 6 Punkte
Danke liebe Susanne!
Ein bisschen was habe ich ja schon zu unserer Geschichte erzählt, hier aber gerne auch die Vorgeschichte.
Mein Mann und ich waren ca 2 1/2 Jahre im Kinderwunsch bis wir heuer im April/Mai unsere erste IVF gestartet haben. Es hat dann auch gleich beim ersten Transfer geklappt und ich weiß noch wie glücklich wir waren und wie sicher, dass jetzt nach dieser langen Kinderwunschreise endlich alles gut werden würde.
Ich hatte dann aber leider recht früh Schmierblutungen, die zum Glück aber schnell wieder aufgehört haben. Ich war dann aber doch recht engmaschig bei meiner Gynäkologin, weil sie schauen wollte, ob die Einblutung sich eh zurück bildet, was sie zum Glück getan hat. Und auch da dachte ich noch, dass wir jetzt das schlimmste überstanden hätten.
Wir haben eigentlich recht früh erzählt, dass ich schwanger bin - viele Freunde und unsere Familien wussten ja, dass wir im Kinderwunsch sind. Auch in der Arbeit habe ich sehr früh Bescheid gegeben, da ich als Diabetikerin sehr früh in den Mutterschutz gegangen wäre. Es war auch schon fast alles vorbereitet und der Mutterschutz stand kurz bevor.
Bei einer Routinekontrolle ist meiner Gynäkologin dann aber in der 13. SSW eine große Flüssigkeitsansammlung aufgefallen und sie hat mich zu einem Pränataldiagnostiker geschickt. Ich weiß noch, am Weg zu diesem Termin war ich noch so überzeugt davon, dass er mir sagen würde, dass alles gut sei und unser Baby gesund. Doch leider teilte er mir mit, dass unser Baby sehr wahrscheinlich nicht lebensfähig ist und er auf Trisomie18 tippt. Nach einer Plazentapunktion erhielten wir dann die Diagnose Trisomie18. Da ist erst mal eine Welt für uns zusammengebrochen und wir haben uns ca 2 Wochen Zeit genommen um uns zu entscheiden, ob wir die Schwangerschaft beenden sollen oder darauf warten, dass das Herz unseres Sohnes alleine aufhört zu schlagen. Mein Mann hat sich recht schnell entschieden, ich habe länger damit gehadert. Ich habe viel recherchiert, mit meiner Gynäkologin gesprochen, Podcasts gehört und hab auch meine Therapeutin wieder kontaktiert, die mich vor 4 Jahren mit Gesprächstherapie durch eine Depression begleitet hat. Der entscheidende Moment für mich war, als ich erkannt habe, dass ich mit dem Schwangerschaftsabbruch nicht das Schicksal unseres Sohnes besiegle, sondern dass ich einfach den Zeitpunkt für die Geburt wähle. Dass mein Sohn sterben muss, habe nicht ich entschieden und hätte ich auch durch nichts auf der Welt verhindern können.
Das Krankenhaus, in dem ich für die stille Geburt war, war zum Glück sehr gut auf solche Fälle vorbereitet. Wir wurden von Beginn an von gesunden Schwangerschaften abgeschirmt, hatten keinen Kontakt zu Neugeborenen und auch die Krankenhaus-Psychologin kam mehrfach zu uns um uns bei diesem Prozess zu begleiten. Und auch die Hebammen waren toll! Die Geburt war sehr anstrengend für mich, ich wurde aber toll begleitet und als unser Baby dann da war, hat die Hebamme im Umgang mit unserem Sohn keinen Unterschied gemacht zu einem lebenden Kind. Das war sehr tröstlich. Wir hatten dann ausreichend Zeit, uns als Familie kennenzulernen und uns dann auch von unserem Sohn zu verabschieden. Bei der Entlassung bekamen wir auch eine Erinnerungsbox mit Fotos, die die Hebamme von unserem Sohn gemacht hat, einem Fußabdruck und anderen Erinnerungsstücken. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Das war im August und seitdem verarbeiten wir den Verlust unseres Kindes. Es gibt natürlich noch viele traurige Momente, aber es wird besser und die Trauer wird immer mehr Teil unseres Lebens. Das wird sie auch immer sein, aber wir lernen, mit ihr zu leben.
Zu deiner Frage: Ja, wir haben auch andere Unterstützung. Ich habe bereits seit der Diagnose regelmäßig Termine bei meiner Therapeutin und ich hatte eine wunderbare Hebamme im Wochenbett, die sich nicht nur körperlich um mich gekümmert hat, sondern auch ganz viel emotionalen Support geleistet hat. Nach der Geburt habe ich auch nach Rücksprache mit meiner Hebamme einen Rückbildungskurs für Sternenmamas besucht, in dem auch die Trauerarbeit Teil des Kurses war und ich habe auch Podcasts für Sterneneltern bzw. zur Trauer gefunden. Nur der direkte Austausch mit anderen Sterneneltern hat mir ein wenig gefehlt, mich mit Menschen auszutauschen, die etwas Ähnliches durchgemacht haben. Ja und so bin ich auf das Forum gestoßen, für das ich jetzt schon sehr dankbar bin.
RE: Abbruch wegen Trisomie 18 - Gewissensbisse
in Abbruch einer erwünschten Schwangerschaft 03.11.2025 19:41von Susanne • 5.536 Beiträge | 5556 Punkte
Schön, dass ihr euch so gut umsorgt gefühlt habt und alles so fried- und liebevoll ablief. Das ist sehr viel wert. Wie kommt ihr als Paar mit der Situation zurecht? Wie geht es deinem Partner?
P.s. Eure Geschichte vielleicht magst du hier einen neues Thema aufmachen und den Text rein kopieren? Dann ist es für neue Userinnen leichter ähnliche Geschichten zu finden.
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