#16

RE: Meine Freundin ist schwanger, ich habe mein Kind verloren

in Ich bin sehr traurig und möchte reden 18.09.2024 07:09
von Esa • 152 Beiträge | 152 Punkte

Liebe Nine87,
ganz herzlichen Dank fürs Mutmachen, das tut auf jeden Fall sehr gut!

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#17

RE: Meine Freundin ist schwanger, ich habe mein Kind verloren

in Ich bin sehr traurig und möchte reden 01.06.2026 17:07
von Zebrafink • 88 Beiträge | 88 Punkte

So, nun bin ich auch in der Situation... keine Freundin, aber eine gleichaltrige Kollegin, die ich jeden Tag sehe, mit der ich mich gut verstehe und viele Berührungspunkte habe. Gewusst habe ich es schon seit ein paar Wochen, wir sind uns beim ersten Termin beim Frauenarzt über den Weg gelaufen, während der eigentlichen Arbeitszeit, da war es natürlich sofort klar und wir haben einander hinterher gleich geschrieben. Danach waren wir beide im Urlaub, haben uns aber noch ein paar Tage weiter geschrieben und sie weiß auch, dass es bei mir nicht gut ausging.

Heute kam sie nun aus dem Urlaub zurück und erzählt, dass alles super aussieht und sie wegen der Größe des Babys sogar fast zwei Wochen vordatiert wurde, wir also bis auf ein paar Tage gleich weit gewesen wären. Ich freue mich wahnsinnig für sie, sie hat eine chronische Erkrankung, dadurch schon so viel mitgemacht und auch die Schwangerschaft ist damit nicht ohne Risiko, ich gönne es ihr und ihrem Mann wirklich von Herzen, dass alles gutzugehen scheint.

Dennoch haut mich das heute irgendwie viel mehr um, als ich vorher gedacht hatte. Auch wenn die "Betäubung" nach dem Abgang in den letzten Tagen ein bisschen nachgelassen hat und ich die Trauer um das kleine Wesen zulassen kann, bin ich dieses Mal insgesamt deutlich abgeklärter als die letzten beiden Male, zum einen, weil ich ehrlicherweise von Anfang an kein gutes Gefühl mit der Schwangerschaft hatte, zum anderen, weil ich mittlerweile akzeptiert habe, dass wir eben eins von den Paaren sind, bei denen es nicht so einfach gehen wird. Das war ja auch ein Trauerprozess an sich, die Trauer um den "einfachen" Kinderwunschweg, beim letzten Mal war ich ja schon deutlich weiter, hoffte noch auf einen einmaligen Ausrutscher beim ersten Mal und der Abgang war dann ein richtiger Schock.

Und nun das... sie ist bei Weitem nicht die Erste, die mich überholt, auch nicht die Erste am Arbeitsplatz, aber die Tatsache, dass wir genau gleich weit gewesen wären, uns hätten austauschen können, Geburtsvorbereitungskurs etc. wahrscheinlich alles zusammen gemacht hätten... und nun sieht man bei ihr schon das Bäuchlein, wenn man es weiß, und ich ärgere mich herum, dass ich seit zwei Wochen keine Rückmeldung auf meine Terminanfragen bei den Kinderwunschpraxen bekomme.

Noch weiß es niemand außer mir, aber in ein, zwei Wochen wird sie es dem Team erzählen und ab dort wird sie die volle Aufmerksamkeit bekommen, an jedem Mittagessenstisch, bei jedem Feierabendhock, bei jedem Gespräch zwischen Tür und Angel. Um meine generelle Situation wissen zwar die meisten, allerdings haben es dieses Mal dadurch, dass ich ohnehin frei hatte, nur wenige mitbekommen. Man möchte es ja auch niemandem aufbinden, erst recht nicht, wenn jemand anderes mit glücklicher Schwangerschaft dabei ist. Aber immer danebensitzen und still sein, das wird hart. Dazu kommt, dass eine andere, etwas jüngere Kollegin, die ich und wir alle sehr schätzen und die bei der letzten Umstrukturierungsaktion gehaltstechnisch ziemlich hinten runtergefallen ist, seit einigen Monaten kundtut, dass sie die Dienststelle verlassen möchte. Auch im Hinblick auf Familienplanung, natürlich... ich weiß, dass sie sehr gerne meine Stelle gehabt hätte, meine letzte Schwangerschaft war nun vermutlich die letzte Chance, sie zu halten (für die Stelle der anderen Schwangeren ist sie nicht qualifiziert). Natürlich kann ich nichts dafür, aber irgendwie habe ich es dennoch auf den Schultern.

Ich bin gläubig, spreche viel mit Gott und sage ihm, dass ich für meinen Wunsch jeden Weg mitgehen werde, den er für mich vorgesehen hat, weil ich weiß, dass am Ende alles genau so sein wird, wie es sein soll, auch wenn ich es vielleicht jetzt noch nicht begreifen kann. Nun, das wäre es, es wäre perfekt gewesen... ich verstehe nicht, warum es mir dieses Mal nicht vergönnt war, das erleben zu dürfen, nachdem ich doch schon zwei Kinder gehen lassen musste. Außerhalb der Arbeit habe ich sehr wenig Kontakt zu Gleichaltrigen, eigentlich keine Freundinnen, ich habe mir nach jedem Verlust immer gewünscht, dann zumindest beim nächsten Mal mit jemandem zusammen schwanger zu sein, den ich kenne.

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, was ich will. Wahrscheinlich nur das ganze Gefühlschaos niederschreiben, was mich heute so überraschend heimgesucht hat. Vielleicht habt ihr ja noch Erfahrungen, wie ich das kommende halbe Jahr am besten mit der Situation, dem ganzen "was wäre wenn" umgehen kann? Ein Zettelchen mit "Ey, geheult wird daheim!" hängt schon an meinem Bildschirm, das fand ich heute irgendwie notwendig.

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#18

RE: Meine Freundin ist schwanger, ich habe mein Kind verloren

in Ich bin sehr traurig und möchte reden 01.06.2026 17:50
von Hühnchen • 190 Beiträge | 190 Punkte

Liebe Zebrafink,
ich habe leider gar keine guten Ratschläge oder Tipps, aber wollte dir eine Umarmung schicken und dir sagen, dass ich deine Gefühle so gut nachvollziehen kann. Ich habe schwangere Kolleginnen im Endeffekt irgendwie „ertragen“ (ich gönne es jeder von Herzen, aber wie du selbst schon sagst, es ist einfach hart) und war froh, wenn der Mutterschutz begonnen hat. Bei den KiWus habe ich übrigens immer ziemlich hartnäckig angerufen wegen Terminen, vielleicht wäre das noch eine Idee? Ich hasse telefonieren eigentlich, aber das ging irgendwie besser als per Mail.
Vielleicht kannst du dir heute etwas Gutes tun!
Fühl dich gedrückt.

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#19

RE: Meine Freundin ist schwanger, ich habe mein Kind verloren

in Ich bin sehr traurig und möchte reden 02.06.2026 07:50
von fuerkaulquappe • 14 Beiträge | 14 Punkte

Ich hatte eine sehr ähnliche Situation. Die Kollegin nur ein bisschen weiter als ich in der Schwangerschaft. Der Chef hat schon die Hände übern Kopf zusammengeschlagen, weil wir jetzt beide fehlen. Dann hatte ich die Fehlgeburt und sie hat ihres ausgetragen.

Ich weiß nicht, ob das ein guter Rat ist. Ich sag dir, wie ich das mache, auch bei schwangeren Freundinnen. Ich kleb an ihnen und ihren Kindern dran, als wärens meine eigenen. Ich freu mich irre mit ihnen, suche ihre Nähe, frage tausend Sachen, als würde wir eh schon von Mutter zu Mutter sprechen.
Mir ist klar, dass ich damit überkompensiere, aber lieber stecke ich meine Energie in das neue Leben einer Freundin oder Kollegin, als in unproduktives Selbstmitleid. Und ja, ein weinendes Auge ist trotzdem manchmal dabei. Das vergeht nie und das ist okay.

Alles Gute dir, lG Valentina

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