Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
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Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 16:04von juli.s_91 • 4 Beiträge | 4 Punkte
Hallo zusammen,
ehrlich gesagt, weiß ich nicht so richtig wie ich anfangen soll.
Das Bedürfnis, mich mit anderen Frauen auszutauschen, die ähnliches erlebt haben ist die letzten Tage bei mir so stark gewachsen, dass ich mich einfach in diesem Forum anmelden musste.
Ich habe mein Baby in der 5. SSW. verloren. Dies ist jetzt erst knapp anderthalb Wochen her.
Ich wusste nicht, dass ich schwanger war. Meine Regel war überfällig und so machte ich vorsichtshalber am 30.04 einen positiven Test.
Die Pille hatte ich erst Ende Februar nach fast 14-Jähriger Einnahme abgesetzt. Mein Freund ich sind seit über 10 Jahren zusammen, gerade seit einem knappen Jahr im eigenen Haus eingezogen und sehr glücklich.
Im September wurde ich 30 Jahre alt und der Kinderwunsch ist auf beiden Seiten da.
Also haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und den Dingen ihren Lauf gelassen.
Nie im Leben hätten wir gedacht, dass es so schnell passiert. Ich war völlig von den Socken, als ich den positiven Test in den Händen hielt.
Voller Freude und leicht geschockt habe ich den Test meinem Freund beim gemeinsamen Frühstück gezeigt. Wir haben uns so gefreut...
Dann gingen die Blutungen los, nur ein paar Stunden später. Ich hatte die ganze Woche vorher schon leichte Blutspuren, sodass ich dachte, dass sich meine Regel ankündigte. Da hatte ich an eine Schwangerschaft noch gar nicht gedacht, im Nachhinein fielen mir meine spannenden Brüste ein und ein Ziehen im Unterleib, da machte alles Sinn.
Aber die Blutungen wurden immer schlimmer, dennoch fühlte ich mich weiterhin "schwanger". Ich hatte ein Ziehen im Unterleib und dachte zunächst an Einnistungsblutungen.
Tags darauf ging ich direkt zu meiner Frauenärztin die mich untersuchte und Fragen stellte. Anhand vom Ultraschall konnte man noch gar nichts erkenne, nur das sich viel Gewebe aufgebaut hatte. Nach ihrer Berechnung meiner letzten Periode, meinte sie dass ich in der 5 Woche sein müsste, aber die Blutungen schon außergewöhnlich stark wären. Da richtete ich mich innerlich schon auf negative Nachrichten ein. Ich bekam Blut abgenommen und sollte am Mittwoch wiederkommen.
Die Blutungen gingen weiter und manchmal sah ich auch Gewerbereste auf der Toilette, dennoch hatte ich diese Hoffnung in mir...
Am Mittwoch war ich wieder bei meiner Ärztin. Als ich die Sprechstundenhilfe ansprach, dass ich heute einen Termin hätte für weitere Blutentnahme und Untersuchung, suchte sie mit Ihrer Kollegin meine Akte raus und sagte: Der HCG Wert ist angestiegen, sie ist schwanger. Daraufhin ging ich mit klopfendem Herzen ins Wartezimmer, innerlich mit der Hoffnung erfüllt, es wäre doch alles in Ordnung und die Dinge würden sich ins Positve verwandeln.
Diese Hoffnung wurde eine Stunde später im Ärztezimmer zunichte gemacht. Im Ultraschall war eine leere Gebärmutter zu sehen..nichts. Der HCG-Wert wäre rapide gefallen, sagte meine Ärztin. Ich saß da und war wie paralysiert. Ich wusste das es sehr früh war und der Zeitpunkt ab dem ich wusste ich bin schwanger und war es dann plötzlich nicht mehr, war so verdammt kurz.
Meine Frauenärztin sprach mir Mut zu, dass ich erst mal zwei Monate abwarten sollte, bevor wir es wieder versuchen könnten, dass es die Natur der Dinge sei, sie mir alles Gute wünscht usw.
Ich muss jetzt am 19.05 wider hin und Blut abnehmen lassen, bis der HCG Wert auf 0 ist.
Im Auto weinte ich fürchterlich. Zu groß war der Schock und die Enttäuschung. Ich musste an meinen Freund denken, ich rief ihn an und erzählte ihm alles. Auch er war traurig, ich hörte es an seiner Stimme, aber auch er sprach mir Mut zu, dass wir es bald wieder versuchen würden.
Zuhause verkroch ich mich unter meine Decke und heulte über 3 Stunden lang. Als mein Freund nach Hause kam, sah er mich und nahm mich fest in den Arm. Dann überredete er mich spazieren zu gehen. Dort redeten wir und ich weinte und weinte.
Als wir zurück kamen, machte er mir einen Tee und hielt mich einfach die ganze Zeit fest. Ich weiß das er auch traurig ist, aber er meinte auch, dass es für ihn noch nicht so greifbar gewesen ist, wie für mich. Das kann ich auch verstehen.
Wir haben bisher mit niemanden darüber gesprochen, weil wir das nicht wollen. Wir möchten keine Nachfragen, es würde einfach zu sehr weh tun, aber ich hab das Gefühl er hat das Ganze schon besser verarbeitet. Aber ich nicht. Meine Freundinnen sind alle Mütter, eine meiner engsten Freundinnen hat gerade vor 6 Wochen ihr zweites Baby bekommen. Der Anblick schmerzt. Ich kann selbst die verdammte ClearBlue Werbung im Fernsehen nicht ertragen.
Auf der Arbeit muss ich als so tun, als würde es mir gut gehen.
Ich möchte mich nicht selbst runterziehen und ich weiß, dass wir alles daran setzen werden ein gemeinsames Baby zu bekommen. Aber der Gedanke an den kleinen "Krümel" lässt mich einfach nicht los. Und ich werde natürlich beim nächsten Mal, wenn es wieder klappen sollte, mehr Angst haben, dass wieder etwas passiert.
Habt ihr einen Tipp für mich, was ich dagegen tun kann? Was hat Euch geholfen? Wie haben sich Eure Partner verhalten?
So blöd es klingt, wir lenken uns gerade mit der Planung unseres Sommerurlaubs ab. Ich will einfach weg, rein in ein Flugzeug und zwei Wochen abschalten. Vielleicht hilft das ein wenig Kraft zu schöpfen und ich kann hoffentlich mit ein bisschen Abstand das alles betrachten.
Ich bin gerade sehr froh, dass ich mir das alles von Seele schreiben konnte!
Über Eure Antworten freue ich mich sehr!
Alles Gute!
RE: Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 16:57von Reb • 332 Beiträge | 334 Punkte
Liebe Juli,
es tut mir sehr leid, dass auch das erleben musstest. Hier im Forum kann dich wohl jede nur zu gut verstehen.
Mir hat es geholfen, hier einfach ganz ungeschminkt meine Gefühle loszuwerden und auch, die positiven Geschichten nach einer FG zu lesen.
Zusätzlich habe ich mir Hilfe bei einer Psychologin gesucht, denn ich konnte nicht immer nur mit Freundinnen oder mit meinem Mann darüber reden. Die Gespräche tun mir sehr gut und meine Psychologin hatte mir genau zu dem geraten, was du gerade machst: Dinge planen, insbesondere Urlaub. Es tut gut, sich auf etwas freuen zu können, auch wenn das Wort "Freude" in dem Kontext etwas befremdlich erscheint.
Ich muss aber auch sagen, dass es mir persönlich erst wirklich wieder besser geht, seitdem ich wieder (bisher erfolgreich) schwanger bin. Mittlerweile kann ich auch kleine Babys und Schwangere wieder leichter ertragen. Und auch wenn das erst mal doof klingt: Du bist schnell schwanger geworden und das kannst du auch wieder ganz schnell werden (so war es bei mir letztlich, auch wenn ich zwischendrin noch eine ELSS hatte).
Diese Sache mit den 2 Monaten warten würde ich so nicht unterschreiben, da sagen ja alle Ärzt etwas anderes. Ich hatte eine Ausschabung per Saug-Kürettage und eine Bauchdeckenspiegelung mit Entfernung eines Eilleiters, wir "durften" beide Male gleich wieder probieren (2 Wochen warten nach der Ausschabung wegen Infektionsrisiko). Letztlich ist es wohl eher eine Frage der eigenen Verfassung, ob man sich wieder dazu bereit fühlt.
Meinem Mann ging es nach der FG auch nicht gut, aber er war oft mit meiner Traurigkeit überfordert. Es hat viel Zeit und Gespräche gebraucht, bis er meine Gefühle so richtig verstehen konnte. Er war bzw. ist immer noch vor allem sehr sauer darüber, dass es so ein Tabuthema ist. Aber es ist auch einfach so, dass die Männer besonders in der Frühschwangerschaft noch nicht so in dem Thema drin sind und es einfach noch abstrakter für sie ist. So, wie ich deine Geschichte verstehe, war dein Partner bei den Untersuchungen nicht dabei. So war es bei meiner ersten SS auch, weil er beruflich unterwegs war. Jetzt konnte er bei jeder Untersuchung dabei sein und ich merke, dass das für seine Wahrnehmung einen großen Unterschied macht, das Baby nimmt für ihn im wahrsten Sinne des Wortes Form an.
Kannst du dich nicht auf der Arbeit krankschreiben lassen? Vielleicht von deinem Hausarzt, damit dein Arbeitgeber keine dummen Fragen stellt? Nimm dir auf jeden Fall die Zeit, die du brauchst und versuche, dir viel Gutes zu tun.
Ich wünsche dir alles Gute und glaube fest daran, dass du ganz bald wieder einen positiven Test in der Hand hälst. 🍀
RE: Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 17:27von juli.s_91 • 4 Beiträge | 4 Punkte
Liebe Reb,
Vielen lieben Dank für die Antwort und deine warmen Worte, das tut sehr gut!
Und mir tut Dein Verlust auch unendlich Leid und wünsche Dir und deinem Mann alles erdenklich Gute für die Schwangerschaft!
Richtig, mein Freund war bei den beiden Untersuchungen berufsbedingt nicht dabei, aber er würde in der Zukunft auf jeden Fall mitkommen und mich unterstützen.
Wenn ich etwas "Positives" aus der FG mitnehme, ist es tatsächlich die Erkenntnis, dass ich schnell schwanger werden konnte.
Ehrlich gesagt, glaube ich selbst die Arbeit ist im Moment die Beste Ablenkung. Zuhause würde ich nur grübeln. Ich hatte mir überlegt mich meiner Mama oder meinen engsten drei Freundinnen anzuvertrauen, aber das wollte mein Freund nicht so gerne. Er meinte, ob es nicht besser wäre, wenn wir das Ganze für uns behalten und zu zweit das Ganze durchstehen. Natürlich ist er für mich da und kümmert sich sehr liebevoll um mich und macht uns Mut für den nächsten Versuch, aber so blöd es klingt, der Mann kann vielleicht nicht alle Gefühle so hundert Prozent nachempfinden, wie du es schon treffend beschrieben hast. Dennoch respektiere ich seinen Wunsch. Bei mir wäre auch die Angst zu groß, je mehr Leute in unserem Umfeld davon wissen, umso mehr wird irgendwann nachgefragt. Und das baut Druck auf odet schürt noch meht Angst, wenn es wieder nicht gut gehen würde.
Es hat mir sehr gut getan, dass ich hier all meine Gedanken und Gefühle mal niederschreiben konnte.
Danke dafür! 
RE: Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 17:36von Susanne • 5.824 Beiträge | 5844 Punkte
Hallo Liebe Juli, herzlich willkommen und mein Mitgefühl für deinen verlust. ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ein Tapetenwechsel ist sehr hilfreich um einen gewissen Abstand zu bekommen. Ich kann auch verstehen, dass man nicht mit freunden reden mag. Zum einen weil sie es vielleicht nicht nachempfinden können, wenn sie es nicht selber erlebt haben, und zum anderen, weil sie dann von dem Kinderwunsch wissen, und das einen druck aufbaut. Wir sind auf jeden Fall gerne und immer für dich da, wenn du reden magst und es freut mich, dass es dir vielleicht schon etwas geholfen hat. sei lieb gedrückt
RE: Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 19:44von Reb • 332 Beiträge | 334 Punkte
Vielen Dank. 🧡
Wenn dir die Ablenkung auf der Arbeit gut tut, dann ist das natürlich auch prima.
Und wenn es dir damit gut geht, nicht mit deinen Freundinnen darüber zu reden, ist das ja auch vollkommen ok. Bei mir wussten es schon einige, auch die Familie. Und ich habe von allen nur sehr liebevolle Reaktionen erfahren, auch wenn manchmal der etwas unbedachte Spruch "Beim nächsten Mal klappt's schon" dabei war (hat es ja bei mir nicht mal ...). Druck hatte ich nicht, nur an Weihnachten war es sehr schwierig, weil ich auch nach der FG lange keinen Alkohol getrunken habe, und die Schwiegereltern offensichtlich dachten, ich sei wieder schwanger. Da musste ich dann meinen Mann beauftragen, das aufzuklären.
Allerdings haben wir die jetzige SS geheim gehalten, nur meine zwei besten Freundinnen wissen es, weil wir am Testwochenende zusammen waren. Somit kann ich mich anvertrauen, ohne Druck zu haben, denn den hätte ich, wüsste es jetzt wieder die ganze Familie.
Allgemein kommt das natürlich auf die Freunde und die Familie an, die kennt man ja selbst am besten.
Und wenn du eine erneute SS verkünden darfst, kannst du dich ja immer noch anvertrauen, wenn dir der Sinn danach steht. Aber wenn du wirklich vorher schon Redebedarf mit einer Freundin hast, würde ich das deinem Freund noch mal erklären. Ich bin mir sicher, dass er das dann auch verstehen kann.
RE: Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 19:56von juli.s_91 • 4 Beiträge | 4 Punkte
Hallo Susanne,
Vielen Dank auch an Dich für dein Willkommen heißen und die lieben und aufmunternden Worte!
Ich weiß, dass meine Freundinnen sehr gerne für mich da wären und auch ein offenes Ohr hätten, aber die haben ihr eigenes Leben und gerade die eine, die wieder frisch Mami geworden ist, will ich damit nicht "überfordern". Sie muss sich selbst um ihrr zwei Mäuse kümmern.
Danke Euch!
RE: Das erste Mal schwanger und Fehlgeburt erlitten
in Die Geschichte, die Euch hierher geführt hat 09.05.2022 20:02von juli.s_91 • 4 Beiträge | 4 Punkte
Hallo Reb,
Eure Worte tun echt gut!
Ich denke ich versuche mich erst mal abzulenken, ob mit Arbeit oder unserer Urlaubsplanung. Im Garten haben wir auch viel zu tun.
Wenn eine gewisse Zeit vergangen ist, werde ich vielleicht mit meinen Mädels darüber sprechen, aber ich konzentriere mich jetzt lieber auf mich und meinen Freund.
Je mehr Zeit wir zusammen verbringen und uns ablenken können, desto besser wird es mir helfen nicht mehr als daran zu denken.
Und vielleicht würde es mir ebenso helfen, wenn ich versuche das Thema "Baby' eine zeitlang ruhen zu lassen. Auch wenn das in meinem Freundes-und Bekanntenkreis im Moment echt schwierig ist.
Liebe Grüße!
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